Schlagwort: Joachim Ringelnatz

Joachim Ringelnatz – Gedicht

Überall Überall ist Wunderland. Überall ist Leben. Bei meiner Tante im Strumpfenband Wie irgendwo daneben. Überall ist Dunkelheit. Kinder werden Väter. Fünf Minuten später Stirbt sich was für einige Zeit. Überall ist Ewigkeit. Wenn du einen Schneck behauchst, Schrumpft er ins Gehäuse. Wenn du ihn in Kognak tauchst, Sieht er weiße Mäuse. Werbeanzeigen

Joachim Ringelnatz – Gedicht

Silvester Daß bald das neue Jahr beginnt, Spür ich nicht im geringsten. Ich merke nur: Die Zeit verrinnt Genauso wie zu Pfingsten, Genau wie jährlich tausendmal. Doch Volk will Griff und Daten. Ich höre Rührung, Suff, Skandal, Ich speise Hasenbraten. Mit Cumberland, und vis-à-vis Sitzt von den Krankenschwestern Die sinnlichste. Ich kenne sie Gut, wenn…

Joachim Ringelnatz – Gedicht

Der Bücherfreund Ob ich Biblio- was bin? Phile? »Freund von Büchern« meinen Sie? Na, und ob ich das bin! Ha! und wie! Mir sind Bücher, was den andern Leuten Weiber, Tanz, Gesellschaft, Kartenspiel, Turnsport, Wein, und weiß ich was, bedeuten. Meine Bücher – – – wie beliebt? Wieviel? Was, zum Henker, kümmert mich die Zahl.…

Joachim Ringelnatz – Gedicht

Morgenwonne Ich bin so knallvergnügt erwacht. Ich klatsche meine Hüften. Das Wasser lockt. Die Seife lacht. Es dürstet mich nach Lüften. Ein schmuckes Laken macht einen Knicks Und gratuliert mir zum Baden. Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs Betiteln mich „Euer Gnaden“. Aus meiner tiefsten Seele zieht Mit Nasenflügelbeben Ein ungeheurer Appetit Nach Frühstück und…