Durchgeblättert – „Räume für Menschen, die Bücher lieben“ v. L. Geddes-Brown

Bücher sind geistige Nahrung. Aber Bücher haben auch – ob wir wollen oder nicht – eine sehr grosse dekorative Wirkung. Und um genau diese geht es in dem sehr inspirierenden Buch „Räume für Menschen, die Bücher lieben“.

Leslie Geddes-Brown war stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift World of Interiors. Als Journalistin wurde sie bekannt durch zahlreiche Publikationen über Raum- und Gartendesign. Sie selbst hat gleich mehrere Bibliotheken: in London eine Regency-Bibliothek, in ihrem mittelalterlichen Anwesen in Suffolk eine Bibliothek im gregorianischen Stil und in ihrem Haus in der Toskana gibt es auch zahlreiche Bücherregale.

„Räume für Menschen, die Bücher lieben“ ist ein faszinierendes, aber auch praktisches Einrichtungsbuch. Es geht darum, mit den Büchern nicht nur einfach zu leben und sie zu sammeln, sondern sie vielleicht auch positiv in Szene zu setzen. Das heisst jedoch nicht, dass alles in Reih und Glied stehen soll, nein die Bücher sollen und können sich präsentieren, sei es in einem schicken modernen Designer-Regal, in einer gemütlichen Bibliothek oder einfach nur als Stapel am Boden.

Die Bücher werden zu einem wichtigen Element der Raumgestaltung. Leslie Geddes-Brown gibt interessante Ideen und Anregungen, wie jeder Bibliophile seine Bücher inszenieren kann. Mit wunderbaren Photos aus zahlreichen privaten Bibliotheken, die man entweder im klassischen Wohnzimmer, aber auch im Schlafzimmer, in der Küche und im Badezimmer findet, bekommt jeder Leser äusserst spannende einrichtungstechnische Impulse.

Da entdecken wir zum Beispiel eine Designerin, die ihre Bibliothek in einem Treppenschacht gebaut hat und an ihre Bücher nur mit Hilfe eines höhen-verstellbaren Bootsmannsstuhl erreichen kann. Ein New Yorker Bücherliebhaber hat sein Schlafzimmer rundherum mit Regalen tapeziert. Karl Lagerfeld hat im Bad seines Studios in Rom natürlich auch Bücherstapel dezent auf einem Stuhl plaziert. Eine berühmte italienische Modedesignerin lässt Familienporträts und schöne Bücher gemeinsam in einem Regal „wohnen“.

Der Bildband bietet sehr nützliche Tipps im Hinblick auf Materialen, Farben und Beleuchtung. Er zeigt noch zusätzliche Anreize, wie man Büchern eine wahre „Bühne“ bereitet, um nicht nur ihren geistigen Wert, sondern auch ihr Äusseres wie Cover, Einband etc. ins Rampenlicht führt.  Als Anhang gibt es noch ein sehr informatives Adress-Register, das für jeden Bücherfreund sicherlich sehr nützlich sein kann.

„Räume für Menschen, die Bücher lieben“ ist ein wunderschönes Buch, das zeigt wie stilvoll man mit Büchern leben kann. Hier spürt jeder Leser wie faszinierend bibliophile Paradiese sein können, denn wer kann sich schon satt sehen an diesen traumhaften, originellen und durchgestylten Bibliotheken. Dieser Bildband ist ein ideales Geschenk für Menschen, die nicht nur den Inhalt ihrer Büchern entdecken wollen, sondern endlich auch mal das dekorative Element von Büchern unterstreichen möchten!

Joachim Ringelnatz – Gedicht

Der Bücherfreund

Ob ich Biblio- was bin?
Phile? »Freund von Büchern« meinen Sie?
Na, und ob ich das bin!
Ha! und wie!

Mir sind Bücher, was den andern Leuten
Weiber, Tanz, Gesellschaft, Kartenspiel,
Turnsport, Wein, und weiß ich was, bedeuten.
Meine Bücher – – – wie beliebt? Wieviel?

Was, zum Henker, kümmert mich die Zahl.
Bitte, doch mich auszureden lassen.
Jedenfalls: viel mehr, als mein Regal
Halb imstande ist zu fassen.

Unterhaltung? Ja, bei Gott, das geben
Sie mir reichlich. Morgens zwölfmal nur
Nüchtern zwanzig Brockhausbände heben – – –
Hei! das gibt den Muskeln die Latur.

Oh, ich mußte meine Bücherei,
Wenn ich je verreiste, stets vermissen.
Ob ein Stuhl zu hoch, zu niedrig sei,
Sechzig Bücher sind wie sechzig Kissen.

Ja natürlich auch vom künstlerischen
Standpunkt. Denn ich weiß die Rücken
So nach Gold und Lederton zu mischen,
Daß sie wie ein Bild die Stube schmücken.

Äußerlich? Mein Bester, Sie vergessen
Meine ungeheure Leidenschaft,
Pflanzen fürs Herbarium zu pressen.
Bücher lasten, Bücher haben Kraft.

Junger Freund, Sie sind recht unerfahren,
Und Sie fragen etwas reichlich frei.
Auch bei andern Menschen als Barbaren
Gehen schließlich Bücher mal entzwei.

Wie? – ich jemals auch in Büchern lese??
Oh, Sie unerhörter Ese – – –
Nein, pardon! – Doch positus, ich säße
Auf dem Lokus, und Sie harrten
Draußen meiner Rückkehr, ach dann nur
Ja nicht länger auf mich warten.
Denn der Lokus ist bei mir ein Garten,
Den man abseits ohne Zeit und Uhr
Düngt und erntet dann Literatur.

Bücher – Nein, ich bitte Sie inständig:
Nicht mehr fragen! Laß dich doch belehren!
Bücher, auch wenn sie nicht eigenhändig
Handsigniert sind, soll man hoch verehren.
Bücher werden, wenn man will, lebendig.
Über Bücher kann man ganz befehlen.
Und wer Bücher kauft, der kauft sich Seelen,
Und die Seelen können sich nicht wehren.