Schlagwort: Zeit

Joseph Freiherr von Eichendorff – Gedicht

Weihnachten Markt und Straßen stehn verlassen, Still erleuchtet jedes Haus, Sinnend geh’ ich durch die Gassen, Alles sieht so festlich aus. An den Fenstern haben Frauen Buntes Spielzeug fromm geschmückt, Tausend Kindlein stehn und schauen, Sind so wunderstill beglückt. Und ich wandre aus den Mauern Bis hinaus in’s freie Feld, Hehres Glänzen, heil’ges Schauern! Wie…

Guillaume Apollinaire – Gedicht

Unterm Pont Mirabeau Unterm Pont Mirabeau fließt die Seine. Was Liebe hieß, muß ich es in ihr wiedersehn? Muß immer der Schmerz vor der Freude stehn? Nacht komm herbei, Stunde schlag! Ich bleibe, fort geht Tag um Tag. Die Hände, die Augen geben wir hin. Brücken die Arme, darunter unstillbar ziehn die Blicke, ein mattes…

Georg Trakl – Gedicht

Verklärter Herbst Gewaltig endet so das Jahr mit goldnem Wein und Frucht der Gärten. Rund schweigen Wälder wunderbar und sind des Einsamen Gefährten. Da sagt der Landmann: Es ist gut. Ihr Abendglocken lang und leise gebt noch zum Ende frohen Mut. Ein Vogelzug grüßt auf der Reise. Es ist der Liebe milde Zeit. Im Kahn…

Annette v. Droste-Hülshoff – Gedicht

Der Frühling ist die schönste Zeit Der Frühling ist die schönste Zeit! Was kann wohl schöner sein? Da grünt und blüht es weit und breit Im goldnen Sonnenschein. Am Berghang schmilzt der letzte Schnee, Das Bächlein rauscht zu Tal, Es grünt die Saat,  es blinkt der See Im Frühlingssonnenstrahl. Die Lerchen singen überall, Die Amsel…

Peter Rühmkorf – Gedicht

Drei Variationen über das Zeitgedicht Das Zeitgedicht, das Zeitgedicht, ist schon ein Tutmirleidgedicht, mit Kunst geschliffen und gefeilt, entgeht ihm, wie die Zeit enteilt, ojeh! Das Zeitgedicht, das Zeitgedicht, so schnell wie Zeitung kann es nicht, weil wo es sich mit Sinn verfaßt, ist prompt der Drucktermin verpaßt, oweh! Das Zeitgedicht, das Zeitgedicht, hat nur…

Joachim Ringelnatz – Gedicht

Silvester Daß bald das neue Jahr beginnt, Spür ich nicht im geringsten. Ich merke nur: Die Zeit verrinnt Genauso wie zu Pfingsten, Genau wie jährlich tausendmal. Doch Volk will Griff und Daten. Ich höre Rührung, Suff, Skandal, Ich speise Hasenbraten. Mit Cumberland, und vis-à-vis Sitzt von den Krankenschwestern Die sinnlichste. Ich kenne sie Gut, wenn…