Deutschland

Theodor Storm – Gedicht

Das ist der Herbst Das ist der Herbst; die Blätter fliegen, Durch nackte Zweige fährt der Wind; Es schwankt das Schiff, die Segel schwellen – Leb wohl, du reizend Schifferkind! — Sie schaute mit den klaren Augen Vom Bord des Schiffes unverwandt, Und Grüße einer fremden Sprache Schickte sie wieder und wieder ans Land. Am […]

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Hermann Hesse – Gedicht

Regen Lauer Regen, Sommerregen Rauscht von Büschen, rauscht von Bäumen. O wie gut und voller Segen, Einmal wieder satt zu träumen! War so lang im Hellen draussen, Ungewohnt ist mir dies Wogen: In der eignen Seele hausen, Nirgends fremdwärts hingezogen. Nichts begehr ich, nichts verlang ich, Summe leise Kindertöne, Und verwundert heim gelang ich In […]

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Durchgelesen – „Sommertöchter“ v. Lisa-Maria Seydlitz

Erinnerungen an eine im ersten Augenblick harmonisch wirkende Kindheit, obwohl bereits Einsamkeit und Verlust eine tragende Rolle spielen, und ein unerwarteter Familienzuwachs sind die Hauptelemente in diesem grandiosen Erstlingsroman. Lisa-Maria Seydlitz wurde 1985 in Mannheim geboren. Sie studierte an der Universität Hildesheim und an der Université de Provence Aix-Marseille. 2008 war sie Stipendiatin bei dem […]

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Karl Kraus – Gedicht

Der Reim Der Reim ist nur der Sprache Gunst, nicht nebenher noch eine Kunst. Geboren wird er, wo sein Platz, aus einem Satz mit einem Satz. Er ist kein eigenwillig Ding, das in der Form spazieren ging. Er ist ein Inhalt, ist kein Kleid, das heute eng und morgen weit. Er ist nicht Ornament der […]

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Durchgelesen – „Das versteinerte Leben“ v. Nils Trede

Kennen Sie das intensive Gefühl von Stille und Einsamkeit, das lauter und bedrohlicher sein kann, als jeder unvorhergesehene Schrei? Es entsteht eine emotionale « Dunkelheit », die jede Hoffnung auf  ein « Leuchten » bzw. auf eine so erstrebenswerte und glückselige « Helligkeit » nehmen kann. Es gibt Bücher, die spielen in einer solch dunklen Atmosphäre. Und der Leser befürchtet,  noch […]

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Georg Heym – Gedicht

März Aus der Erde quollen Kräfte, Die in dunkler Enge schliefen, In den Wolken gingen Stürme, Graue Wogen in den Tiefen. Lange Tage fuhren Winde Regenschwer vom nahen Meere, Große Vögel kamen nächtlich Und verschwanden schnell ins Leere. Auf dem halbgeborstnen Eise Schoben sich die schweren Schollen, Oft wir schraken auf aus Träumen Von des […]

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Heinrich Heine – Gedicht

Winter Die Kälte kann wahrlich brennen Wie Feuer. Die Menschenkinder Im Schneegestöber rennen Und laufen immer geschwinder. Oh, bittre Winterhärte! Die Nasen sind erfroren, Und die Klavierkonzerte Zerreißen uns die Ohren. Weit besser ist es im Summer, Da kann ich im Walde spazieren, Allein mit meinem Kummer, Und Liebeslieder kandieren.

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Durchgeblättert – „Alte Meister“ nach Thomas Bernhard v. Nicolas Mahler

Erinnern Sie sich noch an den Musikphilosophen Reger, an seinen Freund Atzbacher und an den Museumswärter Irrsigler ? Es handelt sich hier um die drei Hauptprotagonisten aus der bitterbösen Prosa-Komödie « Alte Meister » von Thomas Bernhard, die 1985 erstmals veröffentlicht wurde. Ein Werk, besser eine Kritikschrift, die sich mit den kulturellen « Schönheiten » unserer […]

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Christian Morgenstern – Gedicht

Die Brille Korf liest gerne schnell und viel; darum widert ihn das Spiel all des zwölfmal unerbetnen Ausgewalzten, Breitgetretnen. Meistens ist in sechs bis acht Wörtern völlig abgemacht, und in ebensoviel Sätzen läßt sich Bandwurmweisheit schwätzen. Es erfindet drum sein Geist etwas, was ihn dem entreißt: Brillen, deren Energieen ihm den Text – zusammenziehen! Beispielsweise […]

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Marie von Ebner-Eschenbach – Gedicht

Zigarette Gewidmet sei das erste der Sonette, In dem ich völlig mich der Form bemeistert, Der Zauberin, die mich dazu begeistert: Der duftenden Havannazigarette. Nicht mühsam ward zusammen es gekleistert. Es floss, ein Strom im selbstgegrabnen Bette, Indessen ich des Rauches Wolkenkette Gen Himmel blies, vor Wonne halb entgeistert. Mir zaubert, Feine, deines Dufts Narkose Des Traumes Blüte ins […]

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Hugo Ball – Gedicht

Der Literat Ich bin der große Gaukler Vauvert. In hundert Flammen lauf ich einher. Ich knie vor den Altären aus Sand, Violette Sterne trägt mein Gewand. Aus meinem Mund geht die Zeit hervor, Die Menschen umfaß ich mit Auge und Ohr. Ich bin aus dem Abgrund der falsche Prophet, Der hinter den Rädern der Sonne steht. Aus dem Meere, beschworen von dunkler Trompete, […]

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Theodor Fontane – Gedicht

Nur nicht loben Schreibt wer in Deutschland historische Stücke, So steht er auf der Schiller-Brücke. Macht er den Helden zugleich zum Damöte, So heißt es: Egmont, siehe Goethe. Schildert er Juden, ernst oder witzig, Ist es Schmock oder Veitel Itzig. Schildert er einige hübsche Damen, Heißt es: Dumas … Ehebruchsdramen. Jeder Einfall, statt ihn zu loben, Wird […]

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