Durchgelesen – „Empörung“ v. Philip Roth

„Empörung“ ist ein dramatisches Werk. Von der ersten Seite an fasziniert und fesselt dieser Roman, als wäre es ein Krimi. Doch es ist nichts dergleichen, im Gegenteil es ist die Geschichte einer „éducation sentimentale“.

Der Roman spielt im Jahr 1951, während des Koreakriegs. Der Protagonist und Held des Buches, ein junger Mann – Marcus Messner aus Newark (18 Jahre alt) –  geht auf das Robert Treat College in New Jersey . Er möchte jedoch weg von seiner Familie, vor allem von seinem überbesorgten Vater, einem koscheren Metzger, der fast verrückt wird aus Angst, sein Sohn wäre den Gefahren des Erwachsenenlebens nicht gewachsen. Marcus flieht aus dem schwierigen Elternhaus:

„Ich verliess das College, weil mein Vater plötzlich den Glauben daran verloren hatte, dass ich auch nur allein die Strasse überqueren konnte. Ich verliess das Collge, weil die Überwachung durch meinen Vater unerträglich geworden ist.“

Und  er setzt seine Studien am eher sehr beschaulichen College von Winesburg in Ohio fort. Fern – über 500 Meilen – von seiner Familie ist er fest entschlossen, fleissig  zu studieren und einen sehr guten Abschluss zu machen. Marcus‘ Ziel ist es nämlich als Jahrgangsbester und somit als Offizier einen Posten beim militärischen Nachrichtendienst zu bekommen. Im College lernt er eine Kommilitonin (Olivia Hutton) kennen, die ihn völlig aus der Bahn wirft aufgrund ihrer sexuellen Ungehemmtheit. Er ist total verstört und die nächsten Katastrophen bahnen sich an.

Der beeindruckendste Moment in diesem Buch ist das Treffen zwischen Marcus und dem Dekan des Colleges. Die Dialoge zwischen den Beiden sind atemberaubend und von rhetorischer Höchstleistung. Spätestens jetzt spürt der Leser die ersten konkreten Anzeichen, dass sein Leben scheitern wird beziehungsweise schon gescheitert ist.

Dank der sprachlichen Raffinesse von Philip Roth ist dies ein sehr bewegendes und aufwühlendes Buch über Unerfahrenheit, Widerstand, Diskriminierung und Mut.

Durchgelesen – „Die Demütigung“ v. Philip Roth

Was für ein Buch!

Angst, Versagen, Macht, Leidenschaft, Erotik, Sex, Liebe, Tod und das alles auf nur 138 Seiten!

Philip Roth zeigt sich wieder mal von seiner besten Seite, das Buch ist ein echtes Meisterwerk.

Es geht um Simon Axler, den besten Theaterschauspieler seiner Generation, der mit Mitte sechzig sein ganzes Selbstvertrauen und seine Ausstrahlung verloren hat. Er hat die wichtigsten Rollen gespielt, doch alles ist weg, die Bühne ist für ihn nur noch ein persönliches „Drama“. Er erleidet einen Nervenzusammenbruch, er geht für mehrere Wochen in die Psychiatrie, da er versucht hat sich das Leben zu nehmen. Seine Frau hat ihn daraufhin verlassen und auch nach seiner Klinikentlassung möchte er, bzw. kann er kein Comeback mehr wagen. Alles schwindet dahin und es fühlt sich für ihn an wie eine Selbstauflösung. Und genau diese Entwicklung versucht Axler aufzuhalten mit der Beziehung zu der lesbischen Pegeen, die die Tochter eines Jugendfreundes ist. Es sieht zu erst aus, als wäre Sie für ihn ein wahrer Glücksfall. Er verwöhnt sie, er durchlebt unglaublich leidenschaftliche Sexorgien, obwohl er durch seinen Rückenschmerzen stark beeinträchtigt ist. Er fühlt sich jung und lebendig. Die Verbindung ist wie eine Art Befreiung, wie ein Neuanfang, doch Axlers Leben wendet sich zum Schluss zu einem echten Drama.

Roth beschreibt sehr intensiv die Tiefen der menschlichen Seele und mit HIlfe brillanter innerer Monologe entblöst er die emotionalen Sehnsüchte und das totale Elend.