Kategorie: Deutschland

Durchgelesen – „Sommertöchter“ v. Lisa-Maria Seydlitz

Erinnerungen an eine im ersten Augenblick harmonisch wirkende Kindheit, obwohl bereits Einsamkeit und Verlust eine tragende Rolle spielen, und ein unerwarteter Familienzuwachs sind die Hauptelemente in diesem grandiosen Erstlingsroman. Lisa-Maria Seydlitz wurde 1985 in Mannheim geboren. Sie studierte an der Universität Hildesheim und an der Université de Provence Aix-Marseille. 2008 war sie Stipendiatin bei dem…

Karl Kraus – Gedicht

Der Reim Der Reim ist nur der Sprache Gunst, nicht nebenher noch eine Kunst. Geboren wird er, wo sein Platz, aus einem Satz mit einem Satz. Er ist kein eigenwillig Ding, das in der Form spazieren ging. Er ist ein Inhalt, ist kein Kleid, das heute eng und morgen weit. Er ist nicht Ornament der…

Durchgelesen – „Vatertag“ v. Günter Grass

Der Vatertag fällt immer auf einen richtigen Feiertag, dem sogenannten « Himmelfahrtstag », wobei der Vatertag ja auch ein Tag zum Feiern ist, jedoch nicht nur für echte Väter, sondern für Männer ganz allgemein. Es ist der Tag, an dem sich das männliche Geschlecht hemmungslos austoben kann. Der Bollerwagen wird entstaubt und das Bier kaltgestellt,…

Durchgelesen – „Letzter Akt“ v. Christoph Leuchter

Ein Toter, ein Kommissar, ein kleines Dorf in der Toskana, ein deutscher Professor, ein Pfarrer als Mechaniker und viele offene Fragen in Punkto Verrat und Schuld. All diese Figuren und Themen werden hier meisterhaft von Christoph Leuchter in seinem Erstlingsroman « Letzter Akt » ineinander ver- und gleichzeitig wieder entwoben. Christoph Leuchter (geb. 1968) hat…

Durchgelesen – „Das versteinerte Leben“ v. Nils Trede

Kennen Sie das intensive Gefühl von Stille und Einsamkeit, das lauter und bedrohlicher sein kann, als jeder unvorhergesehene Schrei? Es entsteht eine emotionale « Dunkelheit », die jede Hoffnung auf  ein « Leuchten » bzw. auf eine so erstrebenswerte und glückselige « Helligkeit » nehmen kann. Es gibt Bücher, die spielen in einer solch dunklen Atmosphäre. Und der Leser befürchtet,  noch…

Durchgeblättert – „Lady Earl Grey“ v. Hanns Zischler

Der Mensch ist eigentlich ein sehr tierliebes Wesen. Er bevorzugt Katzen und Hunde, doch manchmal wird er nicht ganz freiwillig von manch anderen tierischen Untermietern, wie Ameisen und Mäusen, konfrontiert. Dies löst in der Regel Entsetzen aus und der spontane Hilferuf nach einem Kammerjäger liegt sehr nahe. Ausser man begegnet so ganz – en passant…

Georg Heym – Gedicht

März Aus der Erde quollen Kräfte, Die in dunkler Enge schliefen, In den Wolken gingen Stürme, Graue Wogen in den Tiefen. Lange Tage fuhren Winde Regenschwer vom nahen Meere, Große Vögel kamen nächtlich Und verschwanden schnell ins Leere. Auf dem halbgeborstnen Eise Schoben sich die schweren Schollen, Oft wir schraken auf aus Träumen Von des…

Durchgelesen – „Sire, ich eile: Voltaire bei Friedrich II.“ v. Hans Joachim Schädlich

Spätestens seit dem 300. Geburtstag am 24. Januar 2012 ist der Preußenkönig Friedrich II. wieder in aller Munde. Und genau dieses Jubiläum könnte Hans Joachim Schädlich als Anlass genommen haben, auf die ganz besonders ungewöhnliche « Beziehung » zwischen Friedrich II. und Voltaire aufmerksam zu machen. Erwarten Sie jetzt kein neues Sachbuch über den Preußenkönig.…

Heinrich Heine – Gedicht

Winter Die Kälte kann wahrlich brennen Wie Feuer. Die Menschenkinder Im Schneegestöber rennen Und laufen immer geschwinder. Oh, bittre Winterhärte! Die Nasen sind erfroren, Und die Klavierkonzerte Zerreißen uns die Ohren. Weit besser ist es im Summer, Da kann ich im Walde spazieren, Allein mit meinem Kummer, Und Liebeslieder kandieren.

Durchgeblättert – „Alte Meister“ nach Thomas Bernhard v. Nicolas Mahler

Erinnern Sie sich noch an den Musikphilosophen Reger, an seinen Freund Atzbacher und an den Museumswärter Irrsigler ? Es handelt sich hier um die drei Hauptprotagonisten aus der bitterbösen Prosa-Komödie « Alte Meister » von Thomas Bernhard, die 1985 erstmals veröffentlicht wurde. Ein Werk, besser eine Kritikschrift, die sich mit den kulturellen « Schönheiten » unserer…

Christian Morgenstern – Gedicht

Die Brille Korf liest gerne schnell und viel; darum widert ihn das Spiel all des zwölfmal unerbetnen Ausgewalzten, Breitgetretnen. Meistens ist in sechs bis acht Wörtern völlig abgemacht, und in ebensoviel Sätzen läßt sich Bandwurmweisheit schwätzen. Es erfindet drum sein Geist etwas, was ihn dem entreißt: Brillen, deren Energieen ihm den Text – zusammenziehen! Beispielsweise…

Marie von Ebner-Eschenbach – Gedicht

Zigarette Gewidmet sei das erste der Sonette, In dem ich völlig mich der Form bemeistert, Der Zauberin, die mich dazu begeistert: Der duftenden Havannazigarette. Nicht mühsam ward zusammen es gekleistert. Es floss, ein Strom im selbstgegrabnen Bette, Indessen ich des Rauches Wolkenkette Gen Himmel blies, vor Wonne halb entgeistert. Mir zaubert, Feine, deines Dufts Narkose Des Traumes Blüte ins…

Hugo Ball – Gedicht

Der Literat Ich bin der große Gaukler Vauvert. In hundert Flammen lauf ich einher. Ich knie vor den Altären aus Sand, Violette Sterne trägt mein Gewand. Aus meinem Mund geht die Zeit hervor, Die Menschen umfaß ich mit Auge und Ohr. Ich bin aus dem Abgrund der falsche Prophet, Der hinter den Rädern der Sonne steht. Aus dem Meere, beschworen von dunkler Trompete,…

Theodor Fontane – Gedicht

Nur nicht loben Schreibt wer in Deutschland historische Stücke, So steht er auf der Schiller-Brücke. Macht er den Helden zugleich zum Damöte, So heißt es: Egmont, siehe Goethe. Schildert er Juden, ernst oder witzig, Ist es Schmock oder Veitel Itzig. Schildert er einige hübsche Damen, Heißt es: Dumas … Ehebruchsdramen. Jeder Einfall, statt ihn zu loben, Wird…

Durchgelesen – „Umgang mit Grössen“ v. Walter Kempowski

„Umgang mit Grössen“ von Walter Kempowski ist ein ganz besonderes Buch – eine Miniatur-Biographien-Galerie über Schriftsteller. Deshalb sollte man auch den ergänzenden Untertitel „Meine Lieblingsdichter – und andere“ nicht unerwähnt lassen. Walter Kempowski wurde am 29. April 1929 geboren und starb am 5. Oktober 2007 in Rotenburg an der Wümme. Er ist einer der bedeutendsten…

Annette v. Droste-Hülshoff – Gedicht

Der Frühling ist die schönste Zeit Der Frühling ist die schönste Zeit! Was kann wohl schöner sein? Da grünt und blüht es weit und breit Im goldnen Sonnenschein. Am Berghang schmilzt der letzte Schnee, Das Bächlein rauscht zu Tal, Es grünt die Saat,  es blinkt der See Im Frühlingssonnenstrahl. Die Lerchen singen überall, Die Amsel…

Max Kruse – Gedicht

Hundewelt Die ganze Welt riecht lasterhaft nach Hunden Katzen Schnecken nach Käse Wurst und Leidenschaft an Sträuchern Steinen Ecken Die ganze Welt ist ein Roman der aufgewühlten Seelen Ich hebe auch das Hinterbein um meinen zu erzählen Die ganze Welt ist ein Gericht der schnupperndsten Ekstase An jedem Baum steht ein Gedicht das les‘ ich…

Durchgelesen – „Madame Cottard und die Furcht vor dem Glück“ v. Rainer Moritz

Welch eine Freude die Pariser Buchhändlerin Nathalie Cottard und ihren Verehrer und Retter in der Not Robert Bernthaler wieder zu treffen. Bereits vor gut einem Jahr ist der erste Roman unter dem Titel „Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe“ um dieses charmante „Paar“ erschienen. Jeder Leser dieses ersten Werks hat am Ende gehofft und…

Durchgelesen – „Acht Wochen verrückt“ v. Eva Lohmann

Sind wir nicht alle ein wenig verrückt? Oder wissen wir nur nicht, ob wir verrückt sind? Denn was heisst eigentlich normal sein? Ist normal wirklich das Gegenteil von verrückt? Es gäbe noch Tausende von ähnlichen Fragen, die sich jeder sicherlich schon einmal in seinem Leben gestellt hat. Doch was passiert, wenn man spürt, dass wirklich…