Georg Trakl – Gedicht

Verklärter Herbst

Gewaltig endet so das Jahr
mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Kahn den blauen Fluß hinunter
wie schön sich Bild an Bildchen reiht –
das geht in Ruh und Schweigen unter.

Durchgeblättert – „Unter den Dächern aus Zink“ v. Adriaan van Dis

Der Untertitel «Paris, ein ABéCédaire» lässt im ersten Augenblick vielleicht Schlimmes vermuten, denn man denkt sofort an die eher unkritischen und langweiligen Stadt-Wörterbücher, die sich höchstens für den Drei-Tage-Touristen eignen. Doch die Befürchtungen sind glücklicherweise vollkommen umsonst, da es sich bei diesem – nicht nur bezüglich des Layouts – sehr schön gestalteten Buch um das ganz persönliche Pariser Lebens-ABC des holländischen Autors Adriaan van Dis handelt.

Adriaan van Dis, geboren 1946 in Bergen, wuchs in einer aus Indonesien repatriierten Familie auf. Er studierte zuerst Holländisch in Amsterdam und anschliessend Afrikaans in Südafrika. Bevor er sich dem Literatur-Jounalismus zuwandte, beschäftigte er sich sehr mit der Anti-Apartheid-Bewegung. Van Dis ist ein grosser Kenner Afrikas, von denen auch zahlreiche seiner Erzählungen und Novellen profitierten. Beeinflusst durch viele Reisen nach China und Japan, werden auch diese Kulturen in sein Werk literarisch integriert. Er veröffentlichte Romane und Drehbücher und wurde mit vielen renommierten Preisen ausgezeichnet. Neben seiner Karriere als Fernsehmoderator, gehört van Dis zu einer der populärsten Autoren in Holland. Ein grosser Wunsch, einmal in Paris zu leben, verfolgt ihn seit über 40 Jahren. Und mit seinem aktuell in deutscher Übersetzung erschienen Buch «Unter den Dächern aus Zink» werden wir Zeuge dieser lang erwarteten Wunscherfüllung :

« Früher tat ich es als Jugendtraum ab, aber der Traum und der Lockruf wurden mit den Jahren immer mächtiger. Paris, Paris … Nicht als Zufluchts-, sondern als Schreibort. Schreiben in einer Weltstadt. In einer Stadt, in der ich frei atmen kann und unsichtbar bin, und wo einem wenig anderes übrig bleibt, als hart zu arbeiten – fern von aller Schaumschlägerei. Unerwartet habe ich wieder einmal dem Lockruf Gehör geschenkt. An einem trägen Frühlingstag, als ich nichts suchte. Bevor ich mich versah, eilte ich eine Treppe hinauf und unterschrieb Papiere : Manchmal verleiht einem die Angst Flügel. Und seitdem bewohne ich für mindestens ein Jahr ein sonniges Studio im Sechsten – einundreissig Quadratmeter, im fünften Stock unter einem Zinkdach.»

Adriaan van Dis hat sich also ernsthaft entschieden, in Paris für eine gewisse Zeit sesshaft zu werden. Und damit beginnt seine ganz persönliche Geschichte, sein Paris-ABC, in welchem er ein paar bekannte, dafür sehr viele neue und auch kritische Sichtweisen auf diese ruhelose und faszinierende Stadt bietet.

Er versucht wie ein Pariser zu leben. Freut sich über seinen Namen am Briefkasten und über die Strom- und Gasabrechnung, hat einen Friseur und Arzt, ist Mitglied im Fitness-Club, liest täglich Le Monde und kauft die Lebensmittel bei seiner Nachbarin im Quartier und lässt bei ihr, wie alle anderen, anschreiben. Auch der Clochard Monsieur Dubois, der sich in seinem Hauseingang ein Plätzchen gesucht hat, grüsst ihn regelmässig, was die Zugehörigkeit noch wesentlich steigert.

Doch van Dis bleibt natürlich nicht nur in seinem Quartier, beziehungsweise in seinem Studio, er spaziert durch die Stadt und entdeckt die unterschiedlichsten Welten, die eine Metropole, wie Paris, zu bieten hat.

Wir erfahren, wie schön es im August in Paris sein kann, wo alles etwas langsamer geht, leerer ist und die wenigen daheim gebliebenen Pariser ihre Stadt geniessen und sich Zeit nehmen, sie selbst wieder neu zu entdecken. Es ist van Dis Lieblingsmonat, allerdings nicht im Jahr 2003. Ein Sommer mit Temperaturen über 40 Grad, was nicht nur den gesunden und jungen Menschen Probleme bereitete, sondern vor allem den Alten und den Obdachlosen wie M. Dubois. In dieser Zeit wird Paris zu einem glühenden Backofen und hatte schliesslich mehr als 14.000 Hitzeopfer zu beklagen. Doch M. Dubois überlebte dank einer Geige.

Um Paris wirklich verstehen zu können, darf man sich auf keinen Fall vor den verschiedensten Kulturen verschliessen, die Paris beheimatet. Begibt man sich beispielsweise in die Gegend rund um den Gare du Nord, die van Dis hauptsächlich durch seinen Zug kommend aus Amsterdam kennt, steht man plötzlich in einer ganz anderen Welt, als wir sie vergleichsweise in den Künstlervierteln von Saint-Germain-des-Près oder des Quartier Latin vorfinden. Hier in einem Quartier zwischen Montmartre und Gare du Nord liegt die sogenannte «La Goutte d’Or», ein Viertel, das hauptsächlich von sehr armen Menschen mit einer anderen Hautfarbe bewohnt wird. Van Dis beschreibt das Pariser «Maghreb» mit all seinen Afrikanern, den Geschäften, den fremden Sprachen und ihren exotischen Gerüchen.

Van Dis wagt es sogar, die Banlieue (Vororte) zu erkunden, denn alles, was sich ausserhalb des sogenannten Périphérique (Autobahnrings) befindet, gehört nicht mehr zum eigentlichen Paris. Er will wissen, wie die Menschen dort wohnen, und wundert sich nicht, dass es in den von Beton beherrschten Randgebieten mehr als schwierig ist, sinnvoll und gewaltfrei sein Leben zu gestalten.

Doch «Paris gibt es nur in der Mehrzahl », wie van Dis in seinem ersten Kapitel erklärt. «Und ich weiss immer noch nicht, welches Paris ich liebe : Die prahlerische Stadt, die sich mächtig in die Brust wirft, oder die dörfliche Stadt, les villages de Paris. Die chauvinistische Stadt, deren Bewohner nicht weiter schauen als bis zum Autobahnring, oder die Schmelztiegel-Stadt, in der Hundert Sprachen leben und mindestens so viele Religionen. Die Zinkdächer oder den schwarzen Schiefer, die grünspanigen Kuppeln, die vergoldeten Ränder und goldenen Spitzen der Staketenzäune. Die Rinnsteine, die wie Bäche rauschen, oder die Seine. Ich bewundere das künstlerische und literarische Gedächtnis von Paris. Die Vergangenheit lehrt mich Tag für Tag etwas Neues. Und die Gegenwart : Die Probleme einer Weltstadt halten mich beweglich. In Amsterdam schlafe ich ein, verdorfe. In Paris hingegen wache ich auf.»

Und so folgen wir als Leser Adriaan van Dis auf seiner mehr als wachen Entdeckungstour. Wir schliessen uns seinen Spaziergängen an: durch den Jardin du Luxembourg und durch Montparnasse – immer mal wieder auch auf den Spuren von Ernest Hemingway und Gertrude Stein. Ein anderes Mal begleiten wir van Dis zum Père Lachaise, dem grössten Pariser Friedhof und lassen uns erklären, warum die Bewohner von Paris am ältesten werden und es so wenige dicke oder – um es noch drastischer zu formulieren – fette Franzosen gibt.

Adriaan van Dis entführt uns – eingeteilt in zwanzig prägnante Kapitel – in die berauschende, teilweise auch bedrückende, aber trotzdem unaufhörlich anziehende Atmosphäre dieser Weltmetropole. Und diese besondere Stimmung wird durch zahlreiche Schwarz-Weiss-Fotografien wunderbar sanft eingefangen, welche dieses Buch auch visuell zu einem ganz besonderen Werk machen.

Selten finden wir eine so authentische, kritische und gleichzeitig bewundernd verliebte Beschreibung von Paris. Ariaan van Dis lässt den Leser an seinen ganz persönlichen Erfahrungen teilhaben, klärt ihn über die verschiedensten Lebensverhältnisse auf und beobachtet voller Neugier und Faszination das Treiben und die Menschen in dieser Stadt. Durch seine stilvoll elegante und gleichzeitig direkte Sprache, wird diese Wanderung durch die verschiedensten «Dörfer» von Paris zu einem spannenden und unvergesslichen Abenteuer.

«Unter den Dächern aus Zink» ist ein ganz aussergewöhnliches Reise-Buch! Der Leser wird durch die starke Erzählkraft von Andriaan van Dis wahrlich von der Stadt Paris aufgesogen und fühlt sich – wie der Autor selbst – sofort als Neu-Pariser, ohne jedoch dabei einen Mietvertrag unterschreiben zu müssen. Wenn Sie also Paris nah und echt erleben wollen, dann sollten Sie diesen besonderen „Stadt-Führer“ unbedingt in Ihre geistige „Reisetasche“ packen…

Durchgeblättert – „Lies und Höre – Orte der Dichtung und Musik“ v. Volker Gebhardt

Deutschland, das Land der Dichter und Musiker, aber auch der kulturellen Orte wie Theater, Musikhäuser und Bibliotheken. Ein Land das zwar Vieles bietet, aber leider oft unentdeckt bleibt. Wie wäre es nun mit einer Reise zum Beispiel auf den Spuren von Goethe, Hölderlin, Bach und Beethoven. Da werden Sie nun sagen, alt bekannt und nicht wirklich etwas neues, doch weit gefehlt !

Um die Bedeutung vieler pompöser Villen und Gebäude, aber auch kleiner Gartenhäuschen etc. zu verstehen, werden wir von Volker Gebhardt mit seinem faszinieren Bild- und Textband « Lies und Höre » auf eine Art kulturelle Wanderung durch Deutschland mitgenommen. Volker Gebhardt hat nach seinem Studium der Kunstgeschichte am Warburg Institute in London in verschiedenen Verlagen gearbeitet und ist heute als freier Autor und Publizist tätig. Bei diesem kulturellen Reisebuch wurde er von den zwei Fotografen Horst und Daniel Zielske begleitet, die sich seit über zwanzig Jahren auf Landschafts- und Architekturfotographie spezialisiert haben.

Gleich zu Beginn dieser besonderen « Lies und Höre » – Reise findet man in diesem sehr aufwendig gestalteten Buch direkt neben dem Inhaltsverzeichnis eine äusserst übersichtliche Deutschlandkarte mit den jeweilig gekennzeichneten kulturellen Orten, die in diesem Band besprochen bzw. vorgestellt werden. Man muss fairerweise ergänzen, dass hier aufgrund einer ganz bewussten Auswahl von Volker Gebhardt, ein gewisser Mut zur Lücke im Hinblick auf Dichterhäuser etc. beabsichtigt war. Es geht hier nicht darum alles abzudecken, sondern besondere und bedeutende Repräsentanten der deutschen Kultur in den Mittelpunkt zu rücken.

Somit können wir unsere Reise beispielsweise im Süden starten : Über das Hermann-Hesse-Haus in Gaienhofen oder den Hölderlinturm in Tübingen – weiter in die Mitte Deutschlands nach Leipzig zum Bachmuseum und der Thomaskirche  – mit einem Schlenker nach Osten zu einer Wanderung durch das Ruppiner Land auf den Spuren von Theodor Fontane  – mit dem Endziel im Norden Meeresluft zu schnuppern und dabei das Theodor-Storm Museum in Husum zu besuchen.

Sie können aber auch im Norden mit einem Abstecher ins Buddenbrookhaus in Lübeck beginnen, in den Westen weiterreisen nach Bonn für einen kurzen Besuch im Beethoven-Haus, um dann von dort aus direkt quer durch die Republik im Osten eine Pause in Goethes Gartenhaus in Weimar einzulegen. Weiter geht es dann über einen kleinen Umweg über Bayreuth und Richard Wagner schliesslich nach Meersburg an den Bodensee, um als krönenden Abschluss den schönen Alpenblick vom Domizil der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff aus geniessen zu können.

Wie Sie sehen, kann kulturelles Reisen sehr abwechslungsreich und kurzweilig sein. Volker Gebhardt führt uns mit seinem Buch « Lies und Höre » an Orte, die wir nicht so schnell wieder vergessen, zeigt uns überraschende Details und macht uns durch seine prägnanten Kurzbiographien der Dichter, Musiker und Denker neugierig auf mehr. Dieser gelungene Band besticht durch sehr kompetente Texte und die traumhaften Landschafts- und Architektur-aufnahmen, die eine Reise wunderbar ergänzen, aber natürlich niemals ersetzen würden. Denn wie bereits Goethe treffend formulierte : « Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen. » Deshalb zögern Sie nicht länger! Lassen Sie sich durch dieses schöne Buch inspirieren. Reisen Sie auf den Spuren deutscher Philosophen und Literaten und geniessen Sie die dazugehörige Musik in der beeindruckenden Architektur deutscher Konzert- und Opernhäusern !

Durchgeblättert – „Paris, Liebe, Moden, Tête-à-Têtes“

Paris ist, wie wir alle zu wissen glauben, die Stadt der Liebe, des Luxus und der Mode! Doch Paris ist noch viel mehr, und das können wir in diesem neu konzipierten „Reiseführer“ – „Paris, Liebe, Moden, Tête-à-Têtes“  aus der Reihe corsofolio entdecken. Es handelt sich um eine Mischung zwischen Buch und Magazin. Fest gebunden, Hochformat, inhaltlich voller Geist und hochwertig in der Gestaltung. Also kein klassischer Reiseführer, sondern ein Führer, mit dem man vor allem auch auf seinem heimatlichen Canapé durch die Stadt Paris flanieren kann.

Doch ganz ohne „Reiseleiter“ geht das natürlich nicht. In „Paris“ lernen Sie deshalb ihren ganz persönlichen Gastgeber  – Georg Stefan Troller – kennen.

Georg Stefan Troller ist eigentlich ein gebürtiger Wiener (geboren am 10. Dezember 1921 in Wien). Mit 16 Jahren floh er vor den Nazis durch ganz Europa und emigrierte in die USA. 1949 kehrte er nach Europa zurück, da er ein Stipendium für die Sorbonne in Paris erhielt. Das Studium hatte er jedoch nie begonnen, da er ein interessantes Angebot als Hörfunkreporter annahm. Ende der 50ziger Jahre machte er erste Erfahrungen als Fernsehreporter beim Südwestfunk und begann 1962 mit dem „Pariser Journal“ beim WDR. 1971 wurde er Sonderkorrespondent beim ZDF in Paris. Troller ist Schriftsteller, Fernsehjournalist, Drehbuchautor, Regisseur und Dokumentarfilmer. Er lebt inzwischen seit über 60 Jahren in Paris!

Gleich zu Beginn dieses besonderen Paris-Führers zeigt uns der Gastgeber G.S. Troller, „Was der Pariserin wichtig und dem Pariser unentbehrlich ist.“ Warum ist Paris die schönste Stadt der Welt, obwohl angeblich die Lebensqualität nicht so hoch ist. Wer lebt in Paris, was ist ein „Bobos“ oder BCBG“? Wussten Sie, dass „Pariser(in) sein bedeutet kultiviert sein“? Oder dass auch Demonstrationen zur Pariser Kultur gehören, wie eines der gerade ganz populären Museen wie beispielsweise die Fondation Cartier am Boulevard Raspail. Und was wäre Paris ohne der berühmten Modeszene: Was zieht man an? Wie sieht der neue Look aus. Wichtig ist vor allem eins, nichts zu übertreiben. Der Pariser legt wert auf dezenten Chic ohne Protz oder dem sogenannten „bling-bling“. Die Liebe sollte natürlich auch nicht zu kurz kommen, deshalb ist das Flirten – „Draguer“ besonders wichtig. Troller gibt klare Tipps, wo es sich am besten flirten lässt, wie zum Beispiel auf den Sonnenterrassen der Cafés in der Nähe der Eglise Saint-Germain-des-Prés und im Garten des Jardin du Luxembourg.

Durch unseren Gastgeber lernen wir aber auch noch viele andere Autoren kennen, die in irgendeiner Beziehung zu Paris stehen. Da treffen wir zum Beispiel Peter Stamm, der uns erzählt, wie er mit 19 Jahren zum ersten Mal nach Paris kommt. Oder Julia Kronberg, die sich auf die Suche nach dem Pariser Mann begibt. Paul Nizon versucht uns die französische Frau zu erklären. Aber auch Louis Begley, Anne Weber und Ullrich Fichtner kommen unter anderem zu Wort. Spannend ist auch das Sätze-beendende-Interview mit der Käsehändlerin Martine Dupont und nicht zu vergessen das sogenannte Journal. Hier spazieren wir auf dreissig Seiten durch das literarische Paris unter anderem mit Michel de Montaigne, Frédéric Beigbeder, Ernest Hemingway, Patrick Süsskind  und Georges Simenon.

„Paris, Liebe, Moden, Tête-à-Têtes“ ist ein außergewöhnlicher Reiseführer, der den Leser das Besondere und das Mehr entdecken lässt. Ein Reiseführer im Großformat, der nicht in die Handtasche passt und nur als Vor-oder Nachbereitung gelesen werden sollte. Denn er gibt keine Hotel- und Restaurantempfehlungen oder ähnlich praktische Reisetipps. Nein, dieser Reiseführer erzählt über die Stadt, über die Besonderheiten, über Begegnungen, über die Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit. Mit ungewöhnlichen Fotos, sowohl schwarz-weiss und in Farbe, werden wir hineingezogen in die geheimnisvolle Magie dieser Stadt, die einen nie mehr loslassen wird, sobald man sie entdeckt und verstanden hat.

Durchgeblättert – „Die schönsten Buchhandlungen Europas“ v. Rainer Moritz

Reisen in ferne Länder oder Städte ist heutzutage etwas ganz Alltägliches! Eine Reise zu den schönsten Buchhandlungen Europas wäre sicherlich ein eher ungewöhnliches Ziel. Doch so bald Sie diesen faszinierenden Bildband in den Händen halten werden, ist diese aussergewöhnliche Entdeckungsreise zum Greifen nahe.

Genau auf diese besondere Reiseroute hat sich – unterstützt durch die international renommierten Fotografen Reto Guntli und Agi Simoes – der Autor Rainer Moritz begeben. Er leitet seit 2005 das Hamburger Literaturhaus, schreibt Kolumnen, Essays, Literaturkritiken und Bücher. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Die Überlebensbibliothek“ und „Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe“.

„Die schönsten Buchhandlungen Europas“ ist mehr als ein klassischer Reisebildband, denn der Leser taucht ein in mehrere neue Welten: ein neues Land bzw. eine neue Stadt, eine historische Architektur, eine Familiengeschichte und natürlich in die Welt der Bücher. Rainer Moritz hat ganz subjektiv, wie er selbst schreibt, 20 Buchhandlungen aus dem deutschsprachigen Raum und aus Westeuropa ausgesucht, die für ihn zu den schönsten Europas zählen.

Buchhandlungen sind Orte des Entdeckens, sie befriedigen die Neugierde, sie überraschen, sie beglücken. Es sind Orte der Begegnung, der Kommunikation, der Freude, der Ruhe, aber auch der Hektik. Sie können helfen, sie unterstützen und sie wecken Lust auf Bücher und Lesen! Doch wenn diese Buchhandlungen noch eine besondere Architektur, aussergewöhnliches Mobiliar und eine historische Familiengeschichte vorweisen können, verstärkt es die Anziehungs-kraft. Werden die Besucher dann noch mit aufmerksamer Beratung, durch eine besondere Auswahl von Büchern und bemerkenswerte literarische Veranstaltungen verwöhnt, fühlt sich jeder Leser und Buchliebhaber wie in einem Paradies.

Rainer Moritz porträtiert mit Feingefühl und grosser Neugierde die zwanzig schönsten Buchhandlungen Europas. Er zeigt uns die Besonderheiten, die buchhändlerischen Schwerpunkte und die ganz persönlichen Geschichten der Besitzer und Geschäftsführer dieser Häuser:

„Buchhandlung Felix Jud“ ist allein schon für ihren Standort zu beneiden. Sie liegt im nobelsten Einkaufsviertel von Hamburg, in einer der schönsten Passagen – die Mellin-Passage – direkt in der Nähe vom Jungfernstieg. Doch wenn man diese Buchhandlung entdeckt, vergisst man selbst die schönsten Juweliere und Boutiquen, und lässt sich bereits von den mit feinster Literatur gestalteten Schaufenstern anziehen. Spätestens beim Betreten der Buchhandlung spürt man die besondere Atmosphäre, das stilvolle Mobiliar – hauptsächtlich Kirschholz – und den Anspruch für gute Literatur.

„Librairie Galignani“ liegt im 1. Arrondissement von Paris, in der noblen und sehr bekannten Strasse – Rue de Rivoli. Genau gegenüber befindet sich der Jardin des Tuileries, daneben eines der teuersten und schönsten Hotels von Paris – Le Meurice – und das berühmte Café „Angelina“, das bereits Marcel Proust regelmässig besuchte. Galignani war und ist die erste englische Buchhandlung, die jemals auf europäischen Festland eröffnet wurde. Inzwischen gehört sie nicht nur zu den grössten englischen Buchhandlungen in Paris, sondern ist vor allem auch für ihre grosse Titelauswahl im Bereich Kunst, Mode, Fotographie, Design und Film sehr bekannt. Deshalb braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn man beim Schmökern berühmte Schauspieler und Modeleute trifft. Doch das Beste ist der perfekte Kundenservice, der sich durch besondere Kompetenz und ungewöhnliche Bibliographiermethoden auszeichnet.

Neben diesen zwei Beispielen entdecken wir unter anderem noch Buchhandlungen aus Berlin „Bücherbogen am Savignyplatz“ – die bekannt ist für ihren ungewöhnlichen Standort -, aus Brüssel „Tropismes“ – deren Name eine Hommage an Nathalie Sarraute ist – und aus Maastricht „Selexyz Dominicanen“ – die in einer der ältesten gotischen Dominikanerkirchen Hollands eingerichtet wurde -. Desweiteren finden Sie auch Buchhandlungen aus Österreich, der Schweiz, Portugal, England und Italien.

Dieser Bildband dient nicht nur zur Vor- bzw. Nachbereitung einer Reise, er ist wie eine Reise! Selbst dann, wenn man nur zu Hause gemütlich auf seinem Canapé verweilt. Rainer Moritz erzählt wunderbare Geschichten zu jeder Buchhandlung. Sie sind offen, persönlich und äusserst spannend. Sie geben aber auch Einblicke, die unverwechselbar und einmalig sind. Die faszinierenden Bilder und Momentaufnahmen der beiden Starfotografen Reto Guntli und Agi Simoes lassen den Leser vor Ehrfurcht erstarren und gleichzeitig ein euphorisches „Oh“ und „Ah“ rufen. Kunstvoll wurde mit diesen starken und klaren Photographien und den einfühlsamen Porträts einer der schönsten Bildbände aus der Welt der Bücher gestaltet.

„Die schönsten Buchhandlungen Europas“ laden Sie ein auf eine Reise, ganz ohne Ticket und ohne Gepäck! Vertrauen Sie Ihren Augen, geniessen Sie die Texte und Bilder. Sie werden mit unvergesslichen Eindrücken und einer unendlichen Lust auf Bücher und Lesen zurückkehren!

Durchgelesen – „Sommerwogen – Eine Liebe in Briefen“ v. Mark Twain

„Sommerwogen“ ist nicht nur eine Liebesgeschichte in Briefen, sondern ein autobiographisches Vermächtnis, das zum ersten Mal in deutscher Übersetzung erschienen ist. Der Leser erhält einen aussergewöhnlichen Einblick in das Privatleben von Mark Twain.

Samuel Langhorne Clemens hat in seiner Jugend bereits kleine Reportagen und Anekdoten geschrieben. Nach seiner Druckerlehre verdiente er sich sein Geld mit vielen kleinen Jobs, unter anderem auch als Lotse auf dem Mississipi. Mit einem Leitartikel hatte er dann endlich als Journalist seinen Durchbruch und wurde unter seinem Pseudonym „Mark Twain“ bekannt.

Mit 32 Jahren verliebte er sich zum aller ersten und einzigen Mal in seinem Leben. Immer Sommer 1867 auf der Fahrt mit einem Schaufelraddampfer lernte er den Mitreisenden Charles Langdon kennen, der das Bild seiner Schwester Olivia bei sich hatte. Ab diesem Moment war es um Twain geschehen. Er traf sie zum ersten Mal im Winter des gleichen Jahres in New York. Danach folgten noch zwei weitere Treffen. Und im August 1868 verbrachte er einige Tage im Haus der Eltern von Charles und Olivia Langdon.

Olivia war eine schöne, zarte, mädchenhafte und sehr gebildete junge Frau. Äusserlich wirkte sie auf Twain immer sehr zerbrechlich, doch ihr Inneres war von einer besonderen Stärke. Sie verströmte Mut, Tatkraft, Offenheit und Ehrlichkeit. Sie hatte einen Collegeabschluss und war sehr belesen. Mark Twain dagegen war eher ein rauher Bursche, er fluchte gerne und er liebte Zigarren und Alkohol. Jedoch war er so verliebt in Olivia trotz ihrer Diszipliniertheit und Vernunft. Stürmisch wie er war, hatte er bei seinem Aufenthalt bei Olivias Eltern im Sommer 1868 gleich nach vier Tagen um ihre Hand angehalten. Dieser Heiratsantrag wurde natürlich abgelehnt, doch Olivia wies ihn trotzdem nicht gänzlich zurück, sondern gestattete ihm, weiter Briefe zu schreiben, allerdings unter der Anrede „Schwester“:

„Meine verehrte Schwester, Du bist so gut & so schön, & ich bin so stolz auf Dich! Gib mir ein kleines Zimmer in Deinem grossen Herzen, nur das kleine, das Du mir versprochen hast, & wenn ich mich seiner nicht würdig erweisen sollte, will ich für immer ein heimatloser Vagabund bleiben, der ich bin!“

Mark Twain durfte sich dann endlich im Februar 1869 mit seiner geliebten Olivia verloben, nach dem er seinen Schwiegervater davor noch mit Referenzen überzeugen und sich eine feste Anstellung suchen musste. Ein Jahr später heirateten sie im Hause der Familie Langdon. Die erste Zeit danach war wunderbar für die Beiden. Doch dann wurden sie mit vielen Schicksalsschlägen konfrontiert. Olivias Vater starb, sie bekam ihr erstes Kind (Sohn) und erkrankte danach schwer an Typhus. Olivia wurde ein zweites Mal schwanger und sie gebar eine kleine Tochter.  Kurz darauf starb der Sohn im Alter von fast 2 Jahren an Diphterie. Olivia war  verzweifelt und geschwächt und Mark Twain war oft wegen seiner Vortragsreisen unterwegs. Doch ihre gemeinsame Liebe gab ihnen Kraft und Zuversicht. Twain liebte  seine Frau sehr, was er in jedem seiner Briefe an Olivia (Livy) deutlich zeigte und schrieb:

„Mein lieber kleiner Schatz, meine unvergleichliche Frau, ich sehne  mich wie verrückt nach Dir. Du weisst ja gar nicht, wie sehr ich Dich liebe. Du wirst es nie wissen. Weil immer Du das Schwärmen übernimmst, wenn wir zusammen sind, & es keinen Zweck hat, wenn wir es beide tun – ein Schwärmer nimmt für gewöhnlich dem anderen das Wort aus dem Mund. Aber jetzt liegt ein Ozean zwischen uns, & ich muss schwärmen. Ich bete Dich einfach an, liebe Livy.“

Im Sommer 1878 reisten Mark Twain und Olivia gemeinsam nach Europa. Aufenthalte in Italien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz standen auf dem Programm. Twain suchte Ruhe, Abgeschiedenheit, und einen Ort, wo ihn niemand kannte und keiner Englisch sprach, um arbeiten bzw. ungestört schreiben zu können. In dieser Zeit entstand unter anderem sein berühmter Essay „Die schreckliche deutsche Sprache“. Er schrieb Briefe an seine Familie, an Livy, wenn er sich mal wieder an einem anderen Ort befand, als sie.

„Sommerwogen“ ist ein Lesegenuss! Fast 30 Jahre lang schrieb Mark Twain Briefe an seine geliebte Frau. Dies ist eine feine  Auswahl seiner umfassenden Korrespondenz. Leider gibt es nur wenige Antworten von Olivia in diesem Buch, da die meisten ihrer Briefe verlorengegangen sind.  Dieses Werk enthält darüberhinaus auch noch einige Briefe an seine Kinder, die Eltern und Freunde. Selten hat man so etwas Geistreiches, Entzückendes und Liebevolles gelesen. Mark Twain ist dem Leser manchmal nur durch Tom Sawyer und Huckleberry Finn bekannt.  Doch spätestens durch „Sommerwogen“ kann der Leser eine ganz neue Seite an Mark Twain entdecken. Seine Briefe sind zauberhaft, manchmal kitschig, witzig, humorvoll und immer sehr authentisch. „Sommerwogen“ ist mehr als eine sprachlich brillant geschriebene Autobiographie in Briefen, es ist pures Leben!