Durchgeblättert – „Mehr Musenküsse“ v. Mason Curry/Arno Frank

Jetzt sind sie wieder da, die wunderbaren « Musenküsse » diesmal geschrieben und zusammengestellt von Mason Currey und Arno Frank. Bereits im ersten Band wurden berühmte Künstler und ihre Rituale treffend und mehr als kurzweilig vorgestellt. Im aktuell veröffentlichten zweiten Band « Mehr Musenküsse » bekommt Mason Currey durch Arno Frank die perfekte Unterstützung.

Mason Currey, in Pennsylvania geboren, studierte an der University of North Carolina und war einige Jahre Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften. Der erste Band « Musenküsse », der 2014 erschien, ist durch seinen Blog « Daily Routines » entstanden. Arno Frank, der nun die Ehre hat, bei der Fortsetzung mitzuwirken, war elf Jahre als Redakteur bei der taz in Berlin tätig und arbeitet nun als freier Journalist für Spiegel Online, Die Zeit und Musikexpress.

Lesen wir nicht alle gerne über Menschen und ihre Rituale, Alltagsgewohnheiten, ja vielleicht so gar auch über ihre Marotten und Eigenarten. Es hat doch einen gewissen, wenn nicht so gar starken Reiz, als Leser seine Nase in die Gewohnheiten berühmter und vielleicht sogar verehrender Künstler hineinzustecken. Bei den « Musenküssen » handelt es sich keinesfalls um eine Art Klatschpresse auf intellektuellem Niveau. Nein, es sind die richtig spannend zu lesenden Arbeitsrituale, die wir hier in knapper und nicht weniger präziser Manier kennenlernen dürfen, sei es von sowohl noch lebenden und als auch bereits verstorbenen Künstlern.

Wer hätte gedacht, dass zum Beispiel der Philosoph Peter Sloterdijk sich nicht nur nach getaner Schreibarbeit auf seinen Hometrainer schwingt und lange « Fahrradtouren » unternimmt, sondern sich auch gerne mal vom Fernseher berieseln lässt :

« Ich benutze das Fernsehen als Gleichgültigkeitsmaschine. »

Genau so wenig vorstellbar ist, dass der berühmte Tänzer und Choreograph George Balanchine sich sehr gerne mit Hausarbeit insbesondere mit seiner Wäsche beschäftigte :

« Am kreativsten bin ich, wenn ich bügle. »

Peter Handke dagegen schreibt nur mit Bleistift. Der Grund war eine nicht vorhandene Schreibmaschine während eines Andalusienaufenthalts :

« Über das Geräusch eines Bleistifts könnte ich fast eine Ballade schreiben. Es ist auch schön und richtig zu radieren. »

Viele Künstler nutzen ihre Schlaflosigkeit als Schreib- und Arbeitspotential. Doch andere wiederum brauchen viel Schlaf und gehen äusserst früh zu Bett, um sich bereits in den frühen Morgenstunden in die Arbeit stürzen zu können. Für einige Schriftsteller ist ein Leben ohne Schreiben nicht vorstellbar. Andere brauchen Drogen und Alkohol damit sie überhaupt in Fahrt kommen. Und der Kaffee geht bei manchen als einziges Nahrungsmittel direkt durch den Magen. Aber auch Rituale wie kalte Bäder am Morgen oder bestimmte Speisen gehören zu den absolut notwendigen Gepflogenheiten, die zu einer erhöhten Produktivität beitragen können.

« Mehr Musenküsse » ist ein Vademekum der Sonderklasse, ein Panoptikum der Künste und Kultur. Mehr als 80 Persönlichkeiten lassen uns an ihren Alltagsritualen oder sollte man eher sagen Überlebens- und Arbeitsstrategien teilhaben. Mason Currey und Arno Frank haben ein Buch konzipiert, in dem man sich festliest und es so schnell nicht wieder aus der Hand legen kann. Die Prägnanz der Texte ist wie bereits beim ersten Mal wieder vom Feinsten und der Unterhaltsamkeitswert mehr als gegeben.

« Mehr Musenküsse » ist ein handlich gestaltetes Buch-Kunstwerk über und mit den verschiedensten Künstlern, Schriftstellern, Philosophen, Musikern, Komponisten und anderen Kreativen, das nur so vor Lebendigkeit sprüht, für Überraschungen sorgt und die Neugierde nach mehr steigert!

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