Durchgelesen – „Sommertöchter“ v. Lisa-Maria Seydlitz

Erinnerungen an eine im ersten Augenblick harmonisch wirkende Kindheit, obwohl bereits Einsamkeit und Verlust eine tragende Rolle spielen, und ein unerwarteter Familienzuwachs sind die Hauptelemente in diesem grandiosen Erstlingsroman.

Lisa-Maria Seydlitz wurde 1985 in Mannheim geboren. Sie studierte an der Universität Hildesheim und an der Université de Provence Aix-Marseille. 2008 war sie Stipendiatin bei dem renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. Jetzt ist ihr erster Roman mit dem Titel « Sommertöchter » erschienen, der uns von einer bis jetzt noch weitgehend unbekannten und jungen, aber literarisch bereits sehr reifen Schriftstellerin präsentiert wird.

Der Roman spielt in Deutschland und Frankreich. Die Geschichte hat zwei ineinander verschlungene Erzählstränge, die zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit bzw. der Erinnerung « pendeln ». Die Vergangenheit hat ihren « Raum » in einem schönen Haus mit einem grossen Garten in einer nicht genannten deutschen Stadt. Die Gegenwart spielt kurz in einer kleinen Wohnung in der gleichen ungenannten Stadt aus der Erinnerung und sie führt in einen kleinen Ort namens Coulard in Frankreich, genauer in der Bretagne.

Die Hauptperson ist Juno, eine junge Frau, die acht Jahre nach dem Tod ihres Vaters einen Brief aus Frankreich erhält, in dem ihr mitgeteilt wird, dass sie ein kleines Fischerhaus in der Bretagne geerbt hat. Der Brief ganz ohne Absender, dafür mit einem kleinen Polaroidfoto und darauf die Adresse für das abgebildete Häuschen, macht neugierig:

« Ob ich das Haus verkaufen wolle oder renovieren und an Touristen vermieten, lese ich, die Schrift sieht unsicher aus, als wüssten die Buchstaben und Wörter nicht, ob sie wirklich zusammengehören. »

Juno ist doch irgendwie irritiert, sie kennt weder den Ort, noch weiss sie, warum sie ein Haus erben sollte. Sie recherchiert, findet im Internet das Dorf in der Bretagne. Sie schläft schlecht, überlegt, erkundigt sich bei ihrer Mutter, ob sie Verwandte in Frankreich hätte und ob ihr Vater dieses Haus eventuell kannte. Doch die Mutter verneint alle Fragen. Juno spürt, dass ihre Mutter keinesfalls die ganze Wahrheit erzählt und entschliesst sich, nach Coulard zu fahren.

Nach einer langen Reise erreicht Juno diesen besagten Ort. Der Hunger führt sie in eine kleine Bar, die « Bar du Matin ». Ausser der jungen Kellnerin und ihr ist niemand in dem Mini-Restaurant. Sie bestellt « Moules frites » und versucht, die Kellnerin nach dem Haus zu fragen. Allerdings erhält sie keine Antwort, aber Juno findet trotzdem ihr Erbstück :

« Ich gleiche das Haus, vor dem ich stehe, mit dem Polaroid aus dem Briefumschlag ab. Ein kleiner Schornstein, ein rotes Dach, ein Apfelbaum. Seegrüne Fensterläden, die auf dem Polaroid noch braun sind. Und neben der Tür wachsen links und rechts Lavendelsträucher, wie frisch gepflanzt, auch sie fehlen auf dem Polaroid. Der Geruch nach Terpentin, zwei Metalleimer unter dem Fenster, an den Borsten des Pinsels eingetrocknetes Seegrün. »

Sie blickt in die Fenster, sperrt mit dem Schlüssel, den sie übrigens kurz vor ihrer Abreise noch von ihrer Mutter bekam, die Tür auf und hört unerwartet Stimmen und Musik. Nicht nur die Tatsache, dass hier bereits jemand Unterschlupf gefunden hat, überrascht sie sehr, sondern auch die Erkenntnis, dass sie schon einmal mit ihren Eltern hier gewesen sein muss. Dieses Haus war eine Überraschung, ja ein Geschenk ihres Vaters an ihre Mutter und sie. Juno erinnert sich an diesen einen Urlaub, aber sie erinnert sich auch an ihre Kindheit, die geprägt und beeinflusst war durch die Krankheit ihres Vaters. Er litt an schweren Depressionen und hatte sich vor acht Jahren das Leben genommen.

Die Reise in die Bretagne, an einen Ort, der ihrem Vater soviel bedeutete, ist nicht nur eine klassische Urlaubsreise nach Frankreich, es ist Juno’s Reise in die Vergangenheit und Erinnerung. Es ist eine « Fahrt » ins Ungewisse und ins teilweise Unbekannte, bei der sie nicht nur eine junge Französin namens Julie trifft, welche sich bereits sehr heimisch in ihrem Fischerhaus eingerichtet hat und sich überraschenderweise als die Kellnerin der « Bar Matin » entpuppt. Wer ist diese Julie eigentlich, und was ist der Grund, dass ihr Vater so viele Geschäftsreisen nach Frankreich unternommen und sich hier dieses kleine Häuschen gekauft hat? Juno findet die Antworten, doch sie muss sich gleichzeitig ihrer teils schönen, aber auch sehr schmerzhaften Erinnerungen stellen…

« Sommertöchter » ist ein wundervolles Buch, auch wenn es von einer durchaus starken, aber auch irgendwie optimistisch anmutenden Traurigkeit begleitet wird. Der Titel verspricht eine gewisse Sommerleichtigkeit und Frische. Man stellt sich junge Frauen in langen Gewändern vor, die in der strahlenden Sonne am Strand spazieren und sich befreit fühlen. Juno wird dieses Gefühl der Befreiung vielleicht an diesem magischen Ort Coulard erleben können. Diese sehr langsam sich entwickelnde ganz subtile Unbeschwertheit in diesem Roman verspürt auch der Leser, wenn er Juno mit in die Bretagne folgt, obwohl er gleichzeitig auch in ihre Kindheitserinnerungen mitgenommen wird, welche so manche Freude und Hoffnung oft sehr schnell wieder entschwinden lassen.

Lisa-Maria Seydlitz gelingt es auf literarisch sehr hohem Niveau, den Leser durch ihre emotional transparente und leuchtend musikalische Sprache in die Gefühls- und Erinnerungswelten dieser jungen Frau eintreten zu lassen. Dieser Roman ist keine leichte Kost, kein flacher Familienroman, wie wir ihn zu genüge oft finden können. Es ist ein sehr berührendes, faszinierend komponiertes Erinnerungswerk, das den Leser erlaubt, ein gewisses angenehm trauriges Sommergefühl durchleben zu dürfen und es ist ein Buch, das die Kraft besitzt, uns auf sehr einfühlsam poetische Weise auch gleichzeitig zu trösten.

Honoré de Balzac hat einmal gesagt : « Die Erinnerungen verschönern das Leben, aber das Vergessen allein macht es erträglich. » Vielleicht wäre dies das passende Bonmot zu diesem besonderen Erstlingsroman. Juno darf und kann viele emotionale « Andenken » bewahren und damit auch die Gegenwart und die Vergangenheit verschönern, doch bei einigen wehmütigen Kindheitserinnerungen würde sie sich möglicherweise auch für das Vergessen entscheiden, um ihr « neues » Leben so richtig fühlen zu können und zu dürfen.

Sie, verehrter Leser, sollten unbedingt diesen melancholisch schönen und philosophisch intensiven Roman von Lisa-Maria Seydlitz geniessen, die Seeluft der Bretagne lesenderweise « einatmen » und den Sommer einmal mit ganz anderen Augen betrachten…

Durchgelesen – „Venice Beach“ v. Philippe Besson

Ein Buch mit dem Titel « Venice Beach » versprüht eindeutig Lust auf Sonne, Strand und mehr. Gleichzeitig spielt dieser Roman auch noch in Kalifornien, genauer in und um Los Angeles. Die Hauptpersonen sind ein Polizist und ein berühmter Schauspieler. Und somit schliessen wir natürlich spontan daraus, dass es sich hier um einen Krimi mit Urlaubsfeeling handeln könnte. Doch vielleicht sind Sie, lieber Leser – auch wenn es sich hier um eine echte Mordgeschichte handelt – nach den ersten Seiten etwas enttäuscht, denn dieser Roman ist kein klassischer Thriller, sondern eine mehr als aussergewöhnliche Liebesgeschichte.

Philippe Besson – geboren am 29. Januar 1967 in Barbezieux – studierte an der École supérieure de commerce in Rouen und arbeitete ab 1989 in Paris als Jurist und Dozent für Sozialrecht. 1999 begann er mit seinem ersten Roman « En l’absence des hommes », der in Frankreich 2001 erschien und für den Philippe Besson mit dem Prix Emmanuel-Roblès der Académie Goncourt ausgezeichnet wurde. Danach folgten fast im jährlichen Abstand weitere Romane : « L’arrière saison » (2003), « Un garçon d’Italie » (2003), « Les jours fragiles » (2004), « Son frère » (2005) – wurde von Patrice Chéreau verfilmt – , « Un instant d’abondan » (2005), « L ‘enfant d’octobre » (2006), « Se résoudre aux adieux » (2007) und im Jahr 2008 « Un homme accidentel », welcher uns nun aktuell mit dem leider etwas – in Punkto Urlaubsstimmung – verwirrenden deutschen Titel « Venice Beach » dank der Übersetzung von Caroline Vollmann vorliegt. Die Romane von Philippe Besson haben nicht nur in Frankreich einen sehr grossen Erfolg, sondern werden inzwischen in 14 Sprachen übersetzt.

Der Roman wird in der Ich-Form aus der Sicht einer der Hauptfiguren, des Polizeiinspektors, rückwirkend erzählt. Der namenlose Erzähler ist eigentlich glücklich verheiratet mit Laura, einer Bibliothekarin, welche sehr bald ihr erstes Kind zur Welt bringen wird. Er selbst ist ein sehr verantwortungsvoller und gewissenhafter Polizist, der das eher ruhige Arbeitsleben in Beverly Hills zu schätzen weiss und der froh ist, jeglicher Schlägerei aus dem Weg gehen zu können :

« Vielleicht haben mich meine Vorgesetzten deshalb gewählt : Man ahnte, dass ich keinen besonderen Ehrgeiz entwickeln und keinen Zwischenfall provozieren würde, dass ich in der Lage wäre, der Langeweile Widerstand zu leisten, und dass ich mich auf dem Foto gut ausnähme. »

Doch die so angenehme Ruhe in Hollywood ist bald vorbei, als man einen Toten auf dem Cresent Drive findet. Es war ein junger Mann, ermordert durch einen Schlag auf die Schläfe. Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass es sich bei dem Toten um den neunzehnjährigen Billy Greenfield – einem Prostituierten – handelt.

Der Fall musste aufgeklärt werden, der Erzähler und sein irischer Kollege McGill bearbeiteten die Informationen, die sie bis jetzt bekommen konnten. Sie durchkämmten die Wohnung des Toten, welche eher einem ziemlich heruntergekommenen Zimmer glich. Bei der Durchsuchung entdeckte McGill ein kleines Heft, eine Art Notzibuch, das der Erzähler jedoch nur in seine Jackentasche einsteckte ohne eine Auge darauf zu werfen. Am Nachmittag des gleichen Tages besuchte der Polizist endlich seine Frau, nachdem er sie am Abend wegen des Mordes vertrösten musste. Doch der Fall liess ihm keine Ruhe, er sprach mit seinem Kollegen über die Eltern des Toten und plötzlich fiel ihm wieder das Notizbuch ein. Er durchforstete darin alle Einträge und Adressen und entdeckte ganz plötzlich den Namen Jack Bell. Er musste wirklich überlegen, wer Jack Bell eigentlich war und dann erinnerte er sich wieder:

« Nun also Jack Bell. Vierundzwanzig Jahre. Der neue Schwarm von Hollywood. Zwei Blockbuster in Folge in den letzten sechs Monaten. Titelfotos auf Illustrierten ohne Ende. Einige Eskapaden beim Verlassen von Bars. Einige Gerüchte um ein verwüstetes Hotelzimmer. Und Schnappschüsse, auf denen man ihn am Arm eines jungen rothaarigen, magersüchtigen Models erkennt. Vor allem aber das perfekte Bild des Überlebenden. »

Jack Bell wohnte am Maple Drive, einer der besten Adressen von Hollywood. Man hörte nur « Schlechtes » über ihn, was den Polizist nicht verwunderte und genau diese Angebertypen, wie Jack Bell vielleicht einer war, lagen ihm überhaupt nicht. Er musste ihn wegen einer Befragung aufsuchen, war nicht überrascht bezüglich der luxeriösen Wohnverhältnisse und dafür umso mehr erschrocken über seine zurückhaltende Erscheinung. Etwas ermüdet und ausstrahlungsloser als in der Boulevardpresse begegnete Jack Bell ihm gegenüber trotzdem sehr höflich. Nach eindringlicher Befragung stellte sich heraus, dass er Billy Greenfield nicht kannte und sich auch mit ihm zwei Abende davor nicht verabredet hatte. Der Besuch war damit schnell abgeschlossen und der Polizist konnte sich nun endlich auf den Heimweg zu seiner geliebten Frau Laura machen. Er war glücklich mit ihr und freute sich sehr darauf, endlich Vater zu werden.

Am nächsten Tag versuchte Jack Bell den Polizisten nochmals zu erreichen. Er solle erneut bei ihm zu Hause vorbeikommen, er hätte vergessen, ihm etwas Wichtiges zu sagen. Der Polizist ging hin und war etwas irritiert, als Jack Bell plötzlich doch zugeben musste, Billy Greenfield zu kennen und dass dieser als kleiner Drogenlieferant ihn desöfteren mit Gras versorgte. Es war unverständlich für den Polizisten, warum Jack Bell beim ersten Mal gelogen hatte. Aber es war reine Absicht, denn Jack Bell wollte den Polizisten unbedingt wiedersehen, was sogar bei der Verabschiedung des zweiten Treffens wiederholt klar ausgesprochen wurde. Der Polizist war vollkommen durcheinander und lief planlos durch die Stadt. Er musste seine Sinne ordnen, dachte es würde helfen, Jack Bell mit seiner eventuellen Verlobten zu sich nach Hause einzuladen, ihm seine Frau Laura vorzustellen und einen schönen Abend gemeinsam zu verbringen. Doch Jack kam allein und das eigentliche Drama nahm seinen Anfang. Der Polizist verabredete sich am darauffolgenden Tag mit Jack und es war etwas geschehen, was er nie für möglich gehalten hätte :

« Während dieser Stunde, die ich auf ihn wartete, habe ich versucht, den Schlüssel für das unabweisbare Bedürfnis zu finden, das mich zu ihm trieb. Ich habe versucht herauszubekommen, warum ein guter Polizist in ein intimes Verhältnis mit einem bekannten Schauspieler einwilligt, der vielleicht in einem Mord verwickelt ist, und vor allem, warum ein verheirateter Mann, der bald Vater wird, in Begleitung eines zwielichtigen Individuums, von dem er fast nichts weiss, zu einer Spritztour auf der SR-1 aufbricht. In Wirklichkeit bedurfte es keiner grossen Anstrengung, um zu verstehen, was sich da anbahnte, aber einer enormen Anstrengung, um es zuzugeben. »

Obwohl für den Erzähler sein ganzes Leben auf dem Spiel stand, verliebten sich die zwei Männer vollkommen Hals über Kopf ineinander und somit entwickelte sich eine atemberaubende Amor fou zwischen einem heterosexuellen Polizisten und einem potentiellen krimminellen Schauspieler. Eine Liebe, die 18 Tage dauerte und ihren tragischen Höhepunkt am « Venice Beach » erreichen würde…

Dieser Roman ist eine echte literarische Entdeckung, die glücklicherweise endlich nach vier Jahren das deutschprachige Publikum erreicht. Soviel Emotionen – aus der Sicht eines Mannes und vor allem zwischen zwei Männern – wie in diesem Buch findet man selten. Philippe Besson schafft es mit seinem elegant exentrisch drehbuchartigen Stil, der sich durch sehr kurze Sätze und seine besonders sachliche Wortwahl auszeichnet, uns in eine aussergewöhnliche Gefühlswelt eintauchen zu lassen, die wir aus dieser Perspektive sicherlich nicht oft erfahren werden.

Denn Eines muss ganz klar verdeutlicht werden, es handelt sich hier keinesfalls um einen klassischen Schwulenroman. Es ist vielmehr die Geschichte einer vollkommen ungeplanten und unvorhersehbaren gleichgeschlechtlichen Liebe, die vielleicht jeden von uns ereilen könnte, ohne dass wir es uns im jetzigen Moment jemals vorstellen würden und könnten. Deshalb ist der Titel der Originalausgabe « Un homme accidentel », der eindeutig Zutreffendere. Frei übersetzt würde man sagen « Der zufällige Mann » oder « Ein Mann – ein Unfall ». Besonders das Wort « accidentel », was sich von « accident » – übersetzt « Unfall » ableitet, ist der Schlüssel dieses Romans. Philippe Besson bringt es in seiner Geschichte auch ganz klar auf den Punkt : « Nur ein verrückter Unfall war imstande, uns zusammenzubringen. Der gewaltsame Tod von Billy Greenfield ist ein verdammter Unfall gewesen. »

Dieses Buch ist also definitiv kein Kriminialroman. Es ist ein Liebesbekenntnis und eine Lebensgeschichte, die sowohl irritiert, als auch fasziniert, die vollkommen ohne Larmoyanz auskommt und dafür durch ihre unbestechliche Klarheit und schnörkellose Prägnanz hervorsticht und berührt. Ein Werk, das – obwohl der Mord eher in den Hintergrund rückt – durch seine emotionale Spannung und Sogfunktion mehr als beeindruckt.

« Venice Beach » ist ein sehr starker, leidenschaftlicher und bewegender Roman, der zeigt, wie sich ein Leben so plötzlich und unerwartet durch ein tragisches Ereignis verändern kann und am Ende trotz der Tragik nicht nur der Schmerz und die Scham, sondern auch die Liebe in Erinnerung bleibt!

Karl Kraus – Gedicht

Der Reim

Der Reim ist nur der Sprache Gunst,
nicht nebenher noch eine Kunst.

Geboren wird er, wo sein Platz,
aus einem Satz mit einem Satz.

Er ist kein eigenwillig Ding,
das in der Form spazieren ging.

Er ist ein Inhalt, ist kein Kleid,
das heute eng und morgen weit.

Er ist nicht Ornament der Leere,
des toten Wortes letzte Ehre.

Nicht Würze ist er, sondern Nahrung,
er ist nicht Reiz, er ist die Paarung.

Er ist das Ufer, wo sie landen,
sind zwei Gedanken einverstanden.

Er ist so seicht und ist so tief
wie jede Sehnsucht, die ihn rief.

Er ist so einfach oder schal
wie der Empfindung Material.

Er ist so neu und ist so alt
wie des Gedichtes Vollgestalt.

Orphischen Liedes Reim, ich wette,
er steht auch in der Operette.

Wenn Worte ihren Wert behalten,
kann nie ein alter Reim veralten.

Fühlt sich am Vers ein Puls, ein Herz,
so fühlt es auch den Reim auf Schmerz.

Aus allgemeinrer Sachlichkeit
glückt neu der Reim von Leid auf Zeit.

Weist mich das Wort in weitere Fernen
o staunend Wiedersehn mit Sternen!

Der erdensichern Schmach Verbreitung
bedingt dafür die Tageszeitung

und leicht trifft einem irdnen Tropf
der Reim den Nagel auf den Kopf.

Dem Wortbekenner ist das Wort
ein Wunder und ein Gnadenort.

Der Reim, oft nur der Verse Leim,
ist der Gedanken Honigseim.

Hier bietet die Natur den Schatz,
dort Technik süßeren Ersatz.

Ein Wort, das nie am Ursprung lügt,
zugleich auch den Geschmack betrügt.

Dort ist’s ein eingemischter Klang,
hier eingeboren in den Drang.

Sei es der Unbedeutung Schall:
ein Schöpfer ruft es aus dem All.

Dort deckt der Reim die innre Lücke
und dient als eine Versfußkrücke.

Hier nimmt er teil am ganzen Muß,
die Fessel eines Genius,

Gebundnes tiefer noch zu binden.
Was sich nicht suchen läßt, nur finden.

was in des Wortglücks Augenblick,
nicht aus Geschick, nur durch Geschick

da ist und was von selbst gelingt,
aus Mutterschaft der Sprache springt:

das ist der Reim. Nicht, was euch singt!

(aus Worte in Versen I. – IX.)

Durchgeblättert – „Stadt der Bücher“ v. Ilija Trojanow u. Anja Bohnhof

Eine Stadt der Bücher ist doch der Traum für jeden bibliophilen Menschen. Doch wo finden wir diese Orte, an denen Bücher zu den wichtigsten « Einwohnern » zählen? Es gibt sie verteilt auf der ganzen Welt und teilweise sind diese Orte eher klein und unscheinbar. Das erste Bücherdorf entstand 1961 in Wales : Haye-on-Wye. Aber auch in Frankreich gibt es einen entzückenden Ort – Charité-sur-Loire – mit erstaunlich vielen Buchhandlungen, der sich Stadt der Bücher nennt. Doch Trojanows « Stadt der Bücher » liegt nicht in Europa, sondern in Indien, genauer in einem gerade mal zwei Quadratkilometer grossen « Stadtteil » von Kalkutta.

Ilija Trojanow – geboren am 23. August 1965 in Sofia (Bulgarien) – floh mit seiner Familie 1971 nach Deutschland. Von 1972 ab verbrachte er seine Kindheit in Kenia, kehrte für die Schulausbildung von 1977 – 1981 nochmals nach Deutschland zurück und lebte anschliessend bis 1984 in Nairobi, wo er auf der Deutschen Schule auch sein Abitur ablegte. Er ging für ein Jahr nach Paris und studierte anschliessend Rechtswissenschaft und Ethnologie an der Universität München. Das Studium brach er ab, dafür gründete Trojanow in München zwei Verlage, die sich auf afrikanische Literatur spezialisierten. Ab 1999 zog er für einige Jahre nach Mumbai und beschäftigte sich intensiv mit Indien. Die Jahre 2003 bis 2007 verbrachte er wieder in Afrika (Kaptstadt). Inzwischen lebt er in Wien. Trojanows Gesamtwerk besteht aus Sachbüchern, Reiseführern, Reportagen, einem Science-Fiction-Roman und vielen Schriften über Afrika. Eines seiner berühmtesten und bekanntesten Werke ist sicherlich « Der Weltensammler ». Trojanow wurde mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen – wie zum Beispiel der Marburger Literaturpreis (1996) und der Preis der Leipziger Buchmesse (2006) – geehrt. Seine ganz aktuelle Veröffentlichung « Stadt der Bücher », welche er zusammen mit der Fotografin Anja Bohnhof gestaltet hat, führt ihn und uns Leser in Trojanows alte Heimat Indien zurück.

Wenn man an Kalkutta denkt, hat man zuerst Bilder von Armut und Überbevölkerung vor Augen. Mit 4,1 Millionen Einwohnern ist Kalkutta die siebtgrösste Stadt Indiens und mit einer Agglomeration von über 14 Millionen der drittgrösste Ballungsraum des Landes. Kalkutta ist nicht nur Industrie-, sondern auch eine für Indien wichtige Bildungs- und Kulturstadt, geprägt durch seine zahlreichen Universitäten, Theater, Kinos, Museen und Galerien. Somit ist es gar nicht so unverständlich, dass hier sehr viele Druckereien, Verlage und Buchhandlungen ihren Hauptstandort gefunden haben.

In dieser Stadt herrscht eine ganz besondere Buchkultur, die man sich vielleicht als Europäer nie hätte erträumen lassen. Entlang der College Street – eine Art Universitätsviertel – im Norden von Kalkutta gibt es mehr als 5000 Buchläden. Für Trojanow hat dieser « Ort » noch eine ganz andere Bedeutung:

« College Street ist keine Strasse, es ist kein Viertel und keine Hochschule ; College Street ist das Versprechen, jedes Buch zu finden, das man begehrt. Dieses Versprechen druchdringt wie der Ruf eines allgegenwärtigen Marktschreiers jede Nische eines Labyrinths, das von den Hauptstrassen in die Nebenstrassen und Seitengassen führt, ein Labyrinth aus bedrucktem Papier ; von den Bürgersteigen zu den Durchgängen, von Türen über Treppen bis hinauf zu vollgestopften Dachgeschossen stapeln sich Bücher zu Fassaden, Ecken und Erkern. »

Dieses besondere Fleckchen Erde mit seiner immensen Fülle und Dichte an Büchern, mit seinen verschiedenen Kiosken und « Buchläden » dürfen wir nun in diesem traumhaft schön gestalteten Bildband dank des aussergewöhnlichen Fotomaterials von Anja Bohnhof voller Faszination und Bewunderung besichtigen.

Anja Bohnhof – geboren 1974 in Hagen – studierte an der Bauhaus-Universität Weimar Fotografie. Sie hat einen Lehrauftrag an der FH Köln und ist daneben als freiberufliche Fotografin tätig. Ihre Arbeiten wurde nicht nur durch zahlreiche Stipendien und Förderpreise ausgezeichnet, sondern werden auch in internationalen Ausstellungen und Sammlungen regelmässig präsentiert.

« Stadt der Bücher » ist ein geniales Projekt, das zwei ganz beeindruckende Künstler zusammengeführt hat. Trojanow, der Sprachzauberer, der jede Lebensstimmung – wo auch immer auf der Welt – besonders authentisch einfangen und literarisch äusserst feinfühlig beschreiben kann. Und Anja Bohnhof, eine Fotografin, die ihre Objekte zielstrebig in den Focus nimmt und im absolut perfekten Moment auf den Auslöser drückt. Sie arbeitet mit der Grossformattechnik und vermischt hier in diesem Buch ganz raffiniert menschenvolle Szenen mit menschenleeren Ansichten. Durch die extrem hohe Präzision rücken somit das Buch und der dazugehörige Verkaufsort ohne jegliche Ablenkung in den absoluten Mittelpunkt. Wir entdecken die unterschiedlichsten Verlagsprogramme, Sortimentsschwerpunkte, Farbenkonzepte und Grössen im Hinblick auf die sogenannten « Verkaufsräumlichkeiten ». Es gibt selten Regale. Die Bücher werden einfach gestapelt und übereinander geschichtet. Man hat das Gefühl, als wären die Bücher ihr eigener Architekt, gestalten ihr « Ladenbausystem » durch sich selbst und präsentieren sich in kunstvollen « Pyramiden » und « Turmbauten », wie wir sie selten in europäischen Buchhandlungen wiederfinden werden.

Wichtig ist zu erwähnen, dass man hier als Kunde nicht einfach selbst in den Büchern schmökern kann. Hier hat der Kundenservice noch eine echte Bedeutung, denn der potentielle Käufer bringt seinen Bücherwunsch bei dem jeweiligen Buchhändler vor. Dieser sucht dann in seinem Sortiment nach dem gewünschten Titel. Und gerade bei der doch teilweise für uns etwas eigenwilligen und gewöhnungsbedürftigen Ordnungssystematik der Bücher, ist es um so bewundernswerter, wenn dieser Titel in kürzerster Zeit und vor allem ganz ohne Technik gefunden wird. Diese « Buch-Stadt » ist eben mehr als nur eine reine Ansiedlung von Tausenden von Buchhändlern, Verlagen und Druckern. Hier wird das gedruckte Wort nicht nur hergestellt und verkauft, sondern auch gelebt. Das Buch wandert  – wie auch Trojanow feststellt – hier nicht nur als Ware über den « Ladentisch », es wird vor allem respektiert und als ein echtes Kulturgut behandelt!

« Die Stadt der Bücher » ist ein so schöner kleiner Bild- und Textband, dass man es gar nicht in Worte fassen kann. Ilija Trojanow gelingt es mit seiner so angenehmen Unaufgeregtheit und seiner Begeisterungsfähigkeit uns Leser in diese magische Bücherwelt zu entführen. Doch nicht nur seine stimmungsvollen Berichte, sondern vor allem die farbenprächtigen und intensiven Bilder von Anja Bohnhof lassen uns erst die Bedeutung der Bücher in dieser Stadt nachspüren. Treten Sie ein in das bunte Bücher-Labyrinth Kalkuttas, Sie werden nicht nur verzückt staunen, sondern sich bestimmt – mit einem besonders wohligen Gefühl – gerne durch diese Bücherstraßen treiben lassen …

Durchgelesen – „Roman in Fragen“ v. Padgett Powell

Ist ein Roman ein Roman, wenn er nur aus Fragen besteht ? Stört es uns als Leser, wenn wir keinen Helden vorfinden und eine konkrete Handlung fehlt? Können wir uns überhaupt nur auf Fragesätze konzentrieren ? Wo bleiben eigentlich die Antworten dazu? Sind Sie, als Leser, bereit für weitere Fragen ? Ja ! Dann sollten Sie sich schnellstens dieses Buch besorgen !

Padgett Powell, geboren am 25. April 1952 in Gainesville Florida, zählt zu den interessantesten Südstaaten-Schriftstellern der USA. Seine erste Erzählung « Edisto » entstand 1984, wurde für den American Book Award nominiert und in Auszügen im « New Yorker » abgedruckt. Powell veröffentlicht in den nächsten Jahren noch weitere Erzählungen, Short-Story–Sammlungen und 2009 den Roman « The Interrogative Mood. A novel ? », welcher nun ganz aktuell durch die herausragende Übersetzung von Harry Rowohlt dem deutschsprachigen Publikum präsentiert wird. Powell schreibt unter anderem auch im « Esquire », « Harper’s Magazin », « The Paris Review » and « The New York Times Book Review ». Er wird mit zahlreichen Auszeichnungen – unter anderem mit dem « Whiting Writers’ Award » – geehrt. Seit 1984 unterrichtet Padgett Powell an der University of Florida.

« Sind Ihre Gefühle rein ? Sind Ihre Nerven anpassungsfähig ? Wie stehen Sie zur Kartoffel ? »

Mit diesen drei Fragen beginnt nun das Wunderwerk « Roman in Fragen » von Padgett Powell. Es ist tatsächlich ein Wunderwerk, denn wie könnte man anders einen Roman, wenn es überhaupt einer ist, bezeichnen, der uns auf über 180 Seiten nur mit Fragen konfrontiert.

Anfänglich liest man schwungvoll ein Wort nach dem anderen und stellt sich über kurz oder lang selbst die Frage, was Gefühle, Nerven und Kartoffeln eigentlich so gemeinsam haben könnten. Man schüttelt zuerst vollkommen verständnislos und irritiert den Kopf und fängt am Besten nochmal ganz langsam von Vorne an. Und dann wieder, diese Fragen, aber plötzlich bewegt sich etwas beim Lesen. Das Auge sieht nicht nur mehr das kurvige Fragezeichen am Satzende, sondern man fängt an die Fragen lesenderweise auf sich wirken zu lassen und sie insgeheim oder auch laut vor sich hin sprechend zu beantworten.

Es beginnt ein Spiel und es erinnert ein kleines bisschen an das berühmte « Questionnaire » von Marcel Proust. Doch trotzdem ist es anders, denn es sind viele Fragen, manchmal zu viele, und einige wiederholen sich auch noch, und man fragt sich ernsthaft, warum jetzt schon wieder :

« Fühlen Sie sich in einer Hose mit Tunnelzug wohl ? »

Und auch nach dem zweiten oder dritten Mal, bleibt diese Frage die gleiche und man kann auch sie nur mit ja oder nein beantworten. Es gibt aber auch viele Fragen, die mehr als ein Ja und Nein von uns Leser abverlangen. Das sind Fragen, die ein sehr intensives Nachdenken erfordern und vielleicht eine fundierte Antwort benötigen, oder auch nicht:

« Können Sie alles auflisten, wovor Sie Angst haben, oder ist es leichter, alles aufzulisten, wovor Sie keine Angst haben oder haben Sie vor gar nichts Angst, oder haben Sie im Wesentlichen vor allem Angst ? »

Powell stellt endlos viele Fragen: über das Aussehen, das Essen, die Gefühle, die Gewohnheiten, die Welt und die Liebe, kurzum über das ganze Leben. Der Fragende könnte und dürfte ein Mann sein, aber trotzdem  sind die Fragen nicht nur auf dieses Geschlecht abgezielt, sondern teilweise sehr weiblich und meistens jedoch geschlechtsunspezifisch. Sie gehen durchaus manchmal sehr ins Private, ja fast schon ins Intime, werden aber mit rationalen und sachlichen Fragen im Anschlus gleich wieder neutralisiert.

Der Fragende verspürt oft beim Leser eine gewisse Unsicherheit, ob dieser überhaupt versteht bzw. verstehen kann, warum er ihn all dies so direkt fragen muss :

« Bereiten Ihnen Socken Sorgen, die farblich zwar durchaus, in subtilerer Hinsicht jedoch nicht zur übrigen Kleidung passen ? Ist Ihnen klar, was ich damit meine ? Ist Ihnen klar, warum ich Ihnen all diese Fragen stelle ? Ist Ihnen, meinen Sie, überhaupt vieles klar, oder nur sehr wenig, oder schwimmen Sie irgendwo dazwischen im trüben Meer des Erwartbaren ? Sollte ich « im trüben Meer der Geistesgegenwart » sagen ? Sollte ich weggehen ? Sie in Frieden lassen ? Sollte ich mit meinen Fragen nur mich selbst behelligen ? »

Nach diesen Zeilen, weiss man nun letztendlich, ob man sich mit diesen Fragen weiterhin belästigen lassen will, oder nicht. Eines ist ganz klar, es mag Leser geben, die fühlen sich bereits nach den ersten Seiten vollkommen genervt von dieser ewigen Fragerei und brechen dieses literarische « Kunstwerk » ab. Sie werden es auf jeden Fall bereuen, denn so schnell wird uns Leser nichts mehr vergleichbar Geniales in der Welt der Literatur über den Weg laufen, als dieser sogenannte Fragen-Roman.

Dieses Buch hat nur dann einen literarisch praktischen Sinn, wenn man sich auf diese Fragen einlässt, ja sie vollkommen unvoreingenommen zulässt. Spätestens ab diesem Moment beginnt das eigentliche Vergnügen. Es ist wie eine psychologische Lebensübung, die wahre Wunder bewirkt. Nie haben Sie nach einer Lektüre so viel über sich selbst erfahren, wie durch Powells verrücktes Buch. Sie denken über Themen nach, die Sie sicherlich öfters verdrängt oder einfach vergessen haben, wie es uns auch mit folgenden Fragen ganz konkret klar gemacht wird :

« Wie oft fragen Sie sich : « Was habe ich vergessen ? » ? Wie oft zeigt sich, dass Sie, wenn Sie sich fragen, was Sie vergessen haben, dass Sie etwas vergessen haben ? Wie oft, wenn Sie sich fragen, was Sie vergessen haben und es sich zeigt, dass Sie etwas vergessen haben, veranlasst Sie die Frage dazu, sich daran zu erinnern, was Sie vergessen haben ? »

Sind Sie, verehrter Leser, nun endgültig aufgeklärt, warum man dieses Buch unbedingt lesen sollte ? Zur Ergänzung muss man noch hinzufügen, dass es sich mit « Roman in Fragen » nicht nur um ein echtes Meisterwerk handelt. Es ist ein literarischer Coup, spannend wie ein Krimi, denn Sie wissen nie, welche Frage als nächstes kommt, witzig wie eine Komödie, denn wann können Sie so unkompliziert und spontan über sich selbst lachen und intelligent, wie ein Psychologiebuch, das Selbstanalyse selten so einfach und praktisch gefördert hat. Das Werk ist sprachlich grandios, stilistisch exotisch, inhaltlich etwas surrealistisch und deshalb fühlt man sich während des fragenfüllenden Romankonstrukts  besonders wohl, wenn man als Leser eine ausgeprägte Schwäche für geniale Köpfe und Künstler wie zum Beispiel George Perec und René Magritte hat.

« Roman in Fragen » ist ein wunderbar raffiniertes, philosophisches, komisches und melancholisch verrücktes Buch, das man am Besten jedes Monat oder zu mindest einmal im Jahr durcharbeiten sollte. Die Fragen bleiben zwar irgendwie die Gleichen, aber Ihre Antworten werden sich sicherlich ändern. Doch noch wichtiger ist die dadurch entstandene Motivation, endlich selbst das Zepter in die Hand zu nehmen und Sätze mit diesem so lebendigen Fragezeichen zu kreieren. Deshalb hören Sie niemals auf, sowohl vor als auch nach der Lektüre, Fragen zu stellen, denn sie lösen Denkblockaden, befreien von geistigem Unrat und beflügeln das echte Leben. Nehmen Sie Platz im Fragenkarussell, lassen Sie sich mitreissen und probieren Sie das « Fragenspiel » gleich mal ganz pragmatisch bei Ihrem Buchhändler des Vetrauens aus: Kennen Sie Padgett Powell ? Haben Sie sein aktuelles Buch schon gelesen ? Würden Sie diesen Roman Ihren Freunden empfehlen ?…