Durchgeblättert – „Heimliche Gedichte“

„Ein Theaterstück ist der Mittelstreckenlauf, Prosa ist Marathon und Lyrik Hochsprung“, das sagte bereits Friedrich Dürrenmatt und das könnte auch die Maxime dieses wunderbaren Lyrikbandes sein.

Heimliche Gedichte, so heisst eine Anthologie, die Gedichte von Romanciers uns entdecken lässt, die teilweise zum ersten Mal auf deutsch oder in Buchform erschienen sind.

Diese literarischen Bijoux (immer in Originalsprache und der deutschen Übersetzung) werden hier in dieser ungewöhnlichen Auswahl dem Leser näher gebracht.

Der Leser wird überrascht von Prosaautoren wie Robert Musil, Joseph Roth, Raymond Chandler, Indrid Noll, Paul Auster, John Updike, James Joyce, Philippe Djian und vielen anderen.

Auch John Iriving hat ein einziges Gedicht geschrieben, und Alan Sillitoe hat gleich mehrere Gedichte verfasst, obwohl er der Meinung war, dass Romanciers keine guten Gedichte schreiben können, und diese Einschätzung hat er dann auch gleich als Gedicht umgesetzt:

„Schreib keine Gedichte,
Sagte der Rezensent.
Erzähl eine Geschichte,
Das sind die Sachen
Für die man dich kennt.

Unsinn, sagte ich.
Du spinnst.
Leck mich am Arsch.
Du kannst mich mal.
Verpiss Dich.
Hau ab.

Na, ist das ein Gedicht?

Er sagte: Reimt sich nicht.“

Heimliche Gedichte, ein wunderbares Buch für Lyrikliebhaber und für Leser, die schon alles haben. Ein kleiner Prachtband mit verborgenen Schätzen zum Geniessen, Staunen und Amüsieren.

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