Durchgeblättert – „Dicht am Paradies – Spaziergänge durch Pariser Parks und Gärten“ v. Rainer Moritz

Es gibt Menschen, die behaupten doch tatsächlich, Paris wäre keine wirklich grüne Stadt. Bei der intensiven Studie eines klassischen Reiseführers stellt man jedoch sehr schnell fest, dass es in Paris mehr als 400 Gärten und Parks gibt. Und spätestens durch die beglückende Lektüre dieses neuen prachtvollen Bild- und Textbandes mit dem geradezu verführerischen Titel „Dicht am Paradies“ tauchen wir richtig ein in die mehr als grünen „Welten“ dieser berauschenden Stadt.

Rainer Moritz, geboren 1958 in Heilbronn, studierte Germanistik, Philosophie und Romanistik in Tübingen und promovierte über Hermann Lenz. Ab 1989 arbeitete er in verschiedenen Verlagen, unter anderem als Cheflektor beim Reclam Verlag und als Programmgeschäftsführer bei Hoffmann und Campe. Seit 2005 leitet Rainer Moritz das Literaturhaus in Hamburg. Wir kennen ihn bereits durch sein grandioses Werk „Die schönsten Buchhandlungen Europas“. Aktuell dürfen wir uns sehr über den gerade neu erschienen Bild- und Textband „Dicht am Paradies – Spaziergänge durch Pariser Parks und Gärten“ erfreuen. Begleitet wurde Rainer Moritz bei der Entstehung dieses Buches durch den Diplom-Fotodesigner Andreas Licht. Seit 1999 ist Andreas Licht Mitglied in der „Deutschen Gesellschaft für Photographie“. Er lebt in Paris und arbeitet für europäische und asiatische Magazine mit den Schwerpunkten Reportage, Porträts und Mode.

In diesem Buch präsentiert uns Rainer Moritz eine sehr persönliche Auswahl. Er lädt uns ein, 27 Gärten, Parks und Squares zu entdecken, die sich über sehr grosse bis unglaublich klein Flächen erstrecken, die als stille Refugien oder als Prachtanlagen fungieren und die sich durch ihre aussergewöhnliche Atmosphäre, ihre architektonische Raffinesse und ihre besondere Lage auszeichnen.

Natürlich kennen wir den Jardin des Tuileries, mit seinen mehr als 25 Hektar, schon eine wahrlich grosszügige grüne Lunge in Mitten von Paris, ausgehend vom Louvre und angrenzend an den Place de la Concorde, eingerahmt vom Quai des Tuileries und der Rue de Rivoli, in der unter anderem auch einer der schönsten und ältesten Buchhandlungen von Paris, die Librairie Galignani, ansässig ist.

Mindestens genau so bekannt ist uns natürlich der im 6. Arrondissement gelegene Jardin du Luxembourg, der bereits früher ein wichtiger Treffpunkt für Künstler und Dichter war. Heute geniessen vor allem auch Studenten und Professoren der Sorbonne diese wohltuende Oase für eine Pause zwischen den Vorlesungen. Dieser Park ist ein idealer Ort zum Sonnenbaden, Lesen und Verweilen. Auch Familien mit Kindern fühlen sich hier sehr wohl, da man auch heute im 21. Jahrhundert noch die traditionsreichen kleinen Holz-Segelboote mieten kann, welche dann mit einem Stab wie zu alten Zeiten auf den Wasserbassins in Fahrt gebracht werden können.

Doch Rainer Moritz führt uns auch in unbekanntere Gärten, die selbst für manchen Pariser, sollte er nicht im gleichen Quartier wohnen, noch unentdeckt sind, wie zum Beispiel der Jardin Catherine-Labouré, ganz in der Nähe des berühmten Kaufhauses Le Bon Marché, der als eine Art Klostergarten seine Obstbäume pflegt. Aber auch die kleinen Squares, wie der Square du Temple im 3. Arrondissement oder der oft vollkommen übersehene Square de la Place Dauphine, der sich auf der Ile-de-la-Cité befindet und seinen Hauptzugang von der Pont Neuf hat. Doch auch die moderneren Parks wie beispielsweise der Parc André-Citroën (15. Arr.) oder der Parc de Bercy (12. Arr.) haben ihren ganz eigenen Charme und dienen den Parisern als wichtige Erholungsorte.

Dieser Bildband besticht durch sehr viele verschiedene Aspekte. Festgehalten und durch seine starke Ausdruckskraft der grandiosen Fotos, die wir Andreas Licht zu verdanken haben, erleben wir die Natur, das Licht und diese Pariser Luft beim Blättern und Lesen so real, als würden wir in einem Garten flanieren, die Blumen riechen und den durch die Bäume streichenden Wind spüren. Ein ganz besonderes Phänomen, das nur durch echte Fotokunst und die hochqualitative Reproduktion dieser Bilder erreicht werden kann.

Rainer Moritz hat bereits diese unvergleichliche und abwechslungsreiche Auswahl getroffen, die uns teilweise ein ganz neues und unbekanntes Paris eröffnet. Doch die Krönung in diesem Bildband sind neben den wundervollen Bildern, nicht nur die informativen Texte über Entstehung, Geschichte und Entwicklung dieser Gärten, sondern vor allem auch die literarischen Verbindungen und Beziehungen die mit und durch diese Parkanlagen entstanden sind. Rainer Moritz lässt uns an der literarischen und künstlerischen Stimmung teilhaben, die das Leben in dieser Stadt und auch in ihren Gärten charakterisiert. Somit ist es nicht verwunderlich, dass der Titel „Dicht am Paradies“ einem Gedicht von Erich Kästner über den Jardin du Luxembourg entliehen ist. Aber nicht nur Kästner, natürlich auch Rilke und Proust dürfen hier nicht fehlen, und was wäre ein Pariser Garten ohne Rodin und Manet.

„Dicht am Paradies“ gehört zu den wundervollsten Bild- und Textbänden, die es aktuell über Paris gibt. Denn selten wurde diese Stadt auf eine sowohl pittoreske und charmante, als auch künstlerisch und literarisch informative Weise porträtiert. Dank Rainer Moritz und Andreas Licht gibt es keine inspirierendere Einladung zu einem Spaziergang durch die geheimnisvollsten, prachtvollsten, verschwiegensten und architektonisch faszinierendsten Park- und Gartenanlagen in der – auch für den Durchleser – nach wie vor schönsten Stadt der Welt!

Durchgeblättert – „Marcel Proust für Boshafte“

Boshaftigkeit ist ja nicht gerade eine wirklich positive Tugend. Boshafte Menschen sind nicht leicht zu ertragen, verfolgen in der Regel böse Absichten, haben einen bösen Charakter und agieren in spöttischer Manier zur « Freude » der Umwelt. Man möge es deshalb gar nicht glauben, dass ausgerechnet Marcel Proust, der nur in den höheren Kreisen verkehrte, für « Boshafte » geeignet ist ? Wir werden spätestens nach der Lektüre dieses schmalen Bändchens eines Besseren belehrt.

Rainer Moritz hat sich der « boshaften » Thematik bei Proust angenommen und klärt uns mit diesem kompakten Zitatbüchlein ein wenig auf, das er als Herausgeber und Proustkenner begleitet hat. Wir kennen Rainer Moritz bereits als Autor von anderen Werken, wie zum Beispiel die Romane um Madame Cottard und von seiner Reise zu den « schönsten Buchhandlungen Europas ». In « Marcel Proust für Boshafte » versucht er uns ganz charmant in seinem Nachwort zu erläutern, was eigentlich so alles in der Person Marcel Proust, aber vor allem in seinem grossen Romanzyklus « Auf der Suche nach der verlorenen Zeit » an Boshaftigkeit versteckt ist. Man muss wissen, dass die « Recherche » nicht nur ein Roman, sondern auch eine Art Gesellschaftsstudie ist und sich teilweise durch sehr spöttische und ironische Passagen auszeichnet. (Die hier mit Seitenzahl angegebenen Zitate stammen aus der 7-bändigen Ausgabe!)

Damit wir als Leser den Überblick über das Boshafte nicht verlieren, wurde hier in diesem kleinen Œuvre alles ganz ordentlich nach Rubriken eingeteilt. Es beginnt, wie sollte es auch anders sein, mit dem Thema « Die Frauen » :

« Sie war wie fast alle Frauen : Sie bilden sich ein, ein Kompliment, das man ihnen macht, müsse der reinste Ausdruck der Wahrheit sein und stelle ein Urteil dar, das man unparteiisch fällt und ganz unweigerlich, als handle es sich um einen Kunstgegenstand ohne Beziehung auf eine Person.» (Die Suche nach der verlorenen Zeit, Bd. 4, 511f.)

Wunderbar spöttisch, ja quasi boshaft kann man natürlich jederzeit auch auf « Bekleidungsfragen » reagieren :

« „Irgendwo muss er doch einfältig sein. Sie hat Füsse wie Schleppkähne, einen Bart wie eine Amerikanerin und schmutzige Unterwäsche ! Ich glaube, nicht mal ein kleines Fabrikmädchen würde so etwas anziehen wollen.“ » (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Bd. 2, 564)

Bereiche wie « In bester Gesellschaft », « Gesundheitsprobleme », « Ewige Weisheiten », « Die edlen Künste », « Speis & Trank » und « Land & Leute » kommen keinesfalls zu kurz.

Doch äusserst wichtig sind natürlich auch Themenschwerpunkte, wie zum Beispiel « Die Männer ». Auch « Der Körper » wird nicht verschont, sodass manches Problem ohne Umscheife, aber trotzdem mit einer gewissen Contenance angesprochen wird:

« Doch seine Nase hatte, um sich schief über seinen Mund zu stellen, unter allen verfügbaren schrägen Linien vielleicht die einzige gewählt, die auf diesem Gesicht zu ziehen einem selbst nie eingefallen wäre und die ihm eine gewisse Note vulgärer Dummheit gab, die durch die Nachbarschaft eines normannischen apfelroten Teints noch bekräftigt wurde. » (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Bd. 4, 459)

Marcel Proust äusserst sich durch seine Helden ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, versucht selbstverständlich immer das gesellschaftliche und sprachliche Niveau zu wahren, kommt aber gerne konkret zur Sache, wie auch das folgende Zitat aus der Rubrik « Liebe, Sex & Co. » bestätigt :

« „Liebe ?“ hatte sie einmal einer prätentiösen Dame auf deren Frage „Was halten Sie von der Liebe ?“ geantwortet. „Liebe ? Mache ich oft, doch drüber reden tu’ ich nie.“ » (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Bd. 3, 270)

Tja was können wir da als Leser noch hinzufügen? Wir sollten uns spätestens jetzt nach der Lektüre dieser hervorragend zusammengestellten Zitatauswahl von Rainer Moritz bewusst werden, dass es nun an der Zeit wäre – falls Sie es nicht bereits schon getan haben – , die « Recherche » endlich in Angriff zu nehmen. Sie werden erstaunt sein, wie kurzweilig dieses Mammut-Werk letztendlich ist. Marcel Proust hat eine besondere Gabe, seinen subtilen Spott, als auch seine Geschmacklosigkeiten feinfühlig direkt und äusserst elegant zu formulieren. Dank seiner extrem scharfen Beobachtungen gelingt es Proust, jedes Detail, und wenn es nur ein ganz banaler Smalltalk in der feinen Gesellschaft ist, so zu analysieren, dass dabei gewisse Bosheiten und eine raffiniert verpackte Schadenfreude einem nicht nicht wie ein Orkan um die Ohren fliegen, sondern genau positioniert am richtigen Punkt wie ein Nadelstich ganz „leise“ treffen.

Dieses kleine Buch ist eine ideale Nachttisch-Lektüre, die gerade dann ihren Einsatz findet, wenn man nicht mehr in der Lage ist, lange Passagen bzw. Kapitel zu lesen und man vor dem Einschlafen noch einen literarisch « bösen » Gute-Nacht-Kick benötigt. Auch Marcel Proust konnte ohne Bosheiten nicht leben, wie er hier selbst durch seine « Recherche » erklärt :

« Ich für meine Person muss gestehen, dass mich nichts so amüsiert wie diese kleinen Bosheiten, ohne die ich das Leben einfach öde fände. » (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Bd. 2, 248)

Durchgelesen – „Madame Cottard und die Furcht vor dem Glück“ v. Rainer Moritz

Welch eine Freude die Pariser Buchhändlerin Nathalie Cottard und ihren Verehrer und Retter in der Not Robert Bernthaler wieder zu treffen. Bereits vor gut einem Jahr ist der erste Roman unter dem Titel „Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe“ um dieses charmante „Paar“ erschienen. Jeder Leser dieses ersten Werks hat am Ende gehofft und auch ein klein wenig geahnt, dass diese besondere Liebesgeschichte weitergehen wird. Es stellte sich nur die Frage wie?

Rainer Moritz hat uns wieder voller Charme und Einfühlungsvermögen ein neues wunderbares Buch präsentiert, das von der ganz frischen Liebe, ja eher noch vom Verliebtsein eines doch sehr erwachsenen und erfahrenen Paares berichtet. Rainer Moritz hat eine Schwäche für schöne Geschichten, für besondere Buchhändler – denkt man nur an sein fantastisches Buch „Die schönsten Buchhandlungen Europas“ –  und er schwärmt für Paris, einer Stadt, in der er immer mal wieder wohnt, wenn er nicht in Hamburg anzutreffen ist.

Die Geschichte von „Madame Cottard und die Furcht vor dem Glück“ beginnt in der Bretagne. Nathalie und Robert  – inzwischen sehr verliebt – wollen der wahren Liebe nachspüren. Und wo könnte das nicht schöner und romantischer sein, als in einem kleinen Fischerdorf am Atlantik. Doch leider währt dieses gemeinsame Glück nur sehr kurz, da Robert Bernthaler dringend aus beruflichen Gründen nach Paris zurück muss.

Die Nachricht, die Robert in der Pariser Dependance der schwäbischen Korkenfirma erreicht, ist alles andere als positiv. Er soll schnellst möglich in den Firmensitz nach Deutschland zurückkehren, da der Seniorchef seiner Firma ganz unerwartet verstorben ist. Die ganze Firma soll umstrukturiert werden und das Schlimmste steht noch bevor: man will die Pariser Filiale schliessen und Robert soll wieder fest in Deutschland – genauer in Tübingen – arbeiten.

Nathalie ist bezüglich dieser Neuigkeiten alles andere als begeistert. Sie versucht sich abzulenken, arbeitet viel in der Buchhandlung, lässt sich durch ihre Freundinnen auf andere Gedanken bringen und muss gleichzeitig noch das Problem mit ihrer Mutter lösen. Diese lebt in Grenoble und ist nach einem Sturz nicht mehr in der Lage, für sich alleine zu sorgen. Nathalie versucht für sie einen Platz in einer Pariser Seniorenresidenz zu finden, doch ihre Mutter will auf gar keinen Fall nach Paris umziehen.

Mit diesem Familienproblem im Gepäck soll Nathalie auch noch mit der neuen Situation klar kommen: Robert ist nun definitiv aus ihrem Haus im Montmartre-Viertel ausgezogen, sie kann glücklicherweise nach der Generalsanierung ihrer Wohnung wegen des Wasserschadens endlich wieder in ihren vier Wänden wohnen, aber leider ohne ihre grosse Liebe. Wie lässt sich das aushalten? Wird Robert in Deutschland bleiben? Pendelt er nun von Tübingen nach Paris? Könnte sich Natalie vorstellen in der Hölderlinstadt Tübingen zu leben? All diese Fragen werden wie immer nur teilweise beantwortet …

Rainer Moritz schreibt sehr sensibel, aber absolut unsentimental über eine Liebe, die trotz vieler Hindernisse nicht nur wachsen sondern auch bestehen kann. Man spürt bei der Lektüre, dass der Autor sich sehr gut in seiner zweiten Heimat Paris auskennt und führt somit den Leser mit Hilfe dieses entzückenden und sehr verliebten Paares an die schönsten Plätze, Parks und Strassen dieser Weltmetropole. Doch auch Tübingen und die schwäbische Mentalität der Menschen kommen in den sprachlich raffinierten Beschreibungen keineswegs zu kurz. „Madame Cottard und die Furcht vor Glück“ macht Lust auf Paris, auf eine Liebe, selbst wenn sie sich als noch so kompliziert darstellen mag und auf das Glück, das dadurch entstehen kann. Doch wie auch am Ende des ersten Romans kann man hier wieder eine Vorahnung spüren, dass die Geschichte zwischen der leidenschaftlich temperamentvollen Pariser Buchhändlerin Nathalie Cottard und dem eher etwas trockenen und rationalen deutschen Betriebswirt Robert Bernthaler noch nicht zu Ende ist. In diesem Sinne können wir uns auf eine Fortsetzung dieser deutsch-französischen „amour fou“ freuen…

Durchgeblättert – „Die schönsten Buchhandlungen Europas“ v. Rainer Moritz

Reisen in ferne Länder oder Städte ist heutzutage etwas ganz Alltägliches! Eine Reise zu den schönsten Buchhandlungen Europas wäre sicherlich ein eher ungewöhnliches Ziel. Doch so bald Sie diesen faszinierenden Bildband in den Händen halten werden, ist diese aussergewöhnliche Entdeckungsreise zum Greifen nahe.

Genau auf diese besondere Reiseroute hat sich – unterstützt durch die international renommierten Fotografen Reto Guntli und Agi Simoes – der Autor Rainer Moritz begeben. Er leitet seit 2005 das Hamburger Literaturhaus, schreibt Kolumnen, Essays, Literaturkritiken und Bücher. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Die Überlebensbibliothek“ und „Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe“.

„Die schönsten Buchhandlungen Europas“ ist mehr als ein klassischer Reisebildband, denn der Leser taucht ein in mehrere neue Welten: ein neues Land bzw. eine neue Stadt, eine historische Architektur, eine Familiengeschichte und natürlich in die Welt der Bücher. Rainer Moritz hat ganz subjektiv, wie er selbst schreibt, 20 Buchhandlungen aus dem deutschsprachigen Raum und aus Westeuropa ausgesucht, die für ihn zu den schönsten Europas zählen.

Buchhandlungen sind Orte des Entdeckens, sie befriedigen die Neugierde, sie überraschen, sie beglücken. Es sind Orte der Begegnung, der Kommunikation, der Freude, der Ruhe, aber auch der Hektik. Sie können helfen, sie unterstützen und sie wecken Lust auf Bücher und Lesen! Doch wenn diese Buchhandlungen noch eine besondere Architektur, aussergewöhnliches Mobiliar und eine historische Familiengeschichte vorweisen können, verstärkt es die Anziehungs-kraft. Werden die Besucher dann noch mit aufmerksamer Beratung, durch eine besondere Auswahl von Büchern und bemerkenswerte literarische Veranstaltungen verwöhnt, fühlt sich jeder Leser und Buchliebhaber wie in einem Paradies.

Rainer Moritz porträtiert mit Feingefühl und grosser Neugierde die zwanzig schönsten Buchhandlungen Europas. Er zeigt uns die Besonderheiten, die buchhändlerischen Schwerpunkte und die ganz persönlichen Geschichten der Besitzer und Geschäftsführer dieser Häuser:

„Buchhandlung Felix Jud“ ist allein schon für ihren Standort zu beneiden. Sie liegt im nobelsten Einkaufsviertel von Hamburg, in einer der schönsten Passagen – die Mellin-Passage – direkt in der Nähe vom Jungfernstieg. Doch wenn man diese Buchhandlung entdeckt, vergisst man selbst die schönsten Juweliere und Boutiquen, und lässt sich bereits von den mit feinster Literatur gestalteten Schaufenstern anziehen. Spätestens beim Betreten der Buchhandlung spürt man die besondere Atmosphäre, das stilvolle Mobiliar – hauptsächtlich Kirschholz – und den Anspruch für gute Literatur.

„Librairie Galignani“ liegt im 1. Arrondissement von Paris, in der noblen und sehr bekannten Strasse – Rue de Rivoli. Genau gegenüber befindet sich der Jardin des Tuileries, daneben eines der teuersten und schönsten Hotels von Paris – Le Meurice – und das berühmte Café „Angelina“, das bereits Marcel Proust regelmässig besuchte. Galignani war und ist die erste englische Buchhandlung, die jemals auf europäischen Festland eröffnet wurde. Inzwischen gehört sie nicht nur zu den grössten englischen Buchhandlungen in Paris, sondern ist vor allem auch für ihre grosse Titelauswahl im Bereich Kunst, Mode, Fotographie, Design und Film sehr bekannt. Deshalb braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn man beim Schmökern berühmte Schauspieler und Modeleute trifft. Doch das Beste ist der perfekte Kundenservice, der sich durch besondere Kompetenz und ungewöhnliche Bibliographiermethoden auszeichnet.

Neben diesen zwei Beispielen entdecken wir unter anderem noch Buchhandlungen aus Berlin „Bücherbogen am Savignyplatz“ – die bekannt ist für ihren ungewöhnlichen Standort -, aus Brüssel „Tropismes“ – deren Name eine Hommage an Nathalie Sarraute ist – und aus Maastricht „Selexyz Dominicanen“ – die in einer der ältesten gotischen Dominikanerkirchen Hollands eingerichtet wurde -. Desweiteren finden Sie auch Buchhandlungen aus Österreich, der Schweiz, Portugal, England und Italien.

Dieser Bildband dient nicht nur zur Vor- bzw. Nachbereitung einer Reise, er ist wie eine Reise! Selbst dann, wenn man nur zu Hause gemütlich auf seinem Canapé verweilt. Rainer Moritz erzählt wunderbare Geschichten zu jeder Buchhandlung. Sie sind offen, persönlich und äusserst spannend. Sie geben aber auch Einblicke, die unverwechselbar und einmalig sind. Die faszinierenden Bilder und Momentaufnahmen der beiden Starfotografen Reto Guntli und Agi Simoes lassen den Leser vor Ehrfurcht erstarren und gleichzeitig ein euphorisches „Oh“ und „Ah“ rufen. Kunstvoll wurde mit diesen starken und klaren Photographien und den einfühlsamen Porträts einer der schönsten Bildbände aus der Welt der Bücher gestaltet.

„Die schönsten Buchhandlungen Europas“ laden Sie ein auf eine Reise, ganz ohne Ticket und ohne Gepäck! Vertrauen Sie Ihren Augen, geniessen Sie die Texte und Bilder. Sie werden mit unvergesslichen Eindrücken und einer unendlichen Lust auf Bücher und Lesen zurückkehren!

Durchgelesen – „Die Überlebensbibliothek“ v. Rainer Moritz

Rainer Moritz – Leiter des Hamburger Literaturhauses und Vorstandsmitglied der Marcel Proust Gesellschaft – schreibt in seinem wunderbaren Werk, wie viele Romane die Macht haben, uns und unser Leben zu verändern. Romane sind unsere Freunde, unsere Seelentröster, zum Teil unsere Therapeuten.

In verschieden kleinen Lebens-Kapiteln zeigt uns Rainer Moritz, die dazu passende Lektüre. Im Bereich „Mit sich selbst klar kommen“, sollte beispielsweise wer sich selbst unterschätzt, „Das hässliche Entlein“ von Hans Christian Andersen lesen; oder im Kapitel: „Mit Schwächen und Lastern leben“, sollte man sich bei Eifersucht mit Marcel Proust, „Eine Liebe von Swann“ beschäftigen. Oder im Kapitel: „Mit anderen Menschen zurechtkommen (oder auch nicht)“, wäre es für denjenigen, der beabsichtigt mit seiner Mutter dauerhaft zusammenzuleben, sinnvoll „Die Klavierspielerin“ von Elfriede Jelinek zu lesen.

Kurzum für jede Befindlichkeit, für jeden Seelenzustand, für jede Lebensveränderung, findet Rainer Moritz, das passende Buch, denn er ist der Überzeugung, dass Bücher wahre Hilfe leisten.

„Die Überlebensbibliothek ist ein Plädoyer für die Macht der Lektüre“ bestägtigt er selbst.

Es ist wie ein kleines Lebenshilfe-Handbuch, das Leben und Literatur auf sehr mutige und angenehme Weise verbindet. Es liest sich wie der literarische Beipackzettel und kann ohne Einnahme der Tabletten gleich als Therapie verwendet werden. Und es hilft dem Leser, bekannte und weniger bekannte Literatur wieder neu zu entdecken.

Durchgelesen – „Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe“ v. Rainer Moritz

Rainer Moritz hat mit seinem Roman „Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe“ eine wundervolle, romantische, aber gleichzeitig kitschlose Liebesgeschichte geschrieben, die im Pariser Montmartre-Viertel spielt.

Es geht um Nathalie Cottard, eine Buchhändlerin, die in ihrem kleinen Appartement in der Nähe von Sacré-Coeur von einem Wasserschaden überrascht wird. Das Appartement wird dadurch total unbewohnbar für die nächste Zeit. Doch überraschenderweise bekommt sie Hilfe von ihrem eher sehr zurückhaltenden deutschen Nachbarn Robert Bernthaler. Er vertreibt für eine süddeutsche Firma Flaschenkorken in Frankreich. Die Beiden kommen sich trotz ihres Arbeitsalltags und ihrer Probleme mit der Renovierung ihrer Wohnung immer näher. Sie zeigt ihm ihre Lieblingsplätze und sie verbringen ein schöne Zeit zusammen. Ja und vielleicht entwickelt sich eine richtige Liebesgeschichte daraus?

Doch das wird nicht verraten… Es ist ein Roman voller Charme und Pariser Atmosphäre, jedoch nicht sentimental oder schnulzig. Ganz im Gegenteil, es ist eine Geschichte voller Leichtigkeit, Raffinesse und Vergnügen.