Arthur Schopenhauer – Zitat

Der Leser hat das Buch für baares Geld gekauft und frägt, was ihn schadlos hält? Meine Zuflucht ist jetzt, ihn zu erinnern, dass er ein Buch, auch ohne es gerade zu lesen, doch auf mancherlei Art zu benutzen weiss. Es kann, so gut wie viele andere, eine Lücke seiner Bibliothek ausfüllen, wo es sich, sauber gebunden, gewiss gut ausnehmen wird. Oder auch er kann es seiner gelehrten Freundin auf die Toilette, oder den Theetisch legen. Oder endlich er kann ja, was gewiss das Beste von Allem ist und ich besonders rathe, es recensieren.

Durchgelesen – „Meine Preise“ v. Thomas Bernhard

Im Februar 2009 wurde dieses Buch anlässlich des 20. Todestages von Thomas Bernhard zum ersten Mal veröffentlicht. Bereits 1980 hat er diese Prosaarbeit geschrieben, die sich in neun Kapiteln und einen Anhang gliedert. Sie handelt um die Umstände und Gegebenheiten bezüglich der ihn verliehenen literarischen Auszeichnungen.

Thomas Bernhard bekannt für seine Boshaftigkeit und Lakonie, erklärt dem Leser auf unglaublich witzige und skurille Weise den Sinn oder auch Unsinn dieser Preise und die dazugehörige Probleme.

Bei der Verleihung des Grillparzerpreises steht Thomas Bernhard vor einer grossen Herausforderung, nämlich einen passenden Anzug zu kaufen. Dieser ganze Aufwand wurde dann nicht einmal belohnt, da er von keinem der hohen Wiener Würdenträger in der Akademie der Wissenschaften empfangen wurde und zu seinem Platz geführt wurde. Ergänzend muss man noch erklären, dass in der Regel seine Tante ihn bei all diesen Preisverleihungen begleitete. Er war um so empörter über diesen Mangel an Höflichkeit, so dass er sich einfach selbst einen Platz gesucht hatte, was dann zu grossen Verwirrungen innerhalb des Saales kurz vor der Preisvergabe führte.

Die Umstände der Verleihung des Literaturpreises der Freien und Hansestadt Bremen waren nicht weniger kompliziert. Der einzige positive Aspekt lag darin, dass dieser Preis mit 10 000.- DM dotiert war, was Thomas Bernhard aus seiner schwierigen finanziellen Lage retten konnte. Er wollte sich nämlich unbedingt einen eigenen Bauernhof kaufen, und wenn es nur eine Ruine wäre, aber dafür etwas Eigenes. Deshalb nahm er die Strapazen bezüglich der Verleihung in Kauf, obwohl er die Stadt Bremen hasste:

„Ich reiste also nach Bremen, das ich nicht kannte. Hamburg kannte ich und liebte ich immer wie auch heute, Bremen verabscheute ich vom ersten Moment an, es ist eine klein-bürgerliche unzumutbare sterile Stadt.  Gleich gegenüber dem Bahnhof war in einem neuerbauten Hotel für mich ein Zimmer bestellt, ich weiss nicht mehr, wie das Hotel geheissen hat. Ich verkroch mich in meinem Hotelzimmer, um die Stadt Bremen nicht sehen zu müssen und wartete den Morgen der Preisverleihung ab.“

Es gab ständig Skandale bei diesen Feierlichkeiten, er regte sich immer über irgendetwas auf, er schimpfte auf die Gesellschaft, auf die Politik und er ironisierte die Welt und sich selbst. Mit Witz und sprachlicher Brillanz gelingt es Thomas Bernhard den Leser auf intellektuelle und anspruchs-volle Weise wunderbar zu unterhalten. Diese Prosaarbeit gehört sicherlich zu seinen vergnüglichsten Werken.

Durchgelesen – „Die Kunst seine Schulden zu zahlen…“ v. Honoré de Balzac

„Die Kunst seine Schulden zu zahlen und seine Gläubiger zu befriedigen, ohne auch nur einen Sou selbst aus der Tasche zu nehmen“ ist ein wirklich kurioses und wichtiges Kabinettstück.

Balzac spricht hier aus einer unerschöpflichen Erfahrung, denn die Kunst mit Geld umzugehen, war nicht wirklich seine grösste Stärke. Es wird „gelehrt in zehn Lektionen“ oder man nimmt es als „Handbuch des Handelsrechts“.

Allerdings ist diese ungewöhnliche Anleitung, um gut mit seinem vor allem nicht vorhandenen Geld auszukommen, nicht so ganz ernst zu nehmen. Jedoch wird der Leser aufgeklärt über Schulden: es gibt reelle Schulden, schmutzige Schulden, vorgebliche Schulden, etc. Ein wichtiges Thema sind natürlich auch die verschiedenen Arten von Gläubigern und Schuldnern. Und mit grosser „Ernsthaftigkeit“ wird die Funktion des Gerichtsvollziehers und der „magische“ Ort des Gefängnisses beschrieben.

„Wer es auf andere Weise nicht schafft, sollte sich durch seine Schulden berühmt machen.“

Ein köstliches und gleichzeitig aber auch trauriges Buch, wenn man die Biographie von Balzac betrachtet, denn er floh sein ganzes Leben lang vor seinen Gläubigern.