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Durchgeblättert – „Do You Read Me“ – Besondere Buchläden und ihre Geschichten

Philippe Djian hatte bereits klar erkannt: „Wenn es mir schlecht geht, gehe ich nicht in die Apotheke, sondern zu meinem Buchhändler.“

Und um dieses kaum zu übertreffende Zitat noch konkreter zu erleben, sollte es im wahrsten Sinne des Wortes Bücher auf Rezept geben, die das Leben herausfordern, hinterfragen und bereichern. Ja und genau so ein Buch hat gerade das „Licht der Welt“ erblickt, einer ganz besonderen Welt – der Welt der Buchläden. 

Buchhandlungen sind Orte, die Fragen zu lassen, in denen man Antworten findet, die zu literarischen Reisen einladen, die Informationen und Kultur vermitteln, die Möglichkeiten des Austausches bieten, die Ablenkung nicht nur vortäuschen und die Aktualität mit Beständigkeit elegant verknüpfen.

„Do You Read Me“, ein wunderschön gestalteter Bildband über genau diese Buch-Orte, ist zur Zeit das interessanteste und abwechslungsreichste Buch über Buchläden und ihre dazugehörigen unerlässlich spannenden Geschichten. Der Titel des Buches wurde der Buchhandlung „Do You Read me“ aus Berlin „entliehen“, die ein eher ungewöhnliches Buchhandlungskonzept vorweist, welches Magazinen aus aller Welt mehr Bedeutung in Auswahl und Platz schenkt, als dem zusätzlich angebotenen aussergewöhnlichen Buchsortiment.

Über 60 Buchhandlungen bzw. Buchläden werden in diesem Werk mit grandiosem Bildmaterial und fein kuratierten Texten vorgestellt. Die Auswahl ist absolut international, neben bereits auch berühmt bekannten Buchhandlungen wie „Shakespeare & Company“ in Paris oder der „Boekhandel Dominicanen“ in Maastricht, entdecken wir bezaubernde und atemberaubende Buch-Paradiese und Buch-Kleinode, die ihresgleichen suchen.

Da gibt es beispielsweise ein charmant in Türkisfarben gehaltenes Buchladen-Café in Istanbul oder ein spektakuläres Buchhandlungskonzept in Mexiko-Stadt, bei der im jüngsten Buchhandlungprojekt „Cafebreria El Péndulo“ eine riesige Palme mitten in der Buchhandlung steht und aus deren Dach ragen darf. In Island wird ein entzückendes kleines Antiquariat „Bokin“ zum Kulturbotschafter. Die USA zeigt eine Fülle von faszinierenden unabhängigen Buchhandlungen, die mehr als klassisches Engagement beweisen, wie zum Beispiel der Initiator „Michael Seidenberg“ seines vollkommen „geheimen“ Buchladens – „Brazenhead Books“ in New York City -, den er aus und mit seinem eigenen Appartement gemacht hatte. Aber auch eine schwimmende Buchhandlung mit dem Titel „The Book Barge“, die am Canal du Nivernais in Frankreich liegt, sorgt für Erstaunen.

Richtig spektakulär darf es natürlich auch sein, vor allem wenn man die Bilder der Buchhandlung „WUGUAN BOOKS“ aus Kaohsiung (Taiwan) bewundert, denn in dieser Buchhandlung werden ungefähr 400 Bücher in absoluter Dunkelheit mit jeweils eigenem Licht präsentiert. Oder vollkommen unverwechselbar, wenn man sich die Buchhandlung „Morioka Shoten“ in Tokio ansieht. Hier wird nur ein einziges Buch zum Verkauf angeboten!

Die vielfältige Auswahl an Buchläden in diesem Werk ist beeindruckend, inspirierend und motivierend zugleich. Die hier präsentierten Buchhandlungen sind auf verschiedenste Weise und in  ihrer Kombination inhaltlich, aber auch gestalterisch und architektonisch die wundervollsten „Meisterwerke“ in Punkto Lese-Paradiese!

Kaum verwunderlich, dass bereits in einer Rezension in der Süddeutschen Zeitung dieses Buch als „Verneigung vor einer fantastischen Institution: der Buchhandlung“ bezeichnet wird. Es könnte sogar noch mehr sein als „nur“ die Verneigung vor der Institution Buchhandlung. 

Selbstverständlich ist es auch die Verneigung vor den buch-begeisterten Köpfen, kreativen Initiatoren und kompetenten Buchhändlern, die diese Lese-Orte mit gebührendem Engagement und grosser Leidenschaft geschaffen haben und weiterhin alles dafür tun, sie langfristig anziehend und lebendig zu halten. Doch vergessen wir nicht den Leser, Buchliebhaber und potentiellen Kunden, der genau diese Buchläden regelmässig frequentiert, schätzt, liebt, verehrt und belebt. Und genau diesem Bücherfreund gebührt gleichwohl eine eben so grosse Verneigung, die man in der aktuellen Zeit auf keinem Fall unerwähnt lassen sollte!

„Do You Read Me“ ist ein grandioses „Sammelsurium“ der unterschiedlichsten Buchhandlungen jedoch mit einer grossen Gemeinsamkeit: diese Buchläden geben eine Art „Zuhause“, erfüllen Wünsche und schenken uns – wie bereits Mark Forsyth in seinem Essay erläuterte – eine besondere und unverwechselbare Art des Glücks, nämlich „das große Glück, das zu finden, wonach man gar nicht gesucht hat“!

Durchgeblättert – „Meine schöne Buchhandlung“

Lesen Sie noch „echte“ Bücher? Dann besuchen Sie auch Buchhandlungen, vielleicht so gar unabhängige, inhabergeführte Buchhandlungen, die mehr sind als nur eine reine Verkaufsstelle für Bücher. Und trotzdem werden Sie nun fragen, braucht es denn heute in der digitalen Welt wirklich noch einen örtlichen Buchhändler? Die Antwort lautet knapp und ganz einfach: Ja!

Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass dieser wunderschöne und informative Bild- und Textband „Meine schöne Buchhandlung“ gerade aktuell erschienen ist.

Für dieses gelungene Ergebnis sind zwei Verlagsfrauen (Lektorat bei Knesebeck), Elizabeth Bandulet und Maria Platte verantwortlich und natürlich Andreas Licht – einer der besten Fotografen – der uns bereits durch die mehr als gelungene Kooperation mit Rainer Moritz mit dem Bildband „Dicht am Paradies – Spaziergänge durch Pariser Parks und Gärten“ von seiner Fotokunst überzeugen konnte. Somit ist es keine Überraschung, dass dieses wundervolle Buch bereits durch die Bilder, welche die Räumlichkeiten der einzelnen Buchhandlungen und die leitenden und mitarbeitenden Buchhändler porträtiert, eine durch grosse Neugierde fördernde Anziehungskraft ausübt. Doch die feinen und informativen Texte von Elizabeth Bandulet und Maria Platte machen daraus ein kleines Gesamtkunstwerk. Es werden hier nämlich keine klassischen Kurzbeschreibungen präsentiert. Sämtliche hier vorgestellten Buchhändler kommen zu Wort, es geht um das echte Leben und Arbeiten in der jeweiligen Buchhandlung, die Sortimentsidee, die Veranstaltungen, den direkten Austausch mit den Kunden und vieles mehr.

Der Leser kann hier 35 Buchhandlungen entdecken, alle unabhängig und inhabergeführt, in ganz Deutschland verteilt, mit einem kleinen Blick auch nach Österreich und in die Schweiz. Die Buchhandlungen haben unterschiedlichste Grössen von 45m2 bis 7000m2, sind allgemeinsortiert oder spezialisiert und haben aber sehr vieles gemeinsam: sie werden von und mit hoch motivierten, engagierten und kreativen Menschen geführt, geleitet und organisiert. Es sind gelernte Buchhändler, Germanisten, Philosophen, aber auch Quereinsteiger. Ein geballtes Wissen verknüpft mit unendlichem Enthusiasmus, der jedem Leser und potentiellem Kunden der Buchhandlung zur Verfügung steht. Aber letztendlich geht es um wesentlich mehr als nur um Wissensvermittlung und Service, es geht um einen besonderen Treffpunkt, ein Ankommen in der Welt der Bücher, um eine besondere Wohlfühl-Atmosphäre, um starke Inspiration, um Anti-Alogrithmus, natürlich um echte Beratung von Angesicht zu Angesicht, es geht aber auch um Tradition und Innovation, um Sinnerlebnisse und Lebendigkeit. Und es geht nicht um die Zukunft der Buchhandlung, die ist durch diese tollen Buchmenschen zu hundert Prozent gesichert, sondern um die Zukunft des Buchlesers.

Dies alles wird hier auf sage und schreibe nur 160 Seiten stilvoll und informativ gezeigt, so dass man bereits bei der Lektüre dieses schönen Bildbandes sich in der jeweiligen Buchhandlung verweilend sieht. Der Leser ganz sicher und vielleicht sogar der Nicht-Leser, sie beide bekommen eine unglaubliche Lust, all diese wunderbaren Orte so schnell als möglich aufzusuchen, die dahinterstehenden Menschen kennenzulernen und miteinander über Bücher und Literatur zu sprechen. Denn genau dieser persönliche Kontakt und der individuelle Austausch verleihen all diesen schönen und aussergewöhnlichen Buchhandlungen dadurch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, das letztlich das einzige, beste und wichtigste Service-Argument im Buchhandel ist und bleiben wird.

Also, worauf warten Sie! Laufen Sie los und stürmen Sie Ihre ganz persönliche unabhängige Buchhandlung, denn Ihr Buchhändler wartet auf Sie, schenkt Ihnen sein Vertrauen und wird Sie mit Freude, Engagement, mit einem besonderen Buchsortiment und individuellster Beratung empfangen. Und sollten Sie dabei noch dieses wundervolle Buch „Meine schöne Buchhandlung“ entdecken, sind nicht nur Ihr Buchhändler, sondern auch Sie glücklich!

 

Durchgeblättert – „book shops“ v. Markus S. Braun

« Buchhandlungssterben » – ein Schlagwort, das man in der letzten Zeit immer wieder hört bzw. liest. Nicht nur die unabhängigen Buchhandlungen werden weniger auch die Ketten schliessen einige ihrer Filialen, denn der Internetbuchhandel nimmt dem örtlichen Buchhandel die Umsätze und somit die Kunden weg. Dies erweckt den Eindruck, dass der Buchkäufer immer phlegmatischer wird und lieber seinen gewünschten Titel per Taste bestellt, als dass er sich direkt in eine Buchhandlung begibt, vor Ort schmökert und sich von Buchhändlern beraten lässt. Doch deshalb ist es um so erfreulicher, dass ein äusserst innovativer Verleger, sich an ein Buchprojekt wagt, und damit auch dem Buchkäufer per Klick ein Werk vorstellt, das nur von « book shops », also örtlichen, reellen und keinesfalls virtuellen Buchgeschäften handelt.

Markus S. Braun ist 1966 in Berlin geboren und hat Germanistik und Betriebswirtschaft studiert. Von 1993 bis 1995 war er Herausgeber des populärwissenschaftlichen Magazins Copernicus. Im Jahr 2000 hat er das Verlagshaus Braun gegründet und seit 2009 ist er Verleger von Braun Publishing. Der Verlag ist spezialisiert auf Architektur und deshalb war es sicherlich nur eine Frage der Zeit, wann sich Markus S. Braun den schönsten, innovativsten, interessantesten, etabliertesten und neuesten Buchhandlungen der Welt widmen würde.

« book shops » ist ein prächtiges « Bilderbuch » nicht nur für Innenarchitekten oder Ladenbauer, nein es ist ein wichtiges Werk und eignet sich für jeden Buchliebhaber und Buchkäufer, der mehr erwartet und braucht, als nur eine sterile Online-Buchbestellung. Es zeigt die unterschiedlichsten Buchhandlungen, sowohl allgemeines Sortiment, aber auch Spezialläden. Es gibt kleine Bookshops, wie beispielsweise eine Design- und Architekturbuchhandlung mit gerade mal 33 qm in New York und es gibt auch megagrosse Geschäfte wie der « Academic Bookstore » in Helsinki mit 5000 qm. Wir entdecken aber auch zum Beispiel die älteste Buchhandlung Deutschlands « Korn & Berg », die 1531 in Nürnberg eröffnet wurde und noch heute im renovierten Glanz erstrahlt. Wir schmökern im traumhaft gestalteten « Papasotiriou Bookstore » in Athen, wo Moderne und Klassik in der Innenarchitektur grandios vereint werden. Natürlich dürfen vollkommen futuristisch gestaltete Buchhäuser wie zum Beispiel « Prologue » in Singapore nicht fehlen. Aber auch die Traditionshäuser wie « El Ateneo Grand Splendid », das als Theater 1903 im Buenos Aires gebaut wurde, und « Munro’s Books » in Victoria (Kanada), welches sich in einem neo-klassizistischen Gebäude von Thomas Hooper aus dem Jahre 1909 befindet.

Insgesamt besuchen Sie, verehrter Leser, hier 49 Buchhandlungen quer über die Welt verteilt und werden sich spätestens nach den ersten drei Läden wundern, warum der Online-Buchhandel so boomt. Es ist nach dieser « atemberaubenden » Lektüre nicht im Geringsten nachvollziebar. Dieser fantastische Bild- und Architekturband öffnet ein paar vertraute, aber eben auch sehr viele neue Welten in Punkto Buchhandlungen. Man spürt bei jedem « Besuch » das Engagement, die Ideen und die Herausforderungen, die sich dahinter verbirgen. Hier sehen wir nicht nur das präsentierte Buch, sondern es geht um Raumkonzepte, Design und Einrichtung. Die Leser und vor allem die Buchkäufer dürfen sich hier wohlfühlen. Die Buchhandlungen sollen verführen, zum Verweilen einladen, die Neugierde beflügeln und natürlich auch den Verkaufsimplus verstärken. Der Leser wird hier nicht nur mit äusserst hochwertigem Bildmaterial überzeugt, sondern auch mit sehr kompetenten Informationen zu jeder Buchhandlung. Nicht nur die architektonischen Eckdaten, wie Grösse, Materialen etc., sondern auch prägnante historische und sortimentsspezifische Anmerkungen ergänzen das jeweilige Buchhandlungsporträt.

All diese hier vorgestellten Buchhandlungen sind mehr als einen echten Besuch wert, damit sie nicht nur lange erhalten bleiben, sondern auch um weiterhin nachhaltig zu inspirieren bezüglich neuer Buchhandlungskonzepte. Der Bucheinkauf auf Knopfdruck mag vielleicht im ersten Ansatz in seiner Form bequem erscheinen, doch letztendlich ist er langweilig, und eher in Punkto Einkaufsatmosphäre kalt und emotionslos. Erheben Sie sich, verehrter Leser, von Ihrem Bürostuhl, aus Ihrem Sessel und gehen Sie in die nächste Buchhandlung! Vielleicht entdecken Sie per Zufall dabei einen dieser Bookshops aus diesem mehr als beachtenswerten Buch. Dank Markus S. Braun und seinen « book shops » werden die Buchhandlungen zu einem echten Einkaufserlebnis wiederentdeckt und gleichzeitig wird deutlich, dass der örtliche Buchhandel noch lange nicht tot ist. Ganz im Gegenteil, er lebt und begeistert nicht nur durch Kompetenz, Anspruch und Orginalität, sondern auch durch neue Impulse, grenzenlose Kreativität und buchhändlerische Durchsetzungskraft!

Durchgelesen – „Flaneur in Paris“ v. Guillaume Apollinaire

Walter Benjamin hat 1929 die Neuausgabe des « Le flâneur des deux rives » (erstmals erschienen 1919) unter dem Titel « Bücher, die übersetzt werden sollten » in der Frankfurter Zeitung rezensiert. Jetzt erscheint dieses Werk von Guillaume Apollinaire mehr als 80 Jahre nach Benjamins Anregung endlich zum aller ersten Mal in deutscher Übersetzung.

Guillaume Apollinaire wurde am 26. August 1880 in Rom geboren und starb am 9. November 1918 in Paris. Er war ein französischer Autor polnisch-italienischer Abstammung, der durch seine aussergewöhnliche Lyrik, welche zu den bedeutendsten der französischen Literatur Anfang des 20. Jahrhunderts zählt, berühmt wurde. Seine Kindheit verbrachte Apollinaire noch in Rom, sein Schulzeit erlebte er bereits in Monaco, wohin die Mutter gezogen war, nachdem sich ihr Geliebter – ein hochrangiger Offizier  – von ihr getrennt hatte. Ab Anfang 1899 kam es zum nächsten Umzug, diesmal nach Paris, was wieder durch einen neuen Liebhaber der Mutter ausgelöst wurde.

Die Lehrjahre in Paris waren nicht einfach. Ohne jeden Schulabschluss, denn er hatte das Abitur nicht abgelegt, versuchte er sich mit einfach Jobs über Wasser zu halten, arbeitete als « Ghostwriter » und schrieb Gedichte und Erzählungen. Er reiste ein Jahr  – inspiriert durch eine Französischschülerin – durch verschiedene Länder unter anderem auch nach Deutschland (Berlin u. Dresden).

Ein Wendepunkt ist sicherlich das Treffen im Jahre 1905 mit Picasso, welcher Apollinaire die Tür zu dem Kreis der Pariser Avantgarde-Maler öffnete. Der Austausch über Kunst faszinierte ihn so sehr, dass er sich mehr und mehr als Kunstkritiker fühlte. 1912 erschien seine berühmte Lyriksammlung unter dem Titel « Alcool », die jedoch erst nach seinem Tode zu einem bis heute anhaltenden Erfolg wurde. 1914 meldete sich Apollinaire gleich nach Beginn des 1. Weltkrieges aus lauter Begeisterung darüber freiwillig zum Dienst. 1915 war er dann endlich an der Front und ein Jahr später wurde er leider durch einen Granatsplitter an der Schläfe schwer verletzt und musste mehrmals operiert worden.

Sein letztes Buch « Flaneur in Paris », was er noch vor seinem Tod vollendete, aber erst einige Monate später nach seinem Tod erschienen war, wurde jedoch bereits 1918 durch einen befreundeten Verleger als Projekt vorbereitet.

« Flaneur in Paris » sollte eigentlich ein Roman werden, aber Apollinaire hatte seinem Verleger einfach die letzten feuilletonistischen Textes aus den Jahren 1910-1918 gegeben.

« Flaneur in Paris » ist demnach eine Art Sammlung von zehn Geschichten, die uns in Form von literarischen Spaziergängen durch das Paris Anfang des 20. Jahrhunderts führen. Es beginnt mit « Erinnerungen an Auteuil » damals noch ein Vorort von Paris, inzwischen liegt Auteuil im 16. Arrondissement. Apollinaire wohnte von 1909 – 1913 in Auteuil, weil seine Freundin, die Malerin Marie Laurencin, dort lebte. Er beschreibt die Strassen und die Häuser, und wundert sich, dass nichts mehr so ist wie zu Balzacs Zeiten.

In den weiteren Geschichten wie zum Beispiel « Die Buchhandlung von Monsieur Lehec », die sich um einen Buchhändler dreht, der seinen Bücher nicht wirklich verkaufen möchte, lernen wir das Pariser Verleger-  und Buchhändlerleben kennen. Apollinaire erzählt aber auch von Künstlern und Dichtern, die in der Nähe der Rue de Buci – eine Strasse im Viertel Saint-Germain des Près – gelebt haben. Er führt uns auch noch in das Viertel um den Place Pigalle und an die grossen Boulevards, wo er in einem Café den Autor Ernest La Jeunesse kennenlernt.

In der Geschichte « Die Quais und die Bibliotheken » begleitet uns Apollinaire – obwohl er schreibt :

« Ich gehe möglichst selten in die grossen Bibliotheken. Lieber spaziere ich über die Quais, diese herrliche öffentliche Bibliothek. »

– nicht nur durch Pariser Bibliotheken, sondern auch durch besondere und beeindruckende Bibliotheken Frankreichs und verschiedenster anderer Länder, die er während seiner Reisen besucht hatte. Dabei entdeckt er immer wieder neue Werke, Verzeichnisse und sogenannte « Phantasie-Kataloge » unter anderem mit fiktiven Büchern, die ihn nicht nur zum staunen, sondern auch zum Schmunzeln bringen. Doch letztendlich ist er – um wieder auf  Paris zurückzukommen – nur davon überzeugt :

« Kann man in Paris einen schöneren Spaziergang machen ? Wenn man Zeit hat, sollte man für das Stück von der Gare d’Orsay zum Pont Saint-Michel ruhig einen ganzen Nachmittag einplanen. Es gibt auf der ganzen Welt bestimmt keinen reizvolleren, keinen angenehmeren Spaziergang.« 

Und damit hat er sicherlich Recht, auch wenn sich als einzige kleine Veränderung nach fast hundert Jahren der Gare d’Orsay sich in das Musée d’Orsay verwandelt hat. Genauso wie es Apollinaire uns hier beschreibt, können wir heute noch diesem Weg folgen : entlang der Seine, mit Blick auf den Louvre auf der anderen Seine-Seite, vorbei an dem Institut de France, weiter an der Seine von der Pont-des-Arts über Pont Neuf zum Pont Saint Michel.

Diese literarischen Streifzüge sind etwas ganz besonderes. Apollinaire ist immer auf der Suche nach dem Ungewöhnlichen und leicht Skurrilen, auch wenn alles im ersten Augenblick eher etwas beschaulich und harmlos aussieht. Man spürt bei jeder dieser Geschichten, die wahre Poesie und den Lyriker. Aber auch das Mystische und Surreale wird keineswegs vernachlässigt. Kurzum dieses 120 Seiten starke Büchlein, das durch hervorragende Erläuterungen und einem äusserst informativen Nachwort des Übersetzers Gernot Krämer ergänzt wurde, ist ein echtes Bijou der französischen klassischen Literatur. Deshalb freut es uns um so mehr, es endlich nach so langer Zeit in dieser herausragenden Übersetzung lesen zu dürfen.

« Flaneur in Paris » ist eines der schönsten Bücher und einer der wenigen Klassiker, der in den letzten Jahren in Deutschland neu im Sinne der Erstübersetzung erschienen ist. Der Leser hat nun zwei wunderbare Möglichkeiten: er kann nun auf den Spuren von Apollinaire durch Paris schlendern und von dieser Stadt träumen, aber er kann auch mit diesem Buch auf den Spuren von Apollinaire in Paris bummeln und diese Stadt in vollen Zügen geniessen.

Durchgelesen – „Der Zauber der ersten Seite“ v. Laurence Cossé

Wünschen wir uns als Bücherliebhaber, Lesebegeisterte und Literaturkenner, nicht schon immer eine Buchhandlung, die nur gute Literatur bzw. gute Romane verkauft? Eine Buchhandlung, die sich abhebt vom Mainstream-Angebot, die sich durch keine Bestsellerlisten beeinflussen lässt, geschweige denn Bestseller in ihr Sortiment aufnimmt. Kann eine Buchhandlung, die nur ausgewählte Literatur, zum Teil schon vergessene Werke, Klassiker und Erstausgaben auf Lager hat, überleben und eventuell sogar Erfolg haben? All diese Fragen mögen wir uns als Kunde und Leser stellen. Die Antworten finden wir hier in diesem überaus charmanten Roman, der den Leser in eine ganz besondere Welt der Bücher eintauchen lässt, wie wir sie uns nur in unseren kühnsten Träumen wünschen können.

Laurence Cossé, geboren 1955 in Boulogne -Billancourt, arbeitet als Kolumnistin, Hörfunkautorin und Schriftstellerin. Sie hat mit ihrem Roman „Der Zauber der ersten Seite“ (im Original „Au Bon Roman“), der nun zum ersten Mal in deutscher Übersetzung vorliegt, laut der französischen Tageszeitung Le Figaro „Eine Hymne auf das Lesen und die Einzigartigkeit des Lebens!“ geschrieben. Sie veröffentlichte bereits neun Romane. Ihre Novellen-Sammlung „Vous n’écrivez plus?“ wurde mit dem Prix de la Nouvelle de L’Académie Française 2007 ausgezeichnet.

„Der Zauber der ersten Seite“ beginnt sehr spannend! Drei berühmte Autoren werden jeweils Opfer eines hinterhältigen und subtilen Anschlags. Der Erste ist Paul Néon, der in einem kleinen Dorf in der Nähe von Chambéry lebt. Er wird von zwei Unbekannten in den Wald geschleppt, mit Alkohol vollgepumpt und in der Kälte mit der Flasche in der Hand einfach liegen gelassen. Der zweite Anschlag gilt der Schriftstellerin Anne-Marie Montbrun. Sie wird bei einer ihrer täglichen Autofahrten durch ein plötzlich querstehendes Auto auf der Strasse überrascht, kommt von der Strasse ab und stürzt einen Abhang hinunter. Glücklicherweise überleben sowohl Paul, als auch Anne-Marie, das Attentat. Armel Le Gall, das dritte Anschlagopfer, fühlt sich bei seinem morgendlichen Spaziergang von zwei jungen Männern verfolgt und bedroht. Zuerst nimmt er es gar nicht so ernst, doch die Angst wird bei jedem Spaziergang grösser, die Männer warten auf ihn und er kann gerade noch rechtzeitig fliehen und sich retten. Doch er ist so durcheinander, dass er beschliesst Ivan Georg anzurufen:

„«Doch gestern geht’s wieder los, die beiden Kerle warten auf mich. Es regnet, kalter Nieselregen. Meine Nerven flattern. Zehn Meter vor ihnen packt mich die Angst, und ich mache kehrt. Ich will ehrlich sein: Ich mache mich so schnell wie möglich davon, in sehr schnellen Schritten. Aber nicht schnell genug, um nicht noch jemanden grölen zu hören: Fast wie in einem schlechten Krimi, was Le Gall? Mit ordinären Personen und einem grob gestrickten, richtig dümmlichen Plot. Armer Le Gall, wo er die gute Literatur so liebt. Das ist kein guter Roman, was? Können Sie sich das vorstellen, Van? Sie betonten das gut. Gar kein guter Roman…»“

Ab jetzt befindet sich der Leser in einem einzigartigen Krimi, der nicht nur Schriftsteller als Opfer bietet, sondern die gute Literatur an sich. Da hilft nur noch eins: die Polizei muss eingeschaltet werden. Mit Kommissar Heffner wird der Fall aufgerollt und bis ins Detail untersucht. Und damit beginnt die eigentliche Geschichte der besonderen Buchhandlung „Der gute Roman“.

Ivan Georg, ein Buchhändler aus Leidenschaft mit einem nicht ganz konventionellen buchhändlerischen Lebenslauf, und Francesca Aldo-Valbelli, eine junge Mäzenin aus reicher Familie mit grosser Liebe zur Literatur und verheiratet mit einem profitgierigen Manager, gründen gemeinsam die Buchhandlung „Der gute Roman“. Eine Buchhandlung, die sich vom klassischen umsatzgesteuerten und nach Massenware orientierten System unterscheiden soll. Ein Ort, der nur gute Romane zu bieten hat, die von einem ausgewählten Komitee vorgeschlagen werden. Insgesamt besteht dieses Komitee aus acht grossen Romanciers, die sich entschlossen haben, die Idee des „Guten Romans“ zu unterstützen. Sie alle wissen untereinander nicht von ihrer Mitgliedschaft, sie haben sich alle der Anonymität untergeordnet, welche eine der Grundprinzipien dieses Komitees ist. Jeder Autor hat ein sogenanntes Codewort, was er im Falle einer Kontaktaufnahme benutzen muss. Alle acht Autoren wurden vor der Eröffnung der Buchhandlung aufgefordert, eine Liste mit 600 Romanen aufzustellen, ohne die sie niemals auf eine einsame Insel ziehen würden. Und diese acht Listen wurden dann zu einer Gesamtliste vereint, welche letztendlich das Sortiment “ Des guten Romans“ verkörpern wird. Für Ivan, die geniale Idee und die Basis des neuen Buchhandlung- Konzepts:

„«Unser Vorhaben ist radikal. Eine Revolution der kulturellen Sitten. Alle Welt ist heute der Meinung, es würden zu viele überflüssige Bücher veröffentlicht. Dieses Phänomen betrachten wir als geistige Umweltverschmutzung, deshalb sagen wir einfach: Es reicht! Hören wir auf, uns unseren Geschmacks-sinn abstumpfen zu lassen. Sorgen wir für frische Luft. Atmen wir. Wir glauben, wir haben eine gute Chance, Gleichgesinnte zu finden.»“

Die Buchhandlung wird im Erdgeschoss eines sehr schönen Hauses in der Rue Dupuytren, in der Nähe vom Place d’Odéon, im 6. Arrondissement von Paris Ende Sommer kurz vor der literarischen Rentrée eröffnet. Begleitet von einem nahe zu genialen Marketingauftritt und Werbeplan, der von Francesca lanciert und betreut wurde, ist die Buchhandlung ab dem ersten Tag ein wahnsinniger Erfolg. Die Menschen strömen in den Laden, lesen sich fest und kaufen die Regale leer. Jeder ist glücklich, der diesen Ort betritt. Endlich eine Buchhandlung, die gute Romane empfiehlt und nur solche verkauft. Und dazu ein Buchhändler, der alles gelesen hat, was in seiner Buchhandlung steht. Ein Konzept, das keine Bestseller wie zum Beispiel Dan Brown vorsieht und das sich nicht durch die Neuerscheinungspakete der Verlage irritieren lässt, indem sie einfach ganz galant abgelehnt werden.

Doch dieser Erfolg wird leider nicht nur mit wohlwollenden Augen betrachtet. Die Konkurrenz und der Neid sind nicht weit entfernt. Deshalb versucht Kommissar Heffner die Drahtzieher der Anschläge und der verbalen Attacken in der Presse und im Internet herauszufinden und zu enttarnen. Die Freunde des „Guten Romans“ lassen sich jedoch nicht beirren, bleiben ihrer Buchhandlung treu und unterstützen sie soweit es geht. Doch die Rache der „normalen“ Buchhandlungen lässt nicht nach, sie provozieren und versuchen alles, um diesen Erfolg zu unterbinden und dem sogenannten Elitären ein Ende zu setzen. Es geht schliesslich soweit, dass neben des „Guten Romans“ noch zwei weitere Buchhandlungen eröffnet werden mit den Namen „Freude am Roman“ und „Der exzellente Roman“. Wer steckt dahinter, und warum ist der „Gute Roman“ eine solche Bedrohung? Dies alles und noch mehr, vor allem aber auch was das Leben und die Liebe nicht nur zur Literatur betrifft, erfährt der Leser in diesem wahrlich grandiosen und aussergewöhnlichen Buch aus der Welt der Buchstaben.

„Der Zauber der ersten Seiten“ ist ein magischer Roman, den man in der Fülle der Auswahl an guter Literatur erst lange suchen muss. Man unterliegt dem Charme, der Idee, der Wirkung und der Spannung dieses Werkes bereits ab der ersten Seite. Der Leser spürt die Leidenschaft, die von dieser Geschichte ausgeht, die sich mit der harten Realität der Buchhandelswelt auseinandersetzt und einen Gegenpol schafft, der nicht besser als die in diesem Buch beschriebene Ideal-Buchhandlung, die sich viele Leser und Buchhändler sicherlich wünschen, sein könnte. Laurence Cossé schreibt äusserst sensibel und respektvoll in ihrem Roman über eine Fülle von anderen mehr oder weniger bekannten guten Romanen, die der Leser neu entdecken oder wieder entdecken kann. Somit tritt der Leser ganz unbeabsichtigt eine Reise an voller Inspiration und Leidenschaft durch die gute Literatur (mit Schwerpunkt der Französischen Literatur), welche ihn zwischen Faszination und Spannung taumeln lässt. Selten wurden die Themen Buchhandel und Literatur so gut in Szene gesetzt und mit der Form des Kriminalromans in einen äusserst mitreißenden Pageturner verwandelt, bei denen es sich in der Regel ja sonst nur um sogenannte Bestseller handelt.

„Der Zauber der ersten Seite“ sollte sich nicht zum Bestseller im Sinne des meistverkauften Werkes entwickeln, sondern es sollte das meistgelesene Buch werden, um verstehen zu können, wie eine Ideal-Buchhandlung aussehen könnte. Möge die Utopie einer Buchhandlung wie „Der gute Roman“ nicht nur Utopie bleiben in der heutigen Zeit von Grossketten und Stapeltiteln, sondern wenigsten zum Nachdenken anregen! Vielleicht gehen Träume in Erfüllung für den belesenen Kunden und den leidenschaftlichen Buchhändler und möge deshalb vor dem reinen Profit die Liebe zu Büchern und zur Literatur immer an erster Stelle stehen!

Durchgeblättert – „Meine wunderbare Buchhandlung“ v. Dirk Kruse

Geniessen wir nicht gerne die Momente in unserer Lieblingsbuchhandlung? Zeit zum Schmökern, ein Ort des Vertrauens, vielleicht sogar das zweite „Wohnzimmer“. Genau dies kann dem Leser und Buchkunden seine wunderbare Buchhandlung bieten. Doch dazu gehört auch noch der Mensch, der diese Buchhandlung einzigartig macht, nämlich der Buchhändler. Eine belesene Person mit viel Verständnis, mit Geduld und Muse, die sich nicht abschrecken lässt von schwierigen Kunden und komplizierten Bibliographieaufgaben. Ein Menschenkenner, der weiss, was der Kunde, der gerade in diesem Moment seine Buchhandlung betritt, gerne liest. Doch, was denken Autoren über ihren Buchhändler und über ihre Buchhandlung?

Ja und genau für diese Frage suchte Dirk Kruse eine passende Antwort. Er studierte Germanistik, Politik- und Theaterwissenschaften. Seit 1995 ist er hauptberuflich als Literatur- und Theaterkritiker für den Bayerischen Rundfunk tätig. Er hat bereits zwei erfolgreiche Kriminalromane verfasst und hat mit seinem Buch „Meine wunderbare Buchhandlung“ die aller erste Anthologie über Geschichten von Buchhändlern und Buchhandlungen herausgegeben. Er selbst findet alle Arten von Buchhandlungen, ob Grosskette, Discounter oder Kleinbuchhandlung spannend: „Ich kaufe in all diesen Läden, in manchen selten, in anderen oft. Aber definitiv gehe ich häufiger in eine Buchhandlung als in eine Metzgerei.“

Eine interessante Tatsache. Es zählt hier mehr die geistige Nahrung. Somit war für ihn klar, dass es nicht nur Geschichtensammlungen über Lesen und Bücher geben kann, sondern es Zeit ist für eine Anthologie über Buchhandlungen. Kruse konnte 14 Autoren gewinnen, dafür ihre Erzählkunst einzusetzen und Geschichten zu schreiben, die teilweise fiktiv, aber auch sehr realistisch sind. Der Band bietet nun 17 Erzählungen und Essays über „wunderbare Buchhandlungen“. Es werden witzige, satirische, kuriose und nachdenkenswerte Begebenheiten geschildert.

Martin Suter berichtet in „Plagiator auf Lesereise“ über eine sehr schwierige Lesung in einem kleinen Ort. Er sollte von der ortsansässigen Buchhändlerin am Bahnhof abgeholt werden, aber leider ist da niemand bei seiner Ankunft. Er war gerade dabei die Nummer der Buchhandlung zu wählen, da wird er angesprochen: „«Ich habe Sie mir viel kleiner vorgestellt», erklärte sie, als sie ihm die Hand schüttelte. «Ich habe Sie auf dem Bahnsteig gesehen, aber weil Sie so gross waren, habe ich nicht auf Ihr Gesicht geachtet. Erst jetzt, als Sie sassen, habe ich Sie erkannt. Ich schlage vor, ich bringe Sie zuerst ins Hotel.»“ Das Hotel entpuppt sich als sehr spartanisch und die Lesung bringt so einige Überraschungen mit sich…

Rolf-Bernhard Essig gibt dem Leser mit seiner skurrilen Mischung aus einseitigem Dialog und innerem Monolog Einblicke in die dunkle Seele einer Buchhändlerin. Ein Kunde – Autoverkäufer – sucht ein Buch: „«Ein Buch? Also davon haben wir eine ganze Menge. Ginge es noch eine Spur genauer? An was dachten Sie denn?» Wie komme ich nur darauf, dass er denken kann. Sprechen, ja, aber höhere, meinetwegen mittlere Hirntätigkeiten – ich weiss nicht, ich weiss nicht. Warum gerate immer ich an solche Schrate? Auf die Weise kann das Jahre dauern. Und in 20 Minuten ist Ladenschluss. Ich wäre jetzt einfach im Lager verschwunden. Hätte dort hinten ein wenig mehr Ordnung reinbringen können. Und dann endlich heimgehen, jedenfalls weit weg von Umstandskramern wie dem hier.“ Die Buchhändlerin ist fast am Verzweifeln, denn der Kunde sucht eine Liebesgeschichte, die verfilmt ist. Er kennt weder den Autor, noch den Titel. Doch die Buchhändlerin wird fündig, allerdings unter sehr schwierigen Bedingungen und mit interessanten Konsequenzen….

Neben diesen zwei Beispielen erzählen unter anderen noch Thommie Bayer, Ulla Hahn, Eckhard Henscheid, Michael Kleeberg, Herbert Rosendorfer und Hans-Ulrich Treichel von Ihren Erfahrungen und Erlebnissen aus einer „wunderbaren Buchhandlung“.

Nicht nur wegen der bibliophilen Ausstattung (Leineneinband mit Lesebändchen) ist dieser attraktive Geschichtenband eine sehr liebevoll, aber auch anspruchsvoll komponierte Anthologie. Es geht um den Ort – Buchhandlung – als Mythos. Hier weiss der Buchhändler noch über den Inhalt  „seiner“ Bücher Bescheid. Hier spürt man die Lebendigkeit, die durch Bücher entsteht. Und der Leser erkennt die wahre Ästhetik des Buchhandels! „Meine wunderbare Buchhandlung“ ist eine echte Hommage an Buchhandlungen, Buchhändler und Antiquare voller Leidenschaft, Humor und einem Hauch Nostalgie. Keinesfalls nur ein Buch für Buchhändler, die sich sicherlich in manchen Geschichten wiedererkennen mögen. Diese Anthologie ist eine echte Liebeserklärung an das vielleicht schönste und abwechslungsreichste Metier und bietet jedem Bücherfreund ein poetisches Vergnügen!

Durchgeblättert – „Die schönsten Buchhandlungen Europas“ v. Rainer Moritz

Reisen in ferne Länder oder Städte ist heutzutage etwas ganz Alltägliches! Eine Reise zu den schönsten Buchhandlungen Europas wäre sicherlich ein eher ungewöhnliches Ziel. Doch so bald Sie diesen faszinierenden Bildband in den Händen halten werden, ist diese aussergewöhnliche Entdeckungsreise zum Greifen nahe.

Genau auf diese besondere Reiseroute hat sich – unterstützt durch die international renommierten Fotografen Reto Guntli und Agi Simoes – der Autor Rainer Moritz begeben. Er leitet seit 2005 das Hamburger Literaturhaus, schreibt Kolumnen, Essays, Literaturkritiken und Bücher. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Die Überlebensbibliothek“ und „Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe“.

„Die schönsten Buchhandlungen Europas“ ist mehr als ein klassischer Reisebildband, denn der Leser taucht ein in mehrere neue Welten: ein neues Land bzw. eine neue Stadt, eine historische Architektur, eine Familiengeschichte und natürlich in die Welt der Bücher. Rainer Moritz hat ganz subjektiv, wie er selbst schreibt, 20 Buchhandlungen aus dem deutschsprachigen Raum und aus Westeuropa ausgesucht, die für ihn zu den schönsten Europas zählen.

Buchhandlungen sind Orte des Entdeckens, sie befriedigen die Neugierde, sie überraschen, sie beglücken. Es sind Orte der Begegnung, der Kommunikation, der Freude, der Ruhe, aber auch der Hektik. Sie können helfen, sie unterstützen und sie wecken Lust auf Bücher und Lesen! Doch wenn diese Buchhandlungen noch eine besondere Architektur, aussergewöhnliches Mobiliar und eine historische Familiengeschichte vorweisen können, verstärkt es die Anziehungs-kraft. Werden die Besucher dann noch mit aufmerksamer Beratung, durch eine besondere Auswahl von Büchern und bemerkenswerte literarische Veranstaltungen verwöhnt, fühlt sich jeder Leser und Buchliebhaber wie in einem Paradies.

Rainer Moritz porträtiert mit Feingefühl und grosser Neugierde die zwanzig schönsten Buchhandlungen Europas. Er zeigt uns die Besonderheiten, die buchhändlerischen Schwerpunkte und die ganz persönlichen Geschichten der Besitzer und Geschäftsführer dieser Häuser:

„Buchhandlung Felix Jud“ ist allein schon für ihren Standort zu beneiden. Sie liegt im nobelsten Einkaufsviertel von Hamburg, in einer der schönsten Passagen – die Mellin-Passage – direkt in der Nähe vom Jungfernstieg. Doch wenn man diese Buchhandlung entdeckt, vergisst man selbst die schönsten Juweliere und Boutiquen, und lässt sich bereits von den mit feinster Literatur gestalteten Schaufenstern anziehen. Spätestens beim Betreten der Buchhandlung spürt man die besondere Atmosphäre, das stilvolle Mobiliar – hauptsächtlich Kirschholz – und den Anspruch für gute Literatur.

„Librairie Galignani“ liegt im 1. Arrondissement von Paris, in der noblen und sehr bekannten Strasse – Rue de Rivoli. Genau gegenüber befindet sich der Jardin des Tuileries, daneben eines der teuersten und schönsten Hotels von Paris – Le Meurice – und das berühmte Café „Angelina“, das bereits Marcel Proust regelmässig besuchte. Galignani war und ist die erste englische Buchhandlung, die jemals auf europäischen Festland eröffnet wurde. Inzwischen gehört sie nicht nur zu den grössten englischen Buchhandlungen in Paris, sondern ist vor allem auch für ihre grosse Titelauswahl im Bereich Kunst, Mode, Fotographie, Design und Film sehr bekannt. Deshalb braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn man beim Schmökern berühmte Schauspieler und Modeleute trifft. Doch das Beste ist der perfekte Kundenservice, der sich durch besondere Kompetenz und ungewöhnliche Bibliographiermethoden auszeichnet.

Neben diesen zwei Beispielen entdecken wir unter anderem noch Buchhandlungen aus Berlin „Bücherbogen am Savignyplatz“ – die bekannt ist für ihren ungewöhnlichen Standort -, aus Brüssel „Tropismes“ – deren Name eine Hommage an Nathalie Sarraute ist – und aus Maastricht „Selexyz Dominicanen“ – die in einer der ältesten gotischen Dominikanerkirchen Hollands eingerichtet wurde -. Desweiteren finden Sie auch Buchhandlungen aus Österreich, der Schweiz, Portugal, England und Italien.

Dieser Bildband dient nicht nur zur Vor- bzw. Nachbereitung einer Reise, er ist wie eine Reise! Selbst dann, wenn man nur zu Hause gemütlich auf seinem Canapé verweilt. Rainer Moritz erzählt wunderbare Geschichten zu jeder Buchhandlung. Sie sind offen, persönlich und äusserst spannend. Sie geben aber auch Einblicke, die unverwechselbar und einmalig sind. Die faszinierenden Bilder und Momentaufnahmen der beiden Starfotografen Reto Guntli und Agi Simoes lassen den Leser vor Ehrfurcht erstarren und gleichzeitig ein euphorisches „Oh“ und „Ah“ rufen. Kunstvoll wurde mit diesen starken und klaren Photographien und den einfühlsamen Porträts einer der schönsten Bildbände aus der Welt der Bücher gestaltet.

„Die schönsten Buchhandlungen Europas“ laden Sie ein auf eine Reise, ganz ohne Ticket und ohne Gepäck! Vertrauen Sie Ihren Augen, geniessen Sie die Texte und Bilder. Sie werden mit unvergesslichen Eindrücken und einer unendlichen Lust auf Bücher und Lesen zurückkehren!