Durchgelesen – „Die Eleganz des Igels“ v. Muriel Barbery

Dieser wundervolle in Paris spielende Roman hat zwei Heldinnen:

Die Eine ist Renée, 54 Jahre alt,  seit 27 Jahren Concierge in der 7, rue Grenelle, einem herschaftlichen Stadthaus im noblen 7. Arrondissement. Sie sagt selbst über sich:

„Ich bin Witwe, klein hässlich, mollig, ich habe Hühneraugen und in gewissen Morgenstunden einen Mundgeruch, wie ein Mammut. Doch vor allem entspreche ich so genau dem Bild, das man sich von den Conciergen macht, dass niemand auf die Idee käme, ich könnte gebildeter sein als all diese selbstgefälligen Reichen.“

Und genau dies trifft zu. Aber Renée versteckt es. Sie lässt in ihrer Loge den Fernseher mit den für eine Concierge üblichen Sendungen ganz laut laufen, und hört in dieser Zeit im Hinterzimmer klassische Musik oder liest Camus, Tolostoi und philosophische Bücher. Sie interessiert sich für Kunst und die Weltliteratur, achtet jedoch darauf, dass es keiner der Bewohner mitbekommt.

Die zweite Heldin ist Paloma, ein zwölfjähriges Mädchen. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihrer Schwester auch in der 7, Rue de Grenelle, in einer Wohnung nur für Reiche. Doch sie fühlt sich nicht verstanden und ist sehr einsam:

„Doch ich weiss schon lange, dass die Endstation das Goldfischglas ist, die Leere und der Unsinn des Erwachsenlebens.Warum ich das weiss? Der Zufall will, dass ich sehr intelligent bin. Daher habe ich meinen Entschluss gefasst: Am Ende dieses Schuljahres, an meinem dreizehnten Geburtstag, werde ich Selbstmord begehen.“

Das wäre ihre Plan, aber das Leben ändert sich in diesem Haus. Renée ’s Versteckspiel wird auch bald aufgedeck, durch den eleganten Japaner Ozu, der die freigewordene Wohnung bezieht. Als Feingeist erkennt er sofort ihre Intelligenz und die beiden freunden sich. Es könnte mehr daraus werden…

Ein kluger und sensibler Roman über Intelligenz, Schönheit und den Lebenssinn. Kein Buch für zwischendurch, eine anspruchsvolle Lektüre für Leser, die gerne etwas dazulernen wollen bzgl. Literatur, Kunst und Philosophie. Ein Buch voll Paris und ihren Menschen, geschrieben in einer sehr einfühlsamen und weisen Sprache.

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