Durchgeblättert – „Die Frauen der Künstler“

„Er, Ich & Die Kunst: Die Frauen der Künstler“, dies ist ein Kunstbuch der besonderen Art. Hier spielen zum ersten Mal die Frauen berühmter Künstler, die in die Kunstgeschichte eingegangen sind, die tragende und wichtige Rolle.

Elf Künstlerfrauen aus fünf Jahrhunderten werden in ihren interessanten und bewegenden Lebensgeschichten porträtiert. Der Leser bekommt Einblicke in das Rollenverständnis der Frau im Wandel der Jahrhunderte und es werden die Unterschiede von Liebe und Beziehung in Zusammenhang mit der Kunst ihrer Männer sehr gut dargestellt.

Wussten wir eigentlich, wie mutig und leidenschaftlich, aber auch verängstigt und unsicher so manche Frauen an der Seite berühmter Männer und in diesem Fall berühmter Maler sein können? Der Leser lernt in diesem Buch faszinierende Frauen kennen, wie zum Beispiel:

Agnes Frey Dürer, die ihr Talent als Kauffrau so wunderbar einsetzte, dass sie die Bilder ihres Mannes Albrecht Dürer wesentlich besser verkaufen konnte, als jeder eingestellte Händler.

Catharina Bolnes Vermeer, die mit ihrer Liebe und ihrem Optimismus ihren Mann Johannes Vermeer van Delft auch in den sehr schweren Jahren ihres gemeinsamen Lebens unterstützte und sich immer auch seiner Liebe zu ihr gewiss war.

Martha Liebermann-Marckwald war eine wunderschöne Frau, wurde jedoch von ihrem Mann Max Liebermann in die klassische Frauenrolle gedrängt, jedoch mit einem kleinen erlaubten Freiheitsbonus – dem Lesen. Sie sagte einmal zu ihrem Mann: „Weisst Du, Max, es war zwar eine Ehre, aber kein Vergnügen, mit dir verheiratet gewesen zu sein.“

Charlotte Berend – Corinth hatte es eher schwer mit ihrem egoistischen Mann Lovis Corinth. Als sie mit ihrem Sohn schwanger war und sich am Fuss verletzte, liess ihr Mann sie den ganzen Tag allein in einem Zimmer einer Bäuerin, wo kurz zuvor deren Kind verstorben war.

Jede dieser elf übersichtlich zusammengefassten und trotzdem sehr fundierten Lebensgeschichten ist spannend, informativ und macht neugierg auf mehr. Das Buch bietet neben den ausgezeichneten Texten, zahlreiches Bildmaterial in Form von Porträts, Gemälden und Photos. Ein Buch, das in keiner Kunstbibliothek fehlen sollte!

Kurt Tucholsky – Gedicht

Die geschiedene Frau

Ja … da wär nun also wieder einer ….
das ist komisch!
Vor fünf Jahren, da war meiner;
dann war eine ganze Weile keiner ….
Und jetzt geht ein Mann in meiner Wohnung um,
findet manches, was ich sage, dumm;
lobt und tadelt, spricht vom Daseinszwecke
und macht auf das Tischtuch Kaffeflecke –
Ist das alles nötig – ?

Ja … er sorgt. Und liebt. Und ists ein trüber
Morgen, reich ich meine Hand hinüber ….
Das ist komisch:
Männer … so in allen ihren Posen …
Und frühmorgens, in den Unterhosen …
Plötzlich wohnt da einer auch in meiner Seele.
Quält mich; liebt mich; will, dass ich ihn quäle;
dreht mein Leben anders, lastet, lässt mich fliegen –
siegt, und weil ich klug bin, lass ich mich besiegen …
Habe ich das nötig -?

Ich war ausgeglichen. Bleiben wir allein,
… komisch …
sind wir stolz. So sollt es immer sein!
Flackerts aber, knistern kleine Flammen,
fällt das alles jäh in sich zusammen.
Er braucht uns. Und wir, wir brauchen ihn.
Liebe ist: Erfüllung, Last und Medizin.

Denn ein Mann ist Mann und Gott und Kind,
weil wir so sehr Hälfte sind.
Aber das ist schliesslich überall:
der erste Mann ist stets ein Unglücksfall.
Die wahre Erkenntnis liegt unbestritten
etwa zwischen dem zweiten und dem dritten.

Dann weisst du. Vom Wissen wird man nicht satt,
aber notdürftig zufrieden, mit dem, was man hat,
Amen.

Durchgelesen – „Ein liebender Mann“ v. Martin Walser

„…. Er musste einziehen in Weimar mit Ulrike und mit einem Roman, den er sofort schreiben, wenigstens anfangen musste. Ein Roman, den keiner und keine streitig machen konnte. Ein Roman, der Ulrike und ihn legitimierte. Nicht nur in Weimar. In der Welt. Der Titel stand sofort auf dem Blatt: Ein liebender Mann.“

Walser’s Roman „Ein liebender Mann“ ist die Romanze zwischen dem 73jährigen Geheimrat Goethe, inzwischen Witwer nach dem Tod seiner Frau Christine, und der 19jährigen Ulrike von Levetzow.

Walser erzählt diese Liebe so aufwühlend, bewegend und feinsinnig, voller Geist und Esprit und mit sehr hoher Sensibilität. Der Leser fühlt sich von der ersten Zeile an in die Zeit Goethes versetzt, schlendert wie der Herr Geheimrat in Kurpark von Marienbad und beobachtet, welche Erotik zwischen Goethe und Ulrike sich entwickelt.

Der Altersunterschied bereitet dem Geheimrat doch so einige Schwierigkeiten und es kommen Zweifel auf, die er allerdings immer wieder schnell verdrängt und sich von seiner Leidenschaft führen lässt. Es ist unbeschreiblich mit welcher Sprachintensität diese Leidenschaft dem Leser präsentiert wird. Mit einer Kraft und mit der Überzeugung eines jungen Liebenden werden die Gefühle für den Leser nachfühlbar.

„…. Wenn ich dich lieben darf, bin ich unsterblich. Erst dann. Jetzt weiss ich, warum ich nie jemanden hassen konnte. In mir war eine Liebe daheim, ein Leben lang, die schlief, die träumte, die schweifte ein paarmal aus, nannte sich so, nannte sich anders, floh wieder zurück, eigentlich wartete sie. Das hat mir die Kraft gegeben für alles. Jetzt weiss ich: Meine Liebe hat auf dich gewartet. Wenn du sie nicht willst, vernichtet sie mich. Und ich wehre mich nicht. Meine Liebe weiss nicht, dass ich über siebzig bin. Ich weiss es auch nicht.“

Ein Buch, das berührt, entzückt, beglückt und amüsiert, einfach eine wunderbare Liebesgeschichte!