Literatur

Rainer Maria Rilke – Gedicht

Der Lesende Ich las schon lang. Seit dieser Nachmittag, mit Regen rauschend, an den Fenstern lag. Vom Winde draußen hörte ich nichts mehr: mein Buch war schwer. Ich sah ihm in die Blätter wie in Mienen, die dunkel werden von Nachdenklichkeit, und um mein Lesen staute sich die Zeit. – Auf einmal sind die Seiten […]

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Durchgelesen – „Die Kunst seine Schulden zu zahlen…“ v. Honoré de Balzac

„Die Kunst seine Schulden zu zahlen und seine Gläubiger zu befriedigen, ohne auch nur einen Sou selbst aus der Tasche zu nehmen“ ist ein wirklich kurioses und wichtiges Kabinettstück. Balzac spricht hier aus einer unerschöpflichen Erfahrung, denn die Kunst mit Geld umzugehen, war nicht wirklich seine grösste Stärke. Es wird „gelehrt in zehn Lektionen“ oder […]

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Friedrich Schiller – Gedicht

Hoffnung Es reden und träumen die Menschen viel Von bessern künftigen Tagen, Nach einem glücklichen goldenen Ziel Sieht man sie rennen und jagen; Die Welt wird alt und wird wieder jung, Doch der Mensch hofft immer Verbesserung. Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein, Sie umflattert den fröhlichen Knaben, Den Jüngling locket ihr Zauberschein, Sie […]

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Kurt Tucholsky – Gedicht

Die geschiedene Frau Ja … da wär nun also wieder einer …. das ist komisch! Vor fünf Jahren, da war meiner; dann war eine ganze Weile keiner …. Und jetzt geht ein Mann in meiner Wohnung um, findet manches, was ich sage, dumm; lobt und tadelt, spricht vom Daseinszwecke und macht auf das Tischtuch Kaffeflecke […]

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Durchgelesen – „Du liebst mich, du liebst mich nicht“ v. Jonathan Lethem

Jonathan Lethem gehört zu den wichtigsten amerikanischen Gegenwartsautoren und hat mit seinem Buch „Du liebst mich, du liebst mich nicht“, eine amerikanische Variante des Sommernachtstraums geliefert. Ein total verrücktes und groovendes Buch! Der erste Satz des Romans: „Sie trafen sich im Museum, um Schluss zu machen.“ Lucinda hat ihren Job in einem Coffee-Shop gekündigt und […]

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Christine Nöstlinger – Gedicht

„Auszählreime“ von Christine Nöstlinger Einer ist reich und einer ist arm, einer erfriert und einer hat’s warm. Einer stiehlt und einer kauft, einer schwimmt oben und einer ersauft. Einer springt und einer hinkt, einer fährt weg und einer winkt. Einer stinkt und einer duftet, einer ist faul und einer schuftet. Einer hat Hunger und einer […]

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Durchgeblättert – „Warum wir die Frauen lieben“ v. Mircea Cartarescu

Mircea Cartarescu, der bedeutendste rumänische Schriftsteller seiner Generation (geb. 1956 in Bukarest) schreibt in seinem Buch „Warum wir die Frauen lieben“ in Form von kleinen und vor allem sehr kurzweiligen Geschichten über Frauen, Freundinnen und Geliebten. Sie spielen in seinem literarischen Werk und vor allem in seinem Leben eine wichtige Rolle. Irgendwie ist das Buch […]

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Ulla Hahn – Gedicht

„Endlich“ von Ulla Hahn Endlich besoffen und ehrlich und immer noch’n Sonett Reisst mir den Himmel auf und legt mir die Welt ins Bett: Ich hab genug ich steh mir selbst bis oben und werd dies Leben nicht vor seinem Tode loben. Jaja ich weiss ihr habt mir keinen Grund für dieses Wut- und Wehgeschrei […]

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Robert Gernhardt – Gedicht

„Theke – Antitheke – Syntheke“ von Robert Gernhardt Beim ersten Glas sprach Husserl: „Nach diesem Glas ist Schlusserl.“ Ihm antwortete Hegel: „Zwei Glas sind hier die Regel.“ „Das kann nicht sein“, rief Wittgenstein, „Bei mir geht noch ein drittes rein.“ Worauf Herr Kant befand: „Ich seh ab vier erst Land.“ „Ach was“, sprach da Marcuse, […]

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Durchgelesen – „Die Frau in der hinteren Reihe“ v. Françoise Dorner

Ein wunderbares Buch über die besondere Kunst einer Frau, ihren Mann auf ganz aussergewöhnliche Art und Weise zu verführen. Nina und ihr Mann besitzen in Paris einen Zeitungskiosk und müssen deshalb täglich sehr früh aufstehen. Um drei vor fünf morgens klingelt der Wecker, damit auch noch in drei Minuten die ehelichen Pflichten absolviert werden können, […]

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Durchgeblättert – „Heimliche Gedichte“

„Ein Theaterstück ist der Mittelstreckenlauf, Prosa ist Marathon und Lyrik Hochsprung“, das sagte bereits Friedrich Dürrenmatt und das könnte auch die Maxime dieses wunderbaren Lyrikbandes sein. Heimliche Gedichte, so heisst eine Anthologie, die Gedichte von Romanciers uns entdecken lässt, die teilweise zum ersten Mal auf deutsch oder in Buchform erschienen sind. Diese literarischen Bijoux (immer […]

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William Shakespeare – Gedicht

„Sonette 146“ – von William Shakespeare Ach Seele, Mitte meiner sünd’gen Erde, umgeben rings von feindlicher Gewalt, was darbst im Innern du, erträgst Beschwerde und zierst doch deine äussere Gestalt? Was willst du bei so kurz bemessner Pacht auf dein zerfallend Haus so viel verschwenden? Soll denn der Wurm als Erbe dieser Pracht dein Gut […]

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Durchgelesen – „Die Überlebensbibliothek“ v. Rainer Moritz

Rainer Moritz – Leiter des Hamburger Literaturhauses und Vorstandsmitglied der Marcel Proust Gesellschaft – schreibt in seinem wunderbaren Werk, wie viele Romane die Macht haben, uns und unser Leben zu verändern. Romane sind unsere Freunde, unsere Seelentröster, zum Teil unsere Therapeuten. In verschieden kleinen Lebens-Kapiteln zeigt uns Rainer Moritz, die dazu passende Lektüre. Im Bereich […]

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