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Durchgeblättert – „Meine schöne Buchhandlung“

Lesen Sie noch „echte“ Bücher? Dann besuchen Sie auch Buchhandlungen, vielleicht so gar unabhängige, inhabergeführte Buchhandlungen, die mehr sind als nur eine reine Verkaufsstelle für Bücher. Und trotzdem werden Sie nun fragen, braucht es denn heute in der digitalen Welt wirklich noch einen örtlichen Buchhändler? Die Antwort lautet knapp und ganz einfach: Ja!

Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass dieser wunderschöne und informative Bild- und Textband „Meine schöne Buchhandlung“ gerade aktuell erschienen ist.

Für dieses gelungene Ergebnis sind zwei Verlagsfrauen (Lektorat bei Knesebeck), Elizabeth Bandulet und Maria Platte verantwortlich und natürlich Andreas Licht – einer der besten Fotografen – der uns bereits durch die mehr als gelungene Kooperation mit Rainer Moritz mit dem Bildband „Dicht am Paradies – Spaziergänge durch Pariser Parks und Gärten“ von seiner Fotokunst überzeugen konnte. Somit ist es keine Überraschung, dass dieses wundervolle Buch bereits durch die Bilder, welche die Räumlichkeiten der einzelnen Buchhandlungen und die leitenden und mitarbeitenden Buchhändler porträtiert, eine durch grosse Neugierde fördernde Anziehungskraft ausübt. Doch die feinen und informativen Texte von Elizabeth Bandulet und Maria Platte machen daraus ein kleines Gesamtkunstwerk. Es werden hier nämlich keine klassischen Kurzbeschreibungen präsentiert. Sämtliche hier vorgestellten Buchhändler kommen zu Wort, es geht um das echte Leben und Arbeiten in der jeweiligen Buchhandlung, die Sortimentsidee, die Veranstaltungen, den direkten Austausch mit den Kunden und vieles mehr.

Der Leser kann hier 35 Buchhandlungen entdecken, alle unabhängig und inhabergeführt, in ganz Deutschland verteilt, mit einem kleinen Blick auch nach Österreich und in die Schweiz. Die Buchhandlungen haben unterschiedlichste Grössen von 45m2 bis 7000m2, sind allgemeinsortiert oder spezialisiert und haben aber sehr vieles gemeinsam: sie werden von und mit hoch motivierten, engagierten und kreativen Menschen geführt, geleitet und organisiert. Es sind gelernte Buchhändler, Germanisten, Philosophen, aber auch Quereinsteiger. Ein geballtes Wissen verknüpft mit unendlichem Enthusiasmus, der jedem Leser und potentiellem Kunden der Buchhandlung zur Verfügung steht. Aber letztendlich geht es um wesentlich mehr als nur um Wissensvermittlung und Service, es geht um einen besonderen Treffpunkt, ein Ankommen in der Welt der Bücher, um eine besondere Wohlfühl-Atmosphäre, um starke Inspiration, um Anti-Alogrithmus, natürlich um echte Beratung von Angesicht zu Angesicht, es geht aber auch um Tradition und Innovation, um Sinnerlebnisse und Lebendigkeit. Und es geht nicht um die Zukunft der Buchhandlung, die ist durch diese tollen Buchmenschen zu hundert Prozent gesichert, sondern um die Zukunft des Buchlesers.

Dies alles wird hier auf sage und schreibe nur 160 Seiten stilvoll und informativ gezeigt, so dass man bereits bei der Lektüre dieses schönen Bildbandes sich in der jeweiligen Buchhandlung verweilend sieht. Der Leser ganz sicher und vielleicht sogar der Nicht-Leser, sie beide bekommen eine unglaubliche Lust, all diese wunderbaren Orte so schnell als möglich aufzusuchen, die dahinterstehenden Menschen kennenzulernen und miteinander über Bücher und Literatur zu sprechen. Denn genau dieser persönliche Kontakt und der individuelle Austausch verleihen all diesen schönen und aussergewöhnlichen Buchhandlungen dadurch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, das letztlich das einzige, beste und wichtigste Service-Argument im Buchhandel ist und bleiben wird.

Also, worauf warten Sie! Laufen Sie los und stürmen Sie Ihre ganz persönliche unabhängige Buchhandlung, denn Ihr Buchhändler wartet auf Sie, schenkt Ihnen sein Vertrauen und wird Sie mit Freude, Engagement, mit einem besonderen Buchsortiment und individuellster Beratung empfangen. Und sollten Sie dabei noch dieses wundervolle Buch „Meine schöne Buchhandlung“ entdecken, sind nicht nur Ihr Buchhändler, sondern auch Sie glücklich!

 

Durchgeblättert – „Die beste Buchhandlung der Welt“

Kennen Sie Ihre ganz persönlich beste Buchhandlung der Welt ? Was unterscheidet die Lieblingsbuchhandlung von anderen Buchhandlungen ? Fragen über Fragen, die jeder Leser und Buchkäufer ganz für sich selbst beantworten kann. Doch eine Frage bleibt unbeantwortet und könnte den Leser bestimmt interessieren: wo kaufen eigentlich Schriftsteller ihre Bücher ? Endlich nehmen Autoren ihre Leser auf einen äusserst abwechslungsreichen und spannenden Streifzug durch ihre Welt der Buchhandlungen mit. Die seit mehreren Jahren sehr erfolgreiche Serie des Börsenblatts des Deutschen Buchhandels, bei der Autoren ihre Buchhandlungs-favoriten regelmässig präsentieren, gibt es Dank des Herausgebers Holger Heimann (Börsenblatt-Redakteur) nun endlich im Buchformat!

Unter dem Titel « Die beste Buchhandlung der Welt » stellen 50 Schriftsteller wie zum Beispiel Durs Grünbein, Benedict Wells, Thomas Glavinic, Adolf Muschg, Jenny Erpenbeck, Peter Stamm und Bodo Kirchhoff ihre Lieblingsbuchhandlung vor. Dieses Buch ist wie eine Buchhandelsreise durch ganz Deutschland mit kleinen Abstechern nach Österreich und in die Schweiz. Es ist vorallem auch eine literarische Fundgrube fantastischer Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen, die zum Schmunzeln, Staunen, Verwundern und Entdecken anregen.

Natürlich sind diese Buchhandlungsporträts mehr als subjektiv, sie beschreiben den ganz persönlichen Geschmack jedes Autors, seine Vorlieben und Ansprüche. Dadurch lernen wir nicht nur die Buchhandlung als « Verkaufsraum » von Büchern kennen, sondern treffen ganz zufällig auch auf den Betreiber, Geschäftsführer, Inhaber oder Buchhändler dieses ehrwürdigen kleinen oder grossen Buchhauses.

Selten konnten wir als Leser so bequem durch 50 verschiedene Buchhandlungen spazieren, um uns inspirieren zu lassen und die Vorstellungen der Autoren aber auch die Besonderheiten der Lieblingsbuchhändler kennenzulernen, wie folgende Beispiele sehr aussagekräftig zeigen :

Adolf Muschg hat sich eine ganz besondere Buchhandlung ausgesucht, die nicht konsumorientiert wirkt, sondern sich wie eine kleine Entdeckungsreise anfühlt bei welcher der Inhaber als „Literatur-Reiseführer“ ein wahrer « Glücksfall » ist :

« Alfred Strohmaier in Regensburg ist einer. Und es hängt von der Optik ab, ob man seine Atlantis-Buchhandlung als Insel der Ruhe und Konzentration betrachtet – oder als sichtbaren Beweis, dass der Kontinent des Lesens nicht untergegangen ist. Alfred Strohmeier : ein Prospero, der seine Zaubermittel, die Bücher, nicht in ihrer eigenen Masse versenkt, sondern als Einzelstücke, ja als Preziosen behandelt. Sein Geschäft ist eigentlich ein Bücher-Kabinett, in dem die Rarität keine Sache des Preises, sondern der Bildung ist, und Bildung zum Alltag gehört. »

Felicitas Hoppe dagegen zieht in Berlin die Buchkaufhäuser den kleinen Buchhandlungen vor :

« Seit ich in Mitte wohne : Nur noch Dussmann. Das riecht nach Trägheit, nach Mangel an Unterscheidungsvermögen. Aber ich kehre gern in Kaufhäuser ein, anonym und immer willkommen. Mein Besuch hat wenig mit Büchern zu tun, noch weniger damit, dass es bei Dussmann (fast) alles gibt (in Wort, Bild, Ton), sondern mit dem Blick aus dem oberen Stock. Ich sitze (ein Zufallsbuch auf dem Schoss) in einem Dussmannsessel, schaue auf die Friedrichsstrasse herab und bilde mir ein, ich wäre nicht zum Kaufen gekommen, sondern zum Lesen, womöglich zum Wohnen und könnte mich nachts hier einschliessen lassen, um im Licht der Strassenslaternen meine eigenen Bücher zu schreiben.»

Thomas Glavinic hat seinen Lieblingsbuchladen in Wien und einen ganz Besonderen noch dazu, da er bis 1.00 Uhr morgens geöffnet hat und so manchen Service bietet, der für Buchhandlungen eher ungewöhnlich ist:

« Die Buchhandlung Phil in Wien hat einen Vorteil : Sie ist eine Kneipe. Umgekehrt kann man es natürlich auch ausdrücken : Die Phil hat gegenüber den windigen Kaschemmen, in denen ich sonst einkehre, den Vorteil, dass man darin Bücher kaufen kann. »

Matthias Politycki braucht eine Buchhandlung, die ihm seine Schwellenangst nimmt und  ist deshalb so begeistert von « seinem » Buchhändler, dem Inhaber der Buchhandlung Samtleben in Hamburg :

« Stephan Samtleben ist ein solcher Buchhändler, der so vollständig von seinem Wissen durchdrungen ist, dass er’s nicht nötig hat, einem damit ein schlechtes Gewissen zu machen – im Gegenteil, man bekommt sofort gute Laune, und wenn er dann doch einmal auf seine leise, unaufgeregte Weise ins Schwärmen gerät, so bleibt er dabei stets so präzis und unprätentiös, dass man sich…jawohl, mitunter bei dem Gedanken ertappt, Lesen könnte doch noch irgendwo ein Vergnügen sein. »

Für Peter Stamm war es nicht einfach, die Frage nach seiner Lieblingsbuchhandlung zu beantworten, da er sich sehr schlecht auf eine Buchhandlung festlegen konnte und wollte. Für seine Entscheidung war schliesslich nicht die Auswahl bzw. das Sortiment ausschlaggebend, wie man hier bei seiner Lieblingsbuchhandlung in Winterthur sofort erkennt :

« Vielleicht noch wichtiger ist die Atmosphäre in einer Buchhandlung. Bei Obergass Bücher spürt man sofort, dass hier Leserinnen arbeiten, die sich für Bücher begeistern. »

Spätestens jetzt bzw. nach der Lektüre dieser Buchhandlungsporträts fängt man selbst als Leser an, zu überlegen, welche Buchhandlung man nun zu seinen Favoriten zählen würde. Holger Heimann ist ein kleines Bravourstück gelungen, indem er diese Einzelporträts aus der Börsenblatt-Reihe, dem Wochenmagazin des Deutschen Buchhandels, zu diesem wunderbaren Buch zusammengeführt hat. Nun kann jeder Leser, Buchkäufer, Buchliebhaber und nicht nur das Fachpersonal der Buchbranche diese aussergewöhnlichen Erzählungen, Geschichten, Porträts, ja fast schon Essays über den jeweiligen Buchhändler des Vertrauens bzw. der Lieblingbuchhandlung von fünfzig Schriftstellern entdecken.

Dieses Werk ist ein sehr schönes und mehr als wichtiges Buch im Zeitalter der Internetbuchhandlung und der Bestellung per Klick, auch und gerade deshalb, weil leider so manche hier vorgestellte Buchhandlung nicht mehr existiert. Natürlich hat nicht jeder Autor eine kleine schnukelige Buchhandlung als seinen Top-Favoriten, viele Schriftsteller bevorzugen aus ganz unterschiedlichen Gründen auch die Filiale einer Buchhandelskette . Und genau diese Mischung macht dieses Buch so interessant, da es selten so reale Einblicke in das Besuchsverhalten und in die Auswahl von Autoren bezüglich ihrer Buchhandlungen gibt.

« Die beste Buchhandlung der Welt » gehört zu den wenigen wirklich sehr starken Büchern über Buchhandlungen und zählt zu den wichtigsten Neuerscheinungen diesen Jahres. Ein Buch, das für jeden anspruchsvollen Leser, auch wenn er bereits seine Lieblingsbuchhandlung hat oder gerade noch auf der Suche nach dieser einzig Wahren ist, fast schon zum Lesepflichtprogramm gehören sollte!

Durchgeblättert – „Alte Meister“ nach Thomas Bernhard v. Nicolas Mahler

Erinnern Sie sich noch an den Musikphilosophen Reger, an seinen Freund Atzbacher und an den Museumswärter Irrsigler ? Es handelt sich hier um die drei Hauptprotagonisten aus der bitterbösen Prosa-Komödie « Alte Meister » von Thomas Bernhard, die 1985 erstmals veröffentlicht wurde. Ein Werk, besser eine Kritikschrift, die sich mit den kulturellen « Schönheiten » unserer Gesellschaft beschäftigt, sei es in der Kunst, Musik, Literatur, Philosophie und Religion. Aber auch die Themen Liebe,Kitsch und Dummheit spielen eine grosse Rolle.

Der Schauplatz des Romans ist die Kunst- und Musikstadt Wien. Reger sitzt im Kunsthistorischen Museum auf einer Bank im Bordone-Saal genau gegenüber von Tintorettos « Weissbärtigen Mann ». Er ist über 80 Jahre alt, schreibt immer noch Musik-Kritiken für die Times und besucht seit mehr als 30 Jahren diesen für ihn ganz besonders wichtigen Ort. Für Reger ist dies aber auch der perfekte Platz, um nicht nur über alles nachzudenken, sondern auch die ganze Welt zu kritisieren. Mit Irrsigler, dem Museumswärter, verbindet ihn seit seinem ersten Besuch ein ungewöhnliches Verhältnis. Für Reger ist er nur ein « Staatstoter » und passt deshalb sehr gut auf diesen Wärter-Posten, obwohl es bereits als Kind sein grösster Wunsch gewesen wäre, zur Polizei zu gehen. Übrigens weilt Reger gewöhnlich jeden zweiten Vormittag im Museum. Montags nie, denn da ist geschlossen und auch die eintrittfreien Samstage meidet er bewusst. Doch eines Tages bittet er seinen Freund Atzbacher – ein Privatgelehrter, der übrigens auch der Erzähler dieser Geschichte ist, – zu einem Treffen ausgerechnet am Samstag. Atzbacher ist mehr als überrascht und neugierig, was dies wohl für einen Grund haben könnte. Doch bis es zu dessen Enthüllung kommt, wettert Reger erst einmal ohne Unterlass gegen alles, gegen die Kunst, die Literatur, die Komponisten, die Philosophen und natürlich auch gegen die Wiener…

Thomas Bernhard (1931 – 1989) gehört zu den bedeutendsten österreichischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Er war der Meister der Übertreibung, die durch seine elegante Sprache, eingebaut in atemberaubende Schachtelsätze, den parodistischen und karikaturistischen Elementen eine unglaublich starke Bedeutung verleihen konnte. Er war ein Gesellschaftskritiker, manchmal ein wenig größenwahnsinnig und radikal, aber im Kern letztendlich auch ehrlich und irgendwie berührend.

Und genau diese Mischung aus Bösartigkeit und Sentimentalität öffnet die Türen für eine ganz neue Form der visuellen Erweckung dieses nörglerischen Prosa-Stücks. Bernhard’s Werk erfährt eine zeichnerische Wiederbelebung und somit entsteht die grandiose Neu-Adaption von « Alte Meister » als Comic bzw. Graphic Novel.

Dies könnte ein schwieriges Unterfangen für manche Bernhard-Verehrer bedeuten oder im schlimmsten Fall sogar ein abwehrendes Kopfschütteln auslösen. Mut ist sicherlich eine der wichtigsten Voraussetzungen für dieses Projekt, und Kopfschütteln darf man auch, aber vor Begeisterung. Nicolas Mahler ist der heldenhafte Künstler, oder soll man besser sagen Zeichen-Magier dieser neuen « Alten Meister », die er in einer wirklich genialen Adaption perfekt umgesetzt hat. Bernhard’s Werk, das ja hauptsächlich aus Schimpf -Monologen besteht, wird hier von 300 Seiten auf ungefähr die Hälfte reduziert. Der Inhalt ist quasi zeichnerisch zusammengefasst und die ausgewählten Sätze Bernhards werden in die einzelnen Karikatur-Zeichnungen virtuos eingebaut.

Ab jetzt sind die drei Protagonisten lebendig, irgendwie real : Reger dargestellt als kleiner dicker Mann mit schwarzem Mantel, Hut und Stock. Atzbacher dagegen gross, hager, mit Brille und übergroßer Nase. Und wenn man Irrsiger – eher klein, rund und mit unproportional langer Nase – betrachtet, versteht man sehr gut, dass er im Museum sicherlich besser aufgehoben ist, als bei der Wiener Polizei. Nicolas Mahler zeichnet schwarz – weiss mit einer einzigen farblichen Pointierung in Gelbgold. Eine Farbe, die hervorhebt – nicht immer nur zum Vorteil -, einen veredelten Rahmen schafft und wie ein « goldener » Faden verbindet. Bernhard’s Worte und Mahler’s Striche provozieren gemeinsam und ergänzen sich dadurch perfekt. Bernhard übertreibt, wo er nur kann, und Mahler untertreibt, wie er nur kann. Denn seine Hauptdarsteller sind quasi gesichtslos, keine Ohren, Augen und Münder, dafür manchmal charakterstarke Nasen. Hier treffen absurde Prosa auf absurde Zeichenkunst.

« Alte Meister », ein Klassiker, wird minimalistisch und mit sehr kunstvoll reduzierten Humor zum Leben erweckt, durch einen bemerkenswerten österreichischen Comic-Zeichner. Nicolas Mahler (geb. 1969) lebt in Wien und arbeitet für österreichische, deutsche und Schweizer Zeitungen und Zeitschriften und publizierte in den letzten Jahren mehr als 20 Bücher in Frankreich, Kanada und USA. In Deutschland kennt man ihn seit 2006 durch Veröffentlichungen im Satiremagazin Titanic. Er wurde mit einigen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Max-und-Moritz-Preis 2010 als bester deutscher Comic-Künstler.

« Alte Meister » als Comic bzw. Graphic Novel ist ein sehr gelungenes und faszinierend bös-skuriles Projekt. Thomas Bernhard bleibt der unvergesslicher Meister des literarisch tragikomischen Höhenflugs und Nicolas Mahler ist der neu zu entdeckende Meister der minimalistisch-parodistischen Zeichenfeder. Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen, ausser : Unbedingt lesen !

Durchgelesen – „Meine Preise“ v. Thomas Bernhard

Im Februar 2009 wurde dieses Buch anlässlich des 20. Todestages von Thomas Bernhard zum ersten Mal veröffentlicht. Bereits 1980 hat er diese Prosaarbeit geschrieben, die sich in neun Kapiteln und einen Anhang gliedert. Sie handelt um die Umstände und Gegebenheiten bezüglich der ihn verliehenen literarischen Auszeichnungen.

Thomas Bernhard bekannt für seine Boshaftigkeit und Lakonie, erklärt dem Leser auf unglaublich witzige und skurille Weise den Sinn oder auch Unsinn dieser Preise und die dazugehörige Probleme.

Bei der Verleihung des Grillparzerpreises steht Thomas Bernhard vor einer grossen Herausforderung, nämlich einen passenden Anzug zu kaufen. Dieser ganze Aufwand wurde dann nicht einmal belohnt, da er von keinem der hohen Wiener Würdenträger in der Akademie der Wissenschaften empfangen wurde und zu seinem Platz geführt wurde. Ergänzend muss man noch erklären, dass in der Regel seine Tante ihn bei all diesen Preisverleihungen begleitete. Er war um so empörter über diesen Mangel an Höflichkeit, so dass er sich einfach selbst einen Platz gesucht hatte, was dann zu grossen Verwirrungen innerhalb des Saales kurz vor der Preisvergabe führte.

Die Umstände der Verleihung des Literaturpreises der Freien und Hansestadt Bremen waren nicht weniger kompliziert. Der einzige positive Aspekt lag darin, dass dieser Preis mit 10 000.- DM dotiert war, was Thomas Bernhard aus seiner schwierigen finanziellen Lage retten konnte. Er wollte sich nämlich unbedingt einen eigenen Bauernhof kaufen, und wenn es nur eine Ruine wäre, aber dafür etwas Eigenes. Deshalb nahm er die Strapazen bezüglich der Verleihung in Kauf, obwohl er die Stadt Bremen hasste:

„Ich reiste also nach Bremen, das ich nicht kannte. Hamburg kannte ich und liebte ich immer wie auch heute, Bremen verabscheute ich vom ersten Moment an, es ist eine klein-bürgerliche unzumutbare sterile Stadt.  Gleich gegenüber dem Bahnhof war in einem neuerbauten Hotel für mich ein Zimmer bestellt, ich weiss nicht mehr, wie das Hotel geheissen hat. Ich verkroch mich in meinem Hotelzimmer, um die Stadt Bremen nicht sehen zu müssen und wartete den Morgen der Preisverleihung ab.“

Es gab ständig Skandale bei diesen Feierlichkeiten, er regte sich immer über irgendetwas auf, er schimpfte auf die Gesellschaft, auf die Politik und er ironisierte die Welt und sich selbst. Mit Witz und sprachlicher Brillanz gelingt es Thomas Bernhard den Leser auf intellektuelle und anspruchs-volle Weise wunderbar zu unterhalten. Diese Prosaarbeit gehört sicherlich zu seinen vergnüglichsten Werken.