Durchgelesen – „Die Entbehrlichen“ v. Ninni Holmqvist

Zum Glück ist dieser Roman, wirklich ein Roman, eine Fiktion und glücklicherweise nur eine Vision.

„Die Entbehrlichen“ sind Menschen, die nicht produktiv bis zum ihrem 50. Geburtstag waren. Produktiv bedeutet, keine Geburt eines Kindes vorzuweisen, oder keinen Menschen vorzuweisen, der Einen wirklich liebt. Und für diese „Entbehrlichen“ gibt es dann nur eine Lösung, die Einweisung in ein spezielles Sanatorium. Dies gleicht einem Luxusressort, nur mit dem feinen Unterschied, dass die Bewohner sich hier für psychologische Tests und für Organentnahme zur Verfügung stellen müssen. Es geht soweit, dass die Gäste nur bis zur letzten, sogenannten Endspende für die „Benötigten“ in diesem „Sanatorium“ bleiben können, denn diese führt definitiv zum Tod.

Und Dorrit Wegner gehört leider zu der Gruppe der „Entbehrlichen“, denn sie hat keine Kinder und sie liest. Somit muss sie sich  in diese „Einheit“ einweisen. Sie findet es am Anfang sogar sehr angenehm und konfortabel. Sie spaziert in einem künstlichen angelegten Park, sie besucht eine Kunstgalerie, sie geht in die Bibliothek:

Ja, es gibt ziemlich viele Intellektuelle hier, Leute, die Bücher lesen. Aha, sagte ich. Leute, die Bücher lesen, fuhr er fort, tendieren dazu, entbehrlich zu werden. In hohem Masse. Ach so, sage ich. Ja, sagte er.“

Eigentlich ist sie sehr freiheitsliebend, doch sie fühlt sich erstaunlich wohl und passt sich diesem neuen Leben an. Doch dann lernt sie ihren Mitbewohner Johannes kennen, und alles ist auf einmal ganz anders, denn er ist ihre erste grosse Liebe….

Dieser Roman ist sehr spannend, beklemmend, angsteinflössend, realitätsfremd und trotzdem kein Krimi. Es geht um die Wertigkeit des Menschen, um die Sinnfrage. Ein brisantes Thema, verpackt in einer glasklaren und sehr einnehmenden Sprache. Ein grandioses Buch!

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