Durchgelesen – „Zum Zeitvertreib – Vom Lesen und Malen“ v. Winston Churchill

Winston Churchill (1874 – 1965) kennen wir als einen der bedeutendsten britischen Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. Er bekleidete mehrere Regierungsämter, war von 1940 bis 1945 und von 1951 bis 1955 Premierminister von Grossbritannien. Doch unabhängig von seiner grossen politischen Karriere war Winston Churchill ein überaus erfolgreicher Autor verschiedenster politischer, aber auch historischer Schriften. So dass er 1953 mit dem Literaturnobelpreis „für seine Meisterschaft in der historischen und biographischen Darstellung sowie für die glänzende Redekunst, mit welcher er als Verteidiger von höchsten menschlichen Werten hervortritt“, ausgezeichnet wurde. Somit ist es kaum verwunderlich, dass Churchill nicht nur Autor, sondern auch Leser war. Das Lesen gehörte neben der Malerei zu einer seiner wichtigsten „Freizeitbeschäftigungen“. Nun dürfen wir uns als Leser erfreuen und an diesem doch für ihn so wichtigen „Zeitvertreib“ ein wenig zu partizipieren.

Für Churchill ging es in erster Linie überhaupt erst mal darum, eine Alternative zu seiner politischen Tätigkeit zu finden, denn das wichtigste war:

„Abwechslung ist der Schlüssel schlechthin.“

Es sollte ein Hobby sein, welches zwar anspruchsvoll, aber gleichzeitig auch die politischen Gedanken etwas verdrängen konnte. Und so war es für Churchill ganz klar:

„Die beliebteste Art der Zerstreuung ist das Lesen.“

Das Lesen führte Churchill in vielerlei Hinsicht in eine Art geistige Selbstzufriedenheit, es bereicherte den Wortschatz, vor allem dann, wenn man auch noch neben seiner Muttersprache in einer anderen Sprache richtig lesen konnte. Doch gleichzeitig sollte man es in jungen Jahren nicht mit der Lektüre übertreiben, eher vorsichtig vorgehen und alles mit Bedacht und Muse ausführen.

Doch neben dem Lesen gab es noch einen weiteren sehr wichtigen Aspekt in Bezug auf den „Zeitvertreib“, nämlich die Malerei. Für Churchill war das Malen fast noch mehr „Ablenkung“ als das Lesen.

Dabei ist nicht ganz unwichtig zu wissen, dass Winston Churchill das Malen erst mit 40 Jahren für sich entdeckt hatte und damit in diesem Alter zum ersten Mal einen Pinsel führte. Der Anfang forderte auch so manchen Mut ab, bis er sich traute die weisse Leinwand mit Farbe zu beglücken:

„So ein verwegener Beginn, oder mitten hinein geworfen zu werden, macht bereits einen grossen Teil der Malkunst aus. Ab das ist beileibe nicht alles.

Le peinture à l’huile
Est bien difficile,
Mais c’est beaucoup plus beau
Que la peinture à l’eau.

Es liegt mir fern, Wasserfarben herabsetzen zu wollen. Aber es geht wirklich nichts über Ölfarben. Mit ihnen hat man ein Mittel zur Hand, das wahre Macht verleiht; man muss nur herausfinden, wie man es einsetzt.“

Ja, Churchill war sehr leidenschaftlich vor allem, was das Lesen und sehr produktiv und zielstrebig, was das Malen betrifft, somit ist es nicht überraschend, dass über 500 Gemälde entstanden sind, die teilweise bereits in einigen Ausstellungen präsentiert wurden und inzwischen auch bei Auktionen unerwartet hohe Preise erzielen konnten.

Dieser wunderbare Essay aus der Feder von Winston Churchill ist ein wahrer Lesegenuss. Mit Charme, Intelligenz, aber auch einer gewissen geradlinigen und strategischen Prägnanz zeigt uns Churchill seine Hobbys, seine „Abwechslungen“ – kurzum seinen „Zeitvertreib“! Man spürt bei jeder Zeile die echte Überzeugung hinsichtlich dieser vergnüglichen Tätigkeiten und die daraus resultierenden kaum zu übertreffenden positiven Ergebnisse. Diese Hobbys lenken ab, sie zerstreuen und sie begleiten durch ein nicht ganz einfach zu führendes Leben. Churchill suchte Kraft, er wollte, dass seine nur auf politische Entscheidungen getrimmten Gehirnzellen sich entspannen konnten und wurde – wie bereits viele andere Suchende – beim Malen und Lesen fündig.

Dieses kleine Leinenbüchlein mit gerade mal 60 Seiten ist ein perfekter und mehr als kurzweiliger „Zeitvertreib“ für jeden Menschen. Selbst der Nichtleser und Nichtmaler wird daran seine grosse Freude haben und entweder dabei die Lust am Lesen und Malen entdecken oder sich mit Enthusiasmus auf die Suche nach einer passenden Ablenkung begeben. Winston Churchills „Zeitvertreib“ amüsiert, bereichert und informiert auf so wundervolle Weise, dass man fast geneigt ist, jeden Satz darin unterstreichen zu wollen, viele Zitate am Liebsten auswendig lernen und somit für immer in seiner Seele behalten möchte.

„Zum Zeitvertreib“ ist sicherlich eines der schönsten und intellektuellsten „Geschenkbücher“, welches in den letzten Jahren veröffentlicht wurde, denn jede Zeile von Winston Churchill in diesem Essay ist ein wahres Geschenk!

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