Durchgelesen – „Mein lieber Fisch“ v. Arezu Weitholz

Sie lieben Fisch, gehen gerne zum Angeln? Nein?! Aber Sie lieben dafür Gedichte, dann ist dieser entzückende Lyrikband mit vierundvierzig Fischgedichten der richtige „Fang“ für Sie!

Arezu Weitholz, die Autorin und gleichzeitig noch Illustratorin dieses wunderbaren Büchleins lebt in Berlin. Sie machte eine Ausbildung bei einer Bank und legte eine Zeit lang in Südafrika Platten auf. Inzwischen arbeitet sie Journalistin unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und schreibt für namhafte Rockgrössen die Songtexte.

Und sie hat eine unglaubliche Begabung aus „Fischen“ besondere Lebewesen zu machen. Der Leser taucht in eine Wasserwelt, die weder langweilig, öde, blass und einfallslos ist. Im Gegenteil voller Witz, Humor und Bissigkeit. Da wird selbst der absolute Fischverächter schwach und stürzt sich in die Fluten. Arezu Weitholz führt uns ein in ihre Fisch-Welt mit dem Gedicht:

Der Aalphabet“

„Es war einmal ein Fisch im Meer
der liebte die Buchstaben sehr.
Er zählte sie von früh bis spät
man nannt ihn auch den Aalphabet.

Doch eines Tages fehlte ihm
das grosse F, und das war schlimm
denn nun gabs grosse Ische
und sonst nur kleine fische.

Er sucht im ganzen Ozean
von oben bis nach unten.
Das grosse F war irgendwann
ganz vollständig verschwunden.

Der Aalphabet, er war nicht blöd
er tat, als wärs normal.
Und seitdem ist der grösste Isch
kein Isch mehr, sondern Wal.“

(genehmigter Abdruck, Quelle: „Mein lieber Fisch“, Vierundvierzig Fischgedichte von Arezu Weitholz, Weissbooks Verlag)

Fische in allen Variationen, in allen Grössen, tot oder lebendig. Man wünscht sich ein Aquarium, einen Fluss oder einen See, um den „Gedanken“ der Fische nachzuspüren. Selbst von ganz menschlichen Problemen, wie einer Grippewelle, werden die Weitholz’schen Fische nicht verschont:

„Die Grippewelle“

„Erst, da keuchten die Sardellen
und bald hustete der Hecht.
Böse röcheln die Forellen
und den Heringen ist schlecht.

Kopfweh, Fieber bei den Fischen
keiner mehr verlässt sein Haus.
Denn den Wal darfs nicht erwischen
wenn der niest, ist alles aus.“

(genehmigter Abdruck, Quelle: „Mein lieber Fisch“, Vierundvierzig Fischgedichte von Arezu Weitholz, Weissbooks Verlag)

Was für ein Vergnügen, diese Gedichte nach ringelnatzscher Manier zu lesen! Seien Sie mutig, wagen Sie ein literarisches Fisch-Menü. Sie werden es nicht bereuen, denn es ist absolut grätenfrei und äusserst schmackhaft!

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