Gedicht

Theodor Fontane – Gedicht

Nur nicht loben Schreibt wer in Deutschland historische Stücke, So steht er auf der Schiller-Brücke. Macht er den Helden zugleich zum Damöte, So heißt es: Egmont, siehe Goethe. Schildert er Juden, ernst oder witzig, Ist es Schmock oder Veitel Itzig. Schildert er einige hübsche Damen, Heißt es: Dumas … Ehebruchsdramen. Jeder Einfall, statt ihn zu loben, Wird […]

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Alfred de Musset – Gedicht

Was Poesie ist? Erinnrung scheuchen, doch ergreifen den Gedanken, Ihn sanft um goldene Axe brechen ohne Wanken, Unruhig, ungewiss, zugleich doch unbeweglich; Verewigen einen Traum von wenigen Minuten, Aufsuchen zwischen Gut und Schön die Harmonie, Uns aus dem Herzen sich erhorchen sein Genie; Hell singen, lachen, weinen, ziellos, leicht erreglich; Aus bloßem Lächeln, Seufzern, Worten, Blickesgluten Ein […]

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Max Kruse – Gedicht

Hundewelt Die ganze Welt riecht lasterhaft nach Hunden Katzen Schnecken nach Käse Wurst und Leidenschaft an Sträuchern Steinen Ecken Die ganze Welt ist ein Roman der aufgewühlten Seelen Ich hebe auch das Hinterbein um meinen zu erzählen Die ganze Welt ist ein Gericht der schnupperndsten Ekstase An jedem Baum steht ein Gedicht das les‘ ich […]

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Arthur Rimbaud – Gedicht

Der März Sonne lag krank im Bett. Sitzt nun am Ofen. Liest, was gewesen ist. Liest Katastrophen. Springflut und Havarie, Sturm und Lawinen, – gibt es denn niemals Ruh drunten bei ihnen. Schaut den Kalender an. Steht drauf: “ Es werde!“ Greift nach dem Opernglas. Blickt auf die Erde. Schnee vom vergangenen Jahr blieb nicht […]

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Peter Rühmkorf – Gedicht

Drei Variationen über das Zeitgedicht Das Zeitgedicht, das Zeitgedicht, ist schon ein Tutmirleidgedicht, mit Kunst geschliffen und gefeilt, entgeht ihm, wie die Zeit enteilt, ojeh! Das Zeitgedicht, das Zeitgedicht, so schnell wie Zeitung kann es nicht, weil wo es sich mit Sinn verfaßt, ist prompt der Drucktermin verpaßt, oweh! Das Zeitgedicht, das Zeitgedicht, hat nur […]

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Thomas Bernhard – Gedicht

Mein Weltenstück Vieltausendmal derselbe Blick Durchs Fenster in mein Weltenstück. Ein Apfelbaum im blassen Grün, Und drüber tausendfaches Blühn, So an den Himmel angelehnt, Ein Wolkenband, weit ausgedehnt … Der Kinder Nachmittagsgeschrei, Als ob die Welt nur Kindheit sei; Ein Wagen fährt, ein Alter steht Und wartet bis sein Tag vergeht. Leicht aus dem Schornstein […]

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Robert Walser – Gedicht

Der Schnee Der Schnee fällt nicht hinauf sondern nimmt seinen Lauf hinab und bleibt hier liegen, noch nie ist er gestiegen. Er ist in jeder Weise in seinem Wesen leise, von Lautheit nicht die kleinste Spur. Glichest doch du ihm nur. Das Ruhen und das Warten sind seiner üb’raus zarten Eigenheit eigen, er lebt im […]

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Henrik Ibsen – Gedicht

Baupläne Ich weiß noch wie heut, ob auch Jahr um Jahr schwand, Den Abend, da mein Erstling im Blatt gedruckt stand. Da saß ich auf meiner Kammer, den Knaster in Glut, Und paffte und träumte in seligem Hoffemut. »Ein Wolkenschloß bau‘ ich, voll Sonnenschein, Ein Schloß mit zwei Flügeln, von Himmelssturm umweht; In dem großen, da hause […]

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Joachim Ringelnatz – Gedicht

Silvester Daß bald das neue Jahr beginnt, Spür ich nicht im geringsten. Ich merke nur: Die Zeit verrinnt Genauso wie zu Pfingsten, Genau wie jährlich tausendmal. Doch Volk will Griff und Daten. Ich höre Rührung, Suff, Skandal, Ich speise Hasenbraten. Mit Cumberland, und vis-à-vis Sitzt von den Krankenschwestern Die sinnlichste. Ich kenne sie Gut, wenn […]

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Durchgelesen – „Merry Fishmas“ v. Arezu Weitholz

Haben Sie schon Ihr Weihnachtsmenü zusammengestellt? Falls nicht, sollten Sie auf keinen Fall den Fischgang vergessen! Nachdem Arezu Weitholz uns bereits mit ihrem ersten Band „Mein lieber Fisch“ das Leben und Leiden von Fischen auf witzige Weise erklärt hat, erscheint nun passend zum Weihnachtsfest ein zweiter Gedichtband mit 44 Fischgedichten. Doch die Gedichte sind nicht nur […]

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Erich Kästner – Gedicht

Wintersport Wohin man sieht, sieht man Hotels. Und ringsherum liegt Schnee. Die Tannen tragen weissen Pelz, Die Damen Seal und Feh. Die Leute fahren Bob und Ski am Hange hinterm Haus. Ja, und von weitem sehen sie wie Sommersprossen aus. Das Publikum ist möglichst laut. Was tut das der Natur? sie wurde nicht für es […]

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Christian Morgenstern – Gedicht

Der Werwolf Ein Werwolf eines Nachts entwich von Weib und Kind, und sich begab an eines Dorfschullehrers Grab und bat ihn: Bitte, beuge mich! Der Dorfschulmeister stieg hinauf auf seines Blechschilds Messingknauf und sprach zum Wolf, der seine Pfoten geduldig kreuzte vor dem Toten: „Der Werwolf“, – sprach der gute Mann, „des Weswolfs“- Genitiv sodann, […]

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H.C. Artmann – Gedicht

Wenn die herbstesnebel …. Wenn die herbstesnebel wallen wie ein kleid aus fahler seide, bäckt die hamstrin ihr getreide, humphrey hamster zum gefallen. oh, auch hamster lieben kipfel, trinken tee aus zarten schalen, rechnen kopf mit hohen zahlen, schütteln ihre Mützenzipfel. sparsamkeit, du hehre tugend, bist dem hausmann goldner orden, so im süden, so im […]

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Joachim Ringelnatz – Gedicht

Der Bücherfreund Ob ich Biblio- was bin? Phile? »Freund von Büchern« meinen Sie? Na, und ob ich das bin! Ha! und wie! Mir sind Bücher, was den andern Leuten Weiber, Tanz, Gesellschaft, Kartenspiel, Turnsport, Wein, und weiß ich was, bedeuten. Meine Bücher – – – wie beliebt? Wieviel? Was, zum Henker, kümmert mich die Zahl. […]

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Rose Ausländer – Gedicht

Herbstlicher Ausschnitt Eine schräge Strahlengarbe schoss vom Himmel wie ein Pfeil, zeichnete mit goldner Farbe auf die Erde neues Heil, sprang im Jubel auf die Dächer, dass sie wogten wie ein See, schwang liebkosend einen Fächer über Dunkelheit und Weh. Sieh, der Himmel scheint gespalten: Dort ein düstrer Wolkenstrom geisterhafter Nachtgestalten; hier: ein stolzer Sonnendom. […]

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Karl Henckell – Gedicht

Seinestimmung in Paris Es schwanken im Flusse die roten Lichter von kreuzenden Booten, Die zitternde Spiralen In tiefschwarze Wasser malen, Mit glimmenden Spuren die Ufer verbinden, Von Brücke zu Brücke hinhuschen und schwinden. Durch hundert Brücken und Bogen Geheimnisschauernd geflogen, Wo die Laute rauschend verschwimmen Und von wirrphantastischen Stimmen Hohldunkle Wölbungen wiederhallen Wie von Opfern, […]

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Joachim Ringelnatz – Gedicht

Morgenwonne Ich bin so knallvergnügt erwacht. Ich klatsche meine Hüften. Das Wasser lockt. Die Seife lacht. Es dürstet mich nach Lüften. Ein schmuckes Laken macht einen Knicks Und gratuliert mir zum Baden. Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs Betiteln mich „Euer Gnaden“. Aus meiner tiefsten Seele zieht Mit Nasenflügelbeben Ein ungeheurer Appetit Nach Frühstück und […]

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Clemens Brentano – Gedicht

„Du verstecktes“ Du verstecktes Zugedecktes Eingeschnecktes Ausgehecktes Schwarzgelocktes Leichtgesocktes Heiß geminntes Weis gesinntes Leis, geschwindes Spiel des Windes Sehend blindes Fein geschnürtes Bein geziertes Heiß ersehntes Leis versöhntes Gold verwöhntes Hold verschöntes Huld gekröntes Viel geprüftes Nur verbrieftes Und vertieftes Nie verschieftes All geliebtes Mir betrübtes Und geübtes Viel gereistes Mehl gespeistes Seel umkreistes Nie […]

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Bertolt Brecht – Gedicht

Der Pflaumenbaum Im Hofe steht ein Pflaumenbaum, Der ist so klein, man glaubt es kaum. Er hat ein Gitter drum, So tritt ihn keiner um. Der Kleine kann nicht größer wer’n, Ja – größer wer’n, das möcht‘ er gern! ’s ist keine Red davon: Er hat zu wenig Sonn‘. Dem Pflaumenbaum, man glaubt ihm kaum, […]

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Durchgelesen – „Mein lieber Fisch“ v. Arezu Weitholz

Sie lieben Fisch, gehen gerne zum Angeln? Nein?! Aber Sie lieben dafür Gedichte, dann ist dieser entzückende Lyrikband mit vierundvierzig Fischgedichten der richtige „Fang“ für Sie! Arezu Weitholz, die Autorin und gleichzeitig noch Illustratorin dieses wunderbaren Büchleins lebt in Berlin. Sie machte eine Ausbildung bei einer Bank und legte eine Zeit lang in Südafrika Platten […]

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