Schlagwort: Nebel

Eduard Mörike – Gedicht

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
Im warmen Golde fließen.

Theodor Storm – Gedicht

Oktoberlied

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!

Und wimmert auch einmal das Herz –
Stoß an und laß es klingen!
Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen!

H.C. Artmann – Gedicht

Wenn die herbstesnebel ….

Wenn die herbstesnebel wallen
wie ein kleid aus fahler seide,
bäckt die hamstrin ihr getreide,
humphrey hamster zum gefallen.

oh, auch hamster lieben kipfel,
trinken tee aus zarten schalen,
rechnen kopf mit hohen zahlen,
schütteln ihre Mützenzipfel.

sparsamkeit, du hehre tugend,
bist dem hausmann goldner orden,
so im süden, so im norden,
ehrst das alter, zierst die jugend.

wer gen jahresend die speicher
bis zum bersten voll gefüllt hat,
ist fürwahr kein müßger waldschrat,
wird von jahr zu jährchen reicher.

seht, in gehrock und zylinder
steht herr humphrey vor der schwelle,
mißt den wohlstand mit der elle
wie ein vater seine kinder.