Durchgelesen – „Ein liebender Mann“ v. Martin Walser

„…. Er musste einziehen in Weimar mit Ulrike und mit einem Roman, den er sofort schreiben, wenigstens anfangen musste. Ein Roman, den keiner und keine streitig machen konnte. Ein Roman, der Ulrike und ihn legitimierte. Nicht nur in Weimar. In der Welt. Der Titel stand sofort auf dem Blatt: Ein liebender Mann.“

Walser’s Roman „Ein liebender Mann“ ist die Romanze zwischen dem 73jährigen Geheimrat Goethe, inzwischen Witwer nach dem Tod seiner Frau Christine, und der 19jährigen Ulrike von Levetzow.

Walser erzählt diese Liebe so aufwühlend, bewegend und feinsinnig, voller Geist und Esprit und mit sehr hoher Sensibilität. Der Leser fühlt sich von der ersten Zeile an in die Zeit Goethes versetzt, schlendert wie der Herr Geheimrat in Kurpark von Marienbad und beobachtet, welche Erotik zwischen Goethe und Ulrike sich entwickelt.

Der Altersunterschied bereitet dem Geheimrat doch so einige Schwierigkeiten und es kommen Zweifel auf, die er allerdings immer wieder schnell verdrängt und sich von seiner Leidenschaft führen lässt. Es ist unbeschreiblich mit welcher Sprachintensität diese Leidenschaft dem Leser präsentiert wird. Mit einer Kraft und mit der Überzeugung eines jungen Liebenden werden die Gefühle für den Leser nachfühlbar.

„…. Wenn ich dich lieben darf, bin ich unsterblich. Erst dann. Jetzt weiss ich, warum ich nie jemanden hassen konnte. In mir war eine Liebe daheim, ein Leben lang, die schlief, die träumte, die schweifte ein paarmal aus, nannte sich so, nannte sich anders, floh wieder zurück, eigentlich wartete sie. Das hat mir die Kraft gegeben für alles. Jetzt weiss ich: Meine Liebe hat auf dich gewartet. Wenn du sie nicht willst, vernichtet sie mich. Und ich wehre mich nicht. Meine Liebe weiss nicht, dass ich über siebzig bin. Ich weiss es auch nicht.“

Ein Buch, das berührt, entzückt, beglückt und amüsiert, einfach eine wunderbare Liebesgeschichte!

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