Durchgelesen – „Merry Fishmas“ v. Arezu Weitholz

Haben Sie schon Ihr Weihnachtsmenü zusammengestellt? Falls nicht, sollten Sie auf keinen Fall den Fischgang vergessen! Nachdem Arezu Weitholz uns bereits mit ihrem ersten Band „Mein lieber Fisch“ das Leben und Leiden von Fischen auf witzige Weise erklärt hat, erscheint nun passend zum Weihnachtsfest ein zweiter Gedichtband mit 44 Fischgedichten. Doch die Gedichte sind nicht nur für das bevorstehende Fest geeignet, eine Vielzahl der Verse sind ganzjährig einsetzbar trotz ihrer entzückenden weihnachtlichen Zeichnungen. Dieses Lyrik-Büchlein bietet somit wieder ein dauerhaftes Vergnügen für alle „fischigen“ Lebenslagen.

Die Brasse besiegt ihre Angst, die Fische sind verliebt und der Karpfen hat einen Kater. Aber dafür fängt die Krake an zu dichten und das mit Erfolg:

„Die Krake“

Die kleine Krake Kasimir
ist ein bisschen schlicht
sie kann sich keine Reime merken
und auch kein Gedicht

Wal auf Aal, das ist zuviel
Hecht auf echt erst recht
Welle, Delle, Siel und Kiel
gehn auch eher schlecht

Not und Krake sind am Ringen
doch dann ersinnt sie eine List:
Immer einen Knoten schlingen
damitse keinen Reim vergisst

Heute ihr Gedichte glücken
und man lobt sie in der See
nur das Schwimmen kannse knicken
denn sie ist jetzt Makramee

(genehmigter Abdruck, Quelle: „Merry Fishmas“, Vierundvierzig Fischgedichte fürs Fest von Arezu Weitholz, Weissbooks Verlag)

Lars, der Lachs ist Kettenraucher, die Meerjungfrau träumt von schicken Schuhen, die Renke hat sich verrenkt und der Tropenfisch wettert gegen den Weihnachtsmann. Da hilft nur eins, Ruhe bewahren und philosophisch denken:

„Der Philosofisch im Winter“

Bin ich ich
ein Fisch, ein Floh
bin ich nich
in Wahrheit froh

Bin ich das Meer
bin ich die Flut
ist alles wahr
ist alles gut

Wo geht es hin
wer lenkt den Weg
bin ich schon tot
bin ich zu spät

Bin ich aus Eis
und Schnee gebaut
tut es wohl weh
wenn es mal taut

Will ich, will ich
will mich nur was
und wenns mich will:
was soll denn das

(genehmigter Abdruck, Quelle: „Merry Fishmas“, Vierundvierzig Fischgedichte fürs Fest von Arezu Weitholz, Weissbooks Verlag)

Arezu Weitholz hat sich mal wieder übertroffen, die Gedichte sind einfach wunderbar! Witzig, amüsant, nachdenklich, kurzum sie sind prädestiniert für espritvolle Momente. Zaubern Sie Ihr ganz persönliches und wortreiches „Fisch-Menü“, geniessen Sie dies nicht nur an den Festtagen. Deshalb lassen wir jetzt die Fische schwimmen und freuen uns – wie der Fisch im Wasser –  an dieser hinreißenden und „schuppigen“ Poesie!

Durchgelesen – „Mein lieber Fisch“ v. Arezu Weitholz

Sie lieben Fisch, gehen gerne zum Angeln? Nein?! Aber Sie lieben dafür Gedichte, dann ist dieser entzückende Lyrikband mit vierundvierzig Fischgedichten der richtige „Fang“ für Sie!

Arezu Weitholz, die Autorin und gleichzeitig noch Illustratorin dieses wunderbaren Büchleins lebt in Berlin. Sie machte eine Ausbildung bei einer Bank und legte eine Zeit lang in Südafrika Platten auf. Inzwischen arbeitet sie Journalistin unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und schreibt für namhafte Rockgrössen die Songtexte.

Und sie hat eine unglaubliche Begabung aus „Fischen“ besondere Lebewesen zu machen. Der Leser taucht in eine Wasserwelt, die weder langweilig, öde, blass und einfallslos ist. Im Gegenteil voller Witz, Humor und Bissigkeit. Da wird selbst der absolute Fischverächter schwach und stürzt sich in die Fluten. Arezu Weitholz führt uns ein in ihre Fisch-Welt mit dem Gedicht:

Der Aalphabet“

„Es war einmal ein Fisch im Meer
der liebte die Buchstaben sehr.
Er zählte sie von früh bis spät
man nannt ihn auch den Aalphabet.

Doch eines Tages fehlte ihm
das grosse F, und das war schlimm
denn nun gabs grosse Ische
und sonst nur kleine fische.

Er sucht im ganzen Ozean
von oben bis nach unten.
Das grosse F war irgendwann
ganz vollständig verschwunden.

Der Aalphabet, er war nicht blöd
er tat, als wärs normal.
Und seitdem ist der grösste Isch
kein Isch mehr, sondern Wal.“

(genehmigter Abdruck, Quelle: „Mein lieber Fisch“, Vierundvierzig Fischgedichte von Arezu Weitholz, Weissbooks Verlag)

Fische in allen Variationen, in allen Grössen, tot oder lebendig. Man wünscht sich ein Aquarium, einen Fluss oder einen See, um den „Gedanken“ der Fische nachzuspüren. Selbst von ganz menschlichen Problemen, wie einer Grippewelle, werden die Weitholz’schen Fische nicht verschont:

„Die Grippewelle“

„Erst, da keuchten die Sardellen
und bald hustete der Hecht.
Böse röcheln die Forellen
und den Heringen ist schlecht.

Kopfweh, Fieber bei den Fischen
keiner mehr verlässt sein Haus.
Denn den Wal darfs nicht erwischen
wenn der niest, ist alles aus.“

(genehmigter Abdruck, Quelle: „Mein lieber Fisch“, Vierundvierzig Fischgedichte von Arezu Weitholz, Weissbooks Verlag)

Was für ein Vergnügen, diese Gedichte nach ringelnatzscher Manier zu lesen! Seien Sie mutig, wagen Sie ein literarisches Fisch-Menü. Sie werden es nicht bereuen, denn es ist absolut grätenfrei und äusserst schmackhaft!