Autor: durchleser

Blog über Bücher, Kultur und Leben

Durchgeblättert – „Wie wir mit Büchern wohnen“

Dominique Dupuich, eine französische Jounalistin und der französische Fotograf Roland Beaufre haben ein inspirierendes Buch über faszinierende Privatbibliotheken geschrieben. Es ist gerade gleichzeitig auf Französisch und glücklicherweise auch auf Deutsch im Christian Brandstätter Verlag erschienen.

Es werden acht Gruppen verschiedenster Bibliothekbesitzer gebildet, zum Beispiel „Wie der Sammler mit Büchern wohnt“, „Wie der Schriftsteller mit Büchern wohnt“ oder „Wie der Designer mit Büchern wohnt“. Ein Panoptikum von Bibliotheken, Bücherregalen und alles, was sich noch dazwischen wiederfindet. Die Texte dazu sind sehr ansprechend, vor allem wird zu jeder Gruppe ein „Buchliebhaber“ direkt in den „Fokus“ genommen, und beantwortet dabei einen sehr interessanten Fragenkatalog: „Woher stammt Ihre Bibliothek? Wie haben Sie Ihre Bücher geordnet? Sind Sie mit Ihrer Bibliothek zufrieden? Wo und wie lesen Sie gerne? Ist Ihnen Ihre Bibliothek ähnlich?“ usw. Es ist eine wahre Freude, diese Antworten zu lesen. Obwohl man die Menschen persönlich überhaupt nicht kennt, werden Sie einem dadurch sehr vertraut. Und als Bibliotheksbesitzer fängt man auch ganz nebenbei damit an, die Fragen für sich selbst zu beantworten.

Ein sehr schönes und ansprechendes Buch, allein schon durch die vielen exzellenten Fotos. Das ist nicht einfach wieder ein neues „Coffee Table Book“, nein, das ist mehr. Als Leser würde man am Liebsten diese Menschen sofort besuchen, um ihre Bibliothek zu besichtigen und die Atmosphäre direkt einzuatmen.

Durchgelesen – „Die Geliebte des Gelatiere“ v. Daniel Zahno

Eine Liebesroman passend zum Frühling! Doch beim Lesen spürt man bereits den Sommer und träumt von Sonne, Eis und Venedig.

Und dies ist die Geschichte von Alvise, der in Venedig aufwächst und aus einfacheren Verhältnissen stammt. Mit Noemi, einer neuen Schulkameradin, deren Vater Amerikaner und deren Mutter Römerin war, freundet er sich an.Und das Schönste ist ihre gemeinsame Begeisterung für  Vanilleeis. Er wird krank und nach 10 Tagen, als er wieder in die Schule kam, ist Noemi weg, wieder zurück nach Amerika. Gleich welches Mädchen er dann auch kennenlernt, er muss immer an Naomi denken. Während der Schule verdient er sich ein Taschengeld in einer Gelateria. Er ist so fasziniert  von Eis, und ganz besonders liebt er naürlich immer noch Vanilleeis, das in mmer wieder an Noemi erinnert. Nach seinem Schulabschluss studiert er Italienisch und Englisch. Sein Vater war sehr stolz über seinen Studienabschluss, jedoch findet er nur sehr schwer ein Stelle und landet schiesslich in einem Archiv. Und genau in diesem beschaulichen Archiv lernt er einen Mann kennen, der sich für die Geschichte des Gelato interessiert und dessen Onkel eine Eisdiele hat, für die er einen Nachfolger sucht. Sie kommen ins Gespräch, und Alvises Erinnerungen an den Duft von Vanilleeis werden wieder neu geweckt. Er riecht die Aromen, stellt sich die Eistürme vor und träumt weiter. Doch der Traum wird zur Realität und er übernimmt die Gelateria. Er wird ein sehr erfolgreicher Gelatiere. Leider ist Alvise trotzdem nicht glücklich und versucht nach einer schwere Krise, seine grosse erste Liebe Noemi wieder zu finden…

Doch mehr werde ich hier nicht verraten. Die Liebesgeschichte  ist voller Sommer, Leichtigkeit und venizianischer Atmosphäre. Man kann förmlich das Vanilleeis riechen und schmecken. Der Leser fühlt sich beschwingt durch die schöne einfühlsame, luftige,  Sprache. Ein Buch für Menschen, die gerne ihren Sehnsüchten nachhängen und auf der Suche nach dem richtigen Leben sind. Ein magisches und faszinierendes Buch!

Durchgelesen – „Die Entbehrlichen“ v. Ninni Holmqvist

Zum Glück ist dieser Roman, wirklich ein Roman, eine Fiktion und glücklicherweise nur eine Vision.

„Die Entbehrlichen“ sind Menschen, die nicht produktiv bis zum ihrem 50. Geburtstag waren. Produktiv bedeutet, keine Geburt eines Kindes vorzuweisen, oder keinen Menschen vorzuweisen, der Einen wirklich liebt. Und für diese „Entbehrlichen“ gibt es dann nur eine Lösung, die Einweisung in ein spezielles Sanatorium. Dies gleicht einem Luxusressort, nur mit dem feinen Unterschied, dass die Bewohner sich hier für psychologische Tests und für Organentnahme zur Verfügung stellen müssen. Es geht soweit, dass die Gäste nur bis zur letzten, sogenannten Endspende für die „Benötigten“ in diesem „Sanatorium“ bleiben können, denn diese führt definitiv zum Tod.

Und Dorrit Wegner gehört leider zu der Gruppe der „Entbehrlichen“, denn sie hat keine Kinder und sie liest. Somit muss sie sich  in diese „Einheit“ einweisen. Sie findet es am Anfang sogar sehr angenehm und konfortabel. Sie spaziert in einem künstlichen angelegten Park, sie besucht eine Kunstgalerie, sie geht in die Bibliothek:

Ja, es gibt ziemlich viele Intellektuelle hier, Leute, die Bücher lesen. Aha, sagte ich. Leute, die Bücher lesen, fuhr er fort, tendieren dazu, entbehrlich zu werden. In hohem Masse. Ach so, sage ich. Ja, sagte er.“

Eigentlich ist sie sehr freiheitsliebend, doch sie fühlt sich erstaunlich wohl und passt sich diesem neuen Leben an. Doch dann lernt sie ihren Mitbewohner Johannes kennen, und alles ist auf einmal ganz anders, denn er ist ihre erste grosse Liebe….

Dieser Roman ist sehr spannend, beklemmend, angsteinflössend, realitätsfremd und trotzdem kein Krimi. Es geht um die Wertigkeit des Menschen, um die Sinnfrage. Ein brisantes Thema, verpackt in einer glasklaren und sehr einnehmenden Sprache. Ein grandioses Buch!

Durchgelesen – „Die letzte Liebe des Monsieur Armand“ v. Françoise Dorner

Ein wunderbares Buch über Einsamkeit, Glück, Liebe und Freundschaft!

Monsieur Armand, ein distinguierter älterer Herr (70), hat vor drei Jahren seine Frau verloren und fühlt sich seitdem sehr einsam, obwohl sein Sohn ihn regelmässig anruft. Er bezeichnet sich als der „Übriggebliebene“. Doch bei einer Busfahrt macht er per Zufall die Bekanntschaft eines jungen Mädchens. Sie hilft ihm, da er bei nahe gestürzt wäre, reicht ihm seinen Stock wieder und sie steigen auch noch beide gleichzeitig an der selben Bushaltestelle aus.

Dieses junge Mädchen namens Pauline (20), die sich auch sehr einsam und unzufrieden fühlt in ihrer neuen Stelle als Verkäuferin in einem Dekorationsgeschäft, beflügelt den einsamen Philosophen und pensionierten Studienrat Monsieur Armand. Ihre jugendliche Frische und Unbekümmertheit gibt ihm wieder neue Lebensschwung. Es beginnt eine wunderbare Freundschaft, die beide trotz des grossen Altersunterschied geniessen.

Auf sehr feinfühlige, doch gleichzeitig auch scharfsinnige Weise beschreibt und beobachtet Françoise Dorner diese aussergewöhnliche Begegnung. Der Leser wird gleichzeitig aufgewühlt, amüsiert und beglückt.

Hermann Hesse – Gedicht

„Märzsonne“ von Hermann Hesse

Trunken von früher Glut
Taumelt ein gelber Falter.
Sitzend am Fenster ruht
Schläfrig gebückt ein Alter.

Singend durch Frühlingslaub
Ist er einst ausgezogen.
So vieler Strassen Staub
Hat sein Haar überflogen.

Zwar der blühende Baum
Und die Falter die gelben
Scheinen gealtert kaum,
Scheinen heut noch dieselben.

Doch es sind Farbe und Duft
Dünner geworden und leerer,
Kühler das Licht und die Luft
Strenger zu atmen und schwerer.

Frühling summt bienenleis
Seine Gesänge, die holden,
Himmel schwingt blau und weiss,
Falter entflattert golden.

Durchgelesen – „Mord auf ffolkes Manor“, „Ein stilvoller Mord“ u. „Und dann gab’s keinen mehr“ v. Gilbert Adair

Eine echte Entdeckung sind die drei aufeinander folgenden Bände „Mord auf ffolkes Manor“, „Ein stilvoller Mord“ in Elstree“ und „Und dann gab’s keinen mehr“ von Gilbert Adair. Er bezeichnet jeden Einzelnen selbst als „eine Art Kriminalroman“.

Der erste Fall „Mord auf ffolkes Manor“ spielt an Weihnachten 1935. Bei einem Abendessen im Hause des Colonel Roger ffolkes treffen sich nicht nur Freunde, sondern es gibt auch eine Leiche im Dachzimmer, das von innen verschlossen war. Ein mysteriöser Fall, doch glücklicher Weise ist unter den Gästen die berühmte Krimiautorin Evadne Mount. Die ganze Angelegenheit könnte man auch in einem ihrer Krimis lesen, und somit ist sie gefragt.

Der zweite Fall „Ein stilvoller Mord in Elstree“ spielt gut 10 Jahre später, 1946. Hier ist Evadne Mount gefordert. Denn ihre beste Freundin, die Schauspielerin Cora Rutherford, wird vor laufender Kamera, während eines Filmdrehs vergiftet. Ein sehr verzwickter Fall, der bis zum Schluss sehr rätselhaft und fast unlösbar bleibt.

Und der dritte und letzte Fall „Und dann gab’s keinen mehr“ spielt im Jahr 2011. Der gefeierte Schriftsteller und Störenfried Gustav Slavorigin wird auf dem Gelände des Sherlock-Holmes-Festival in Meiringen (Schweiz) ermordet aufgefunden. Da auf Slavorigin auch noch ein Kopfgeld von 100 Millionen Dollar ausgesetzt war, erscheinen alle Anwesenden des Festivals verdächtig zu sein. Ja und Evadne Mount versucht alles um diesen Fall zu lösen, aber es kommt ihr ein absolut unerwarteter Partner zu Hilfe, der dem Fall zu einer äusserst überraschenden Wendung verhilft. Der letzte Band und auch sein Titel sind ein klarer Hinweis, dass Gilbert Adair keinen Krimi mehr schreibt. Zumindest bis jetzt. Selten kann man so intellektuelle, kurzweilige, verrückte und sprachlich äusserst anspruchsvolle Krimis lesen. Sie sind eine Art Krimi im Stile von Agatha Christie. Das Ganze ist eine sehr spannende, aber amüsante Hommage an die Zeit der englischen Kriminalromane. Die Handlungen sind so konstruiert, dass sie fast schon wieder perfekt sind und die Sprache ist wirklich ein grosses Vergnügen.

Durchgelesen – „Die Demütigung“ v. Philip Roth

Was für ein Buch!

Angst, Versagen, Macht, Leidenschaft, Erotik, Sex, Liebe, Tod und das alles auf nur 138 Seiten!

Philip Roth zeigt sich wieder mal von seiner besten Seite, das Buch ist ein echtes Meisterwerk.

Es geht um Simon Axler, den besten Theaterschauspieler seiner Generation, der mit Mitte sechzig sein ganzes Selbstvertrauen und seine Ausstrahlung verloren hat. Er hat die wichtigsten Rollen gespielt, doch alles ist weg, die Bühne ist für ihn nur noch ein persönliches „Drama“. Er erleidet einen Nervenzusammenbruch, er geht für mehrere Wochen in die Psychiatrie, da er versucht hat sich das Leben zu nehmen. Seine Frau hat ihn daraufhin verlassen und auch nach seiner Klinikentlassung möchte er, bzw. kann er kein Comeback mehr wagen. Alles schwindet dahin und es fühlt sich für ihn an wie eine Selbstauflösung. Und genau diese Entwicklung versucht Axler aufzuhalten mit der Beziehung zu der lesbischen Pegeen, die die Tochter eines Jugendfreundes ist. Es sieht zu erst aus, als wäre Sie für ihn ein wahrer Glücksfall. Er verwöhnt sie, er durchlebt unglaublich leidenschaftliche Sexorgien, obwohl er durch seinen Rückenschmerzen stark beeinträchtigt ist. Er fühlt sich jung und lebendig. Die Verbindung ist wie eine Art Befreiung, wie ein Neuanfang, doch Axlers Leben wendet sich zum Schluss zu einem echten Drama.

Roth beschreibt sehr intensiv die Tiefen der menschlichen Seele und mit HIlfe brillanter innerer Monologe entblöst er die emotionalen Sehnsüchte und das totale Elend.

Durchgeblättert – 1001 Bücher v. Peter Boxall

DIE SIE LESEN SOLLTEN, BEVOR DAS LEBEN VORBEI IST

Das ist das richtige Buch für alle, die nicht wissen, welche Bücher sie in ihrer Bibliothek aufnehmen wollen, für alle, die sich nicht sicher sind, ob ihre Bibliothek auch die richtigen Bücher beheimatet und für alle, die nur ein Buch besitzen wollen und trotzdem 1001 Bücher gelesen haben.

Friedrich Hebbel – Gedicht

Vorfrühling

Wie die Knospe hütend,
Dass sie nicht Blume werde,
Liegt’s so dumpf und brütend
Über der drängenden Erde.

Wolkenmassen ballten
Sich der Sonne entgegen,
Doch durch tausend Spalten
Dringt der befruchtende Segen.

Glühnde Düfte ringeln
In die Höhe sich munter.
Flüchtig grüssend, züngeln
Streifende Lichter herunter.

Dass nun, still erfrischend,
Eins zum andern sich finde,
Rühren, alles mischend,
Sich lebendige Winde.

Durchgelesen – „Bumerang“ v. Tatiana de Rosnay

Was für eine ungewöhnliche Familiengeschichte!

Der Roman spielt in Frankreich. Es geht um zwei Menschen, nein eigentlich geht es um noch viel mehr Menschen, aber Mélanie und Antoine, beide Geschwister, sind hier die Hauptprotagonisten.

Antoine Anfang 40 verbringt mit seiner Schester zu ihrem 40. Geburtstag, ein Wochenende auf der Insel Noirmoutier, wo sie seit ihrer Kindheit und dem Tod der Mutter vor dreissig Jahren nicht mehr waren. Auf der Rückfahrt nach Paris will Mélanie ihrem Bruder etwas sehr Wichtiges erzählen. Doch dabei verliert sie die Kontrolle über das Fahrzeug und es kommt zu einem sehr schweren Unfall. Antoine bleibt praktisch unverletzt, doch Melanie schwer verletzt, ringt mit dem Tod, wird aber gerettet und muss einige Zeit im Krankenhaus in der Nähe von Nantes bleiben. Ja und dann beginnt die eigentliche Geschichte. Antoine muss herausfinden, was Mélanie so bewegt hat und er entdeckt ein Familiengeheimnis.

Doch parallel dazu passiert soviel im Leben von Antoine. Er kommt mit der Trennung seiner Frau nicht klar. Hat grosse Probleme mit seinen Kindern: Es stirbt die beste Freundin seiner Tochter, dann muss er seinen ältesten Sohn von der Polizei abholen. Er hat Probleme im Job als angestellter Architekt. Und dann gibt es noch die schweigsame und schwierige Beziehung zu seinem Vater und zu dessen Mutter und seiner Schwester.

Glücklicherweise lernt er in dem Krankenhaus, in dem Mélanie eingeliefert wurde, eine interessante Frau kennen. Sie fasziniert ihn von der ersten Sekunde und gleichzeitig schockiert ihn ihr Beruf. Sie ist Leichenkosmetikerin. Doch ihre Art mit Toten umzugehen, gibt ihm unendlich Kraft mit all dem Schicksal, was ihm die ganze Zeit widerfährt klarzukommen. Und er kommt langsam aber sicher dem grossen Familiengeheimnis auf die Spur…

Da dieses Buch so voller Spannung ist, ohne jedoch ein Hauch von Kriminalliteratur sein zu wollen, wäre es nicht richtig das Geheimnis im Vorfeld zu verraten. Eine bewegende, intensive Geschichte eingebettet in einer klaren, unschwülstigen Sprache, gespickt voll unendlich vieler Fragesätze, die den Leser bewegen, zu antworten.

Durchgeblättert – „Schriftsteller und ihre Hunde“

Das ist ein ganz besonders schönes Bilderbuch für Literaten und für Hundeliebhaber. Jürgen Christen, Journalist und Hundebesitzer, stellt in diesem Buch die „Musen auf vier Pfoten“ vieler sehr bekannter Schriftsteller und Schriftstellerinnen vor. Es gibt oft eine sehr enge Bziehung zwischen Hund und  Autor, von dieser scheint’s beide unheimlich profitieren. Vorallem die wortlose Kommunikation zwischen den „vierpfotigen Musen“ und den Poeten ist von ausserordenlicher Bedeutung.

Ernst Jandl hat seinen Mops in dem Gedicht „ottos mops“ verewigt. Günter Grass seinem Hund Kara den Nobelpreis erklärt und sein dritter Band der Danziger Trilogie „Hundejahre“ (1963) gehört zu seinen wichtigsten Werken. Thomas Mann wurde von seinem Schäferhundmischling Bauschan für die Erzählung „Herr und Hund“ inspiriert. Truman Capote konnte nicht ohne seiner Bulldogge leben. Juli Zeh hat ihren Hund Otello zum Autor gemacht mit dem Buch „Kleines Konversationslexikon für Haushunde“. John Steinbeck tourte mehrere Monate lang mit seinem Königspudel Charley durch die USA ….

Es bereitet ein grosses Vergnügen Hunde und ihre literarischen Herrchen kennenzulernen und in ein Stück ihrer privaten Welt einzutauchen.

Durchgelesen – „Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe“ v. Rainer Moritz

Rainer Moritz hat mit seinem Roman „Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe“ eine wundervolle, romantische, aber gleichzeitig kitschlose Liebesgeschichte geschrieben, die im Pariser Montmartre-Viertel spielt.

Es geht um Nathalie Cottard, eine Buchhändlerin, die in ihrem kleinen Appartement in der Nähe von Sacré-Coeur von einem Wasserschaden überrascht wird. Das Appartement wird dadurch total unbewohnbar für die nächste Zeit. Doch überraschenderweise bekommt sie Hilfe von ihrem eher sehr zurückhaltenden deutschen Nachbarn Robert Bernthaler. Er vertreibt für eine süddeutsche Firma Flaschenkorken in Frankreich. Die Beiden kommen sich trotz ihres Arbeitsalltags und ihrer Probleme mit der Renovierung ihrer Wohnung immer näher. Sie zeigt ihm ihre Lieblingsplätze und sie verbringen ein schöne Zeit zusammen. Ja und vielleicht entwickelt sich eine richtige Liebesgeschichte daraus?

Doch das wird nicht verraten… Es ist ein Roman voller Charme und Pariser Atmosphäre, jedoch nicht sentimental oder schnulzig. Ganz im Gegenteil, es ist eine Geschichte voller Leichtigkeit, Raffinesse und Vergnügen.

Alberto Manguel – Zitat

Manche Bücher durchqueren wir im Fluge. Schon beim Umblättern vergessen wir, was auf der vorigen Seite stand. Andere lesen wir mit Ehrfurcht, ohne Widerspruch oder Zustimmung zu wagen. Wieder andere dienen lediglich der Information und bleiben ohne Kommentar. Dann gibt es Bücher, die uns in vielen Jahren so sehr ans Herz gewachsen sind, dass wir sie nur Wort für Wort wiederholen können, denn wir kennen sie längst auswendig.“

(Alberto Manguel aus „Tagebuch eines Lesers“)

Durchgelesen – „Der Zauberberg“ v. Thomas Mann

Das Buch der Bücher! Das in meinen Augen wichtigste und beste Buch von Thomas Mann. 1912 verbrachte seine Frau mehrere Monate in einem Davoser Lungensanatorium. Und diese Erfahrungen hat Th. Mann in seinem Werk „Der Zauberberg“ verarbeitet.

Es geht um den jungen Patriziersohn Hans Castorp. Er besucht seinen lungenkranken Vetter in einem Sanatorium in Davos, bevor er eigentlich als Ingenieur in eine Schiffsbauwerft eintreten wollte. Zunächst etwas befremdet über die Lebensweise in diesem Sanatorium, will Hans Castorp zunächst drei Wochen zu Besuch bleiben. Doch eine Erkältung verlängert seinen Aufenthalt und das Interesse an der Welt des „Flachlandes“ wird immer geringer. Hans Castorp unterliegt gleichzeitig auch noch der Faszination der Russin Clawdia Chauchat und bleibt ihretwegen im Sanatorium. Nach sieben Monaten reist sie jedoch ab. Castorp verbringt weitere sieben Jahre auf dem „Zauberberg“. Er lernt den Jesuiten und Kommunisten Leo Naphta und den holländischen Kaffeepflanzer Pieter Peeperkorn kennen.

Ein Bildungsroman, ein Zeitroman bezüglich der Befindlichkeiten des europäischen Bürgertums. Eingebettet in einer intensiven, starken und farbigen Sprache.

Durchgelesen – „Mobbing“ von Annette Pehnt

Ein brisantes und immer aktuelles Thema wird in diesem Roman von Annette Pehnt auf sehr klare Weise und mit viel Feingespür bearbeitet.

Es geht um Jo. Er war ein liebenswerter und charmanter Mann, als er seine Frau kennenlernt. Sie sind inzwischen verheiratet und haben zwei kleine Kinder und wohnen in einem kleinen Reihenhaus.

Sein Job wird ihm zum Verhängnis, ab dem Zeitpunkt des Auftauchens der neuen Chefin. Seine Kollegen beobachten ihn, und seine Chefin erniedrigt ihn, isoliert und verunsichert ihn, wo sie nur kann. Letztendlich bekommt er nur noch minderwertige Arbeiten zugeteilt und sie nimmt ihm seine eigentlichen Aufgaben immer mehr weg. Er versucht sich zu wehren, mit ihr zu sprechen, aber sie meidet jeden Kontakt. Mobbing! Krankheit! Die Krönung ist der Verlust seines Arbeitsplatzes. Er wehrt sich mit einem Prozess vor dem Arbeitsgereicht, aber das heisst noch lange nicht, dass nun alles vorbei ist.

Annette Pehnt beschreibt in einer unheimlich schnellen, manchmal fast schon protokollarischen Weise das Ausmass der Katastrophe, Versagen, Ängste, Wut, Arbeitslosigkeit, Rückzug der Freunde, Eheprobleme.

All dies verändert das Leben dieser Familie, der zwei Menschen, man fühlt sich betroffen, erschrocken, wütend, möchte eingreifen, etwas verändern und hofft, dass alles wieder zu einem guten Ende führt. Aber das Gegenteil ist der Fall, der Niedergang ist programmiert.

Ein kraftvolles Buch, mit seinen 165 Seiten in einem Zug durchlesbar. Und am Ende bleibt man doch etwas verstört, aber auch bestätigt zurück.

Durchgelesen – „Saubere Verhältnisse“ von Marie Hermanson

Die schwedische Autorin Marie Hermanson ist für mich ein Geheimtipp! Mit ihrem Roman „Saubere Verhältnisse“ spürt sie menschliche psychologische Abgründe auf in einer so unglaublich spannenden und atemberaubenden Weise, das man als Leser dieses Buch nicht mehr bis zum Ende aus der Hand legen kann.

Es geht hier um eine erfolgreiche Chefin (Yvonne Gärstrand) einer Firma für Zeitmanagement, die einerseits alles erreicht hat und sehr erfolgreich ist, aber andererseits irgendwie zu viel Zeit hat, und sich somit für fremde Häuser in fremden Gegenden interessiert. Es zieht sie in den Vorort, in eine bestimmte Strasse, in den Orchideenweg. Sie geht spazieren, interessiert sich für die Bewohner, aber sie bleiben ihr fremd, bis zu dem Zeitpunkt, als im Orchideenweg 9 eine Putzfrau gesucht wird. Sie bewirbt sich und tritt als Nora Brick den Dienst als Putzfrau im Haus von Bernhard Ekberg an. Er lebt scheints allein, es fehlt im eine Hausfrau und schon beginnt die Reise in psychologische Tiefen. Wo ist eigentlich seine Frau, wer ist die geheimnisvolle Schöne auf einem Foto, das sie in Herrn Ekbergs Jackentasche findet?

Der Leser wird nach einem sehr kurzen Vorspiel in einen ungewöhnlichen Bann gezogen, der ihn auch nicht mehr loslässt. Eine Spannung, eine im ersten Augenblick so unglaubwürdige Geschichte, vor allem ab dem Zeitpunkt, als sich Nora alias Yvonne auch noch in Bernhard verliebt. Man muss weiter lesen, und kann es nicht glauben, was alles noch passiert, und ganz zum Schluss gibt es auch noch ein Ende, mit dem – meiner Empfinden nach – keiner gerechnet hat.

Kurzum ein wirklich sehr kluges, spannendes Buch, ein „page-turner“ bis zur letzten Seite, und am Ende bleibt man nur noch sprachlos zurück!

Durchgeblättert – „Unpacking My Library: Architects and Their Books“ v. Jo Steffens

Ein aussergewöhnliches Buch: Es geht um 12 ausgewählte, international weltberühmte Architekten – wie Michael Graves, Bernard Tschumi -, die ihre privaten Bibliotheken vorstellen. Und dabei geht es eben nicht nur um Architekturbücher, sondern um Bücher und Bibliotheken im Allgemeinen. Es wird jede der Privatbibliotheken abgebildet. Dabei werden unter anderem die Grösse, der Hersteller, das Material der Bibliothek angegeben und die Anzahl Bücher. Dann werden einige Regale photographisch herausgenommen, so dass der Leser genau sehen kann, was in dem Regal steht. Und am Ende jeder Vorstellung gibt es noch die Liste der Top Ten Books des jeweiligen Architekten.

Es macht unheimlich Spass als Leser somit in fremden Bibliotheken zu schmökern, und es ist unglaublich interessant, welche Werke sich da entdecken lassen. Natürlich gibt es viel über Architektur zu finden, aber auch Autoren wie James Joyce, Marcel Proust, Thomas Pynchon, Robert Musil, Paul Celan, Franz Kafka sind präsent. Ein kleiner Bildband, der neue bibliophile Welten eröffnet. Das Buch ist bis jetzt nur auf Englisch im Verlag Yale University Press erschienen.


Durchgelesen – „Die souveräne Leserin“ v. Alan Bennett

„Die souveräne Leserin“ von Alan Bennett ist zu aller erst eine wunderbare Hommage an das Lesen, die Literatur und die englische Königin.

Die Queen wird mittels eines Spazierganges mit ihren Hunden zu einem Bibliotheksbus geführt, der einmal wöchentlich vor ihrem Schloss parkt. Sie ist neugierig und betritt den Bus, und sieht auch noch einen ihrer Mitarbeiter ( der Küchenjunge Norman), der begeistert in den Büchern schmökert und sich etwas ausleiht. Sie zeigt sich höflich und leiht sich auch ein Buch aus, obwohl sie sich nie so richtig fürs Lesen interessiert hat und eigentlich ja selbst eine sehr bedeutende Bibliothek besitzt.

Ja und so begibt sich der Leser und „die souveräne Leserin“ (Queen) auf eine gemeinsame Reise durch die Literatur gespickt mit entzückenden Anspielungen, verpackt in sehr schöner Sprache und gewürzt mit einer guten Portion englischen Humors.

Eines der schönsten Zitate in diesem Werk ist:

„«Hat jemand von Ihnen Proust gelesen?», fragte die Queen in die Runde.“

Dieses 115 Seiten literarisch starke Büchlein bietet einen vergnüglichen, teilweise auch was die Literaturgeschichte betrifft sehr lehrreichen, aber vor allem unverwechselbaren Lesegenuss.

„«Man liest zum Vergnügen», sagte die Queen. «Lesen ist keine Bürgerpflicht.»“

Durchgeblättert – „Erlesene Orte“, „Lesen“ und „Frauen, die lesen sind gefährlich“

Drei Bildbände über das Lesen für das Auge und für die Seele!

Ebba Dangschat, Erlesene Orte: E. Dangschat hat künstlerische Fotografie studiert, und porträtiert in ihrem Werk 53 Menschen aus Kultur, Politik und Wirtschaft, für die Bücher etwas ganz Wunderbares und Lesen so wichtig ist, wie Essen. Doris Dörrie braucht zum Lesen auch immer eine Hängematte, Christoph Schlingensief mag die Atmosphäre von Grossbaustellen, Tanja Dückers braucht ihre Badewanne, und und und. Es macht viel Spass diese Menschen beim Lesen zu beobachten!

Isolde Ohlbaum, Lesen: Wer kennt sie nicht die herausragende Fotografin I. Ohlbaum. Sie zeigt in diesem kleinen, aber feinen Bildband eine Auswahl von wunderbaren Bildern, wann, wie und wo man lesen kann. Alles unbekannte Menschen, Orte und Stimmungen! Versehen mit kleinen Texten und Zitaten aus der Welt der Literatur mit dem Thema Bücher und Lesen. Ein richtig schönes Geschenkbuch, für alle Lesesüchtigen und Liebhaber schöner Fotos!

Stefan Bollmann,Frauen, die lesen sind gefährlich: In diesem Buch werden von bekannten und/ oder wieder zu entdeckenden Künstlern Bilder gezeigt, die lesende Frauen in ihrer Schönheit, Anmut und Ausdruckskraft wiederspiegeln. In den kurzen Begleittexten wird erläutert, warum sie lesen, in welche Lektüre sie vertieft sind und wir erfahren gleichzeitig noch etwas über den Künstler und die Epoche, in der das Werk entstanden ist. Dieses Buch öffnet einen Einblick in ein spannendes Kapitel der Lesegeschichte und besticht mit seinen wunderschönen Bildern!

Durchgelesen – „Das geheime Leben der Bücher“ von Régis de Sà Moreira

Jetzt ist dieses Buch auch endlich auf deutsch erschienen. Das französische Original – Titel „Le libraire“ gibt es schon seit 2004, da sieht man mal wieder lange es dauert, bis die Lizenzen so verteilt werden. Schade dass der Titel so geändert wurde, denn „Der Buchhändler“ trifft viel besser auf dieses schmale Buch zu.

Es geht nämlich um einen Buchhändler, der eine kleine Buchhandlung besitzt, und nur die Bücher verkauft, die er gelesen hat und auch für gut befindet. Er ernährt sich nur vom Lesen und vom Kräutertee (Eisenkrauttee – Verveine), somit kann er immer etwas zu sich nehmen, ohne dick zu werden.
Er verkauft keinen „Schund“, wobei er sich auch selbst immer die Frage stellt, was ist eigentlich Schund.
Die Dialoge mit Kunden und auch mit sich selbst sind sehr originell, witzig, absurd, melancholisch und buchhändlerisch.

Wie zum Beispiel folgender Ausschnitt eines Kundengesprächs:
Guten Tag, haben Sie dieses Handbuch für Paare, das von einem Biber geschrieben wurde?“
„Nein.“
„Kann ich es bestellen?“
„Nein.“
„Und warum nicht?“
„Weil ich es nicht verkaufe.“
„Und warum?“
„Weil ich es nicht verkaufen will“.
„Aber Sie haben nicht das Recht dazu…. Das ist unerhört. Auch Tiere haben das Recht zu schreiben.“
„Das ist nicht das Problem.“
„Wie bitte?“
„Ich verkaufe keine Handbücher für Paare“.
„Aha … Aber das ist ebenfalls unerhört.“
„Wenn Sie meinen …“
„Sie hören noch von mir.“
„In Ordnung.“
„Unerhört!“
„Auf Wiedersehen.“

Ein Buch für Leser, Buchliebhaber und Buchkäufer, die ihren persönlichen Buchhändler schätzen und für alle, die wissen, dass Lesen glücklich macht.

Durchgelesen – „Am Anfang war die Nacht Musik“ v. A. Walser und „Mein Jenseits“ v. M. Walser

Alissa Walser, Am Anfang war die Nacht Musik: Ein erstaunlicher Roman mit einer erstaunlichen Sprache. Sie ist schwülstig, gestelzt, hat aber trotzem einen unglaublich starken Rhythmus, der den Leser mitnimmt. Der Roman spielt in Wien im Jahre 1777. Es geht um den berühmten Arzt Franz Anton Mesmer, der die blinde Pianistin und Sängerin Maria Theresia heilen soll. Er nimmt sie auf in sein magnetischen Hospital. Sie fühlt sich zum ersten Mal befreit, weg vom ständigen Druck, noch besser Klavier zu spielen. Und vor allem weg von ihrer Familie. Mesmer hofft mit Hilfe der Heilung endlich den medizinischen Durchbruch zu erreichen. Arzt und Patientin entdecken ihre gemeinsame Liebe zur Musik und die ersten Heilerfolge sind zu erkennen. Doch es kommt zu einen Medizin-Skandal. Man spürt hier in diesem Roman sehr deutlich, was für ein wunderbares Werkzug Sprache sein kann: „Gedanken, denkt er, sind wie Arznei. Falsch dosiert, und man geht zugrunde daran.“ Ein Buch für Musikliebhaber und nicht nur für Freunde historischer Romane.

Martin Walser, Mein Jenseits: Eine Novelle über „Glauben“. Der Hauptprotagonist ist Augustin Feinlein, Chef des Psychiatrischen Landeskrankenhauses Scherblingen. Er hat Probleme mit dem Älterwerden, deshalb hat er aufgehört ab seinem 63. Geburtstag weiter zu zählen. Feinlein hat Schwierigkeiten mit seinem Oberarzt Dr. Bruderhofer. Dieser hat seine grosse Liebe Eva Maria geheiratet. Sie war zuvor mit Feinlein verlobt, heiratete dann den Grafen Wigolfing und nachdem dieser an der Eiger Nordwand verunglückte, wurde sie die Frau des 18 Jahre jüngeren Dr. Bruderhofer. Und sie schreibt immer noch Postkarten an Feinlein mit dem Abschluss “ In Liebe“. Und das versucht er zu glauben, nein er glaubt es! „Eine Sekunde Glauben ist mir tausend Stunden Zweifel und Verzweiflung nicht zu hoch bezahlt.“ Und Glauben lernt man nur, wenn einem nichts anderes übrig bleibt.“ Die Geschichte ist so skuril und der Held ist gleichzeitig eine komische und traurige Gestalt. Am Schluss wird August Feinlein in sein eigenes Psychiatrisches Landeskrankenhaus eingeliefert, doch warum? Ein schmales, aber sehr intensives und starkes Buch!

Man spürt bei beiden Büchern, die Tochter des Vaters, aber auch den Vater der Tochter. Übrigens ist dies der erste Roman von Alissa Walser. Sie hat 1992 für eine Erzählung den Ingeborg-Bachmann-Preis erhalten.