Durchgelesen – „Und morgen bin ich dran“ v. Laurent Quintreau

Und Morgen bin ich dran – Das Meeting ist ein origineller französischer Roman, der den Leser in die Welt der Manager eintauchen lässt.

Es geht um ein Meeting um 11.00 Uhr mit 11 Manager und Managerinnen eines internationalen Unternehmens. Rorty ist der Vorstandsvorsitzende, er präsentiert wie immmer Zahlen, es geht um Umstrukturierungspläne, Einsparungs-massnahmen etc. Doch seine Manager konzentrieren sich nicht auf das Meeting, sondern schweifen nur zu gern mit ihren Gedanken ab:

„…wenn es nur schon Abend wäre, da seh ich meine kleine Apothekerin wieder, diese Dominique Meyer, ist aber auch sehr sexy, ein bisschen schwermütig vielleicht, aber sehr sexy, definitiv eher sexy als schwermütig, okay krieg dich wieder ein, sonst merkt die noch was, konzentrier dich auf dieses verdammte Meeting….“

Mit Hilfe von 11 inneren Monologen gewährt der Autor Einblicke in das Seelenleben seiner Manager. Der Eine beruhigt sich mit Tranquilizern, der Andere erzählt von seinen Krankheiten, der Nächste wird von Mordgelüsten geplagt oder denkt an sexy Frauen usw. Obwohl die Fantasien so verschieden sind, eins habe alle gemeinsam: Hoffnung auf Karriere und Angst vor Entlassung.

Dieses Buch fühlt sich an wie das Psychogramm einer Krisensitzung. Die Monologe der einzelnen Manager sind als Kreise eingeteilt, die innerhalb dieses Kreis-Kapitels vollkommen ohne Punkt auskommen und zum Schluss immer mit …. enden! Dadurch wird der Leser vollkommen unfreiwillig in einen unglaublich starken Sog gezogen. Die Lesegeschwin-digkeit erhöht sich während der einzelnen Kreis-Kapitel von Zeile zu Zeile immer mehr!

Der Roman ist ein sehr bissiges und amüsantes literarisches Werk über Hierarchiekämpfe und Neurosen. Absolut empfehlenswert, das auch die französische Tageszeitung „Le Monde“ bestätigte: „Das Buch ist erschreckend komisch und zutiefst tragisch. Quintreaus Blick ist so scharf, die Details sind so stimmig und die einzelnen Stimmen so wahrhaftig, dass man beim Lesen lachen muss, aber ziemlich beunruhigt.“

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