Gedicht

Robert Gernhardt – Gedicht

Verliebter Dichter Freude in der Strasse: Dichter ist verliebt! Ja, wenn das nicht einen Haufen schöne Gedichte ergibt! Jubel in der Strasse: Frau hat ihn verschmäht! Na, wenn da nicht mehr als eine Elegie entsteht! Zweifel in der Strasse: Frau hat ihm gewinkt! Tja, ob das wohl etwas für die Dichtung bringt? Kummer in der […]

Mehr

Rainer Maria Rilke – Gedicht

Der Lesende Ich las schon lang. Seit dieser Nachmittag, mit Regen rauschend, an den Fenstern lag. Vom Winde draußen hörte ich nichts mehr: mein Buch war schwer. Ich sah ihm in die Blätter wie in Mienen, die dunkel werden von Nachdenklichkeit, und um mein Lesen staute sich die Zeit. – Auf einmal sind die Seiten […]

Mehr

Friedrich Schiller – Gedicht

Hoffnung Es reden und träumen die Menschen viel Von bessern künftigen Tagen, Nach einem glücklichen goldenen Ziel Sieht man sie rennen und jagen; Die Welt wird alt und wird wieder jung, Doch der Mensch hofft immer Verbesserung. Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein, Sie umflattert den fröhlichen Knaben, Den Jüngling locket ihr Zauberschein, Sie […]

Mehr

Kurt Tucholsky – Gedicht

Die geschiedene Frau Ja … da wär nun also wieder einer …. das ist komisch! Vor fünf Jahren, da war meiner; dann war eine ganze Weile keiner …. Und jetzt geht ein Mann in meiner Wohnung um, findet manches, was ich sage, dumm; lobt und tadelt, spricht vom Daseinszwecke und macht auf das Tischtuch Kaffeflecke […]

Mehr

Christine Nöstlinger – Gedicht

„Auszählreime“ von Christine Nöstlinger Einer ist reich und einer ist arm, einer erfriert und einer hat’s warm. Einer stiehlt und einer kauft, einer schwimmt oben und einer ersauft. Einer springt und einer hinkt, einer fährt weg und einer winkt. Einer stinkt und einer duftet, einer ist faul und einer schuftet. Einer hat Hunger und einer […]

Mehr

Ulla Hahn – Gedicht

„Endlich“ von Ulla Hahn Endlich besoffen und ehrlich und immer noch’n Sonett Reisst mir den Himmel auf und legt mir die Welt ins Bett: Ich hab genug ich steh mir selbst bis oben und werd dies Leben nicht vor seinem Tode loben. Jaja ich weiss ihr habt mir keinen Grund für dieses Wut- und Wehgeschrei […]

Mehr

Robert Gernhardt – Gedicht

„Theke – Antitheke – Syntheke“ von Robert Gernhardt Beim ersten Glas sprach Husserl: „Nach diesem Glas ist Schlusserl.“ Ihm antwortete Hegel: „Zwei Glas sind hier die Regel.“ „Das kann nicht sein“, rief Wittgenstein, „Bei mir geht noch ein drittes rein.“ Worauf Herr Kant befand: „Ich seh ab vier erst Land.“ „Ach was“, sprach da Marcuse, […]

Mehr

Durchgeblättert – „Heimliche Gedichte“

„Ein Theaterstück ist der Mittelstreckenlauf, Prosa ist Marathon und Lyrik Hochsprung“, das sagte bereits Friedrich Dürrenmatt und das könnte auch die Maxime dieses wunderbaren Lyrikbandes sein. Heimliche Gedichte, so heisst eine Anthologie, die Gedichte von Romanciers uns entdecken lässt, die teilweise zum ersten Mal auf deutsch oder in Buchform erschienen sind. Diese literarischen Bijoux (immer […]

Mehr

William Shakespeare – Gedicht

„Sonette 146“ – von William Shakespeare Ach Seele, Mitte meiner sünd’gen Erde, umgeben rings von feindlicher Gewalt, was darbst im Innern du, erträgst Beschwerde und zierst doch deine äussere Gestalt? Was willst du bei so kurz bemessner Pacht auf dein zerfallend Haus so viel verschwenden? Soll denn der Wurm als Erbe dieser Pracht dein Gut […]

Mehr

Robert Gernhardt – Gedicht

„Leiden und Leben und Lesen und Schreiben“ von Robert Gernhardt Ich will alles sagen dürfen, Wort aus jeder Wunde schürfen: Scheiss der Hund drauf, das Gelingen lässt sich einfach nicht besingen. Wer will vom Gelingen lesen? Höchstens reichlich flache Wesen. Lieber sprech ich doch zu jenen, die sich nach was Tiefem sehnen. Die, wenn die […]

Mehr

Kurt Tucholsky – Gedicht

Ostern Da ist nun unser Osterhase-! Er stellt das Schwänzchen in die Höh und schnuppert hastig mit der Nase und tanzt sich einen Pah de döh! Dann geht er wichtig in die Hecken und tut, was sonst nur Hennen tun. Er möchte sein Produkt verstecken. um sich dann etwas auszuruhn. Das gute Tier-! Ein dicker […]

Mehr

Hermann Hesse – Gedicht

„Märzsonne“ von Hermann Hesse Trunken von früher Glut Taumelt ein gelber Falter. Sitzend am Fenster ruht Schläfrig gebückt ein Alter. Singend durch Frühlingslaub Ist er einst ausgezogen. So vieler Strassen Staub Hat sein Haar überflogen. Zwar der blühende Baum Und die Falter die gelben Scheinen gealtert kaum, Scheinen heut noch dieselben. Doch es sind Farbe […]

Mehr

Friedrich Hebbel – Gedicht

Vorfrühling Wie die Knospe hütend, Dass sie nicht Blume werde, Liegt’s so dumpf und brütend Über der drängenden Erde. Wolkenmassen ballten Sich der Sonne entgegen, Doch durch tausend Spalten Dringt der befruchtende Segen. Glühnde Düfte ringeln In die Höhe sich munter. Flüchtig grüssend, züngeln Streifende Lichter herunter. Dass nun, still erfrischend, Eins zum andern sich […]

Mehr